„The Self in Verse. Exploring Autobiographical Poetry“

Bericht zur Tagung         

von Marie Lindskov Hansen                                                                    

Zeit: 9.- 11. April 2017
Ort: St Hilda’s College, University of Oxford

Über historische und kulturelle Wandlungen hinweg fasziniert die Lyrik als Modus der literarischen Selbstdarstellung. Schon in der Antike schrieben römische Dichter wie Catull und Ovid lateinische Verse, die von ihren Leben und von zentralen Episoden wie z.B. der Exilerfahrung handelten. Im Mittelalter verwendeten französische und deutsche Minnesänger wie Chrétien de Troyes und Walther von der Vogelweide Elemente des self-fashioning in ihren höfischen Liedern. Und auch seit der Renaissance haben sich etliche große Dichter mit ihren Werken in die Tradition der autobiographischen Lyrik eingeschrieben, siehe z.B. Dantes Vita Nuova, Petrarcas Canzionere, Shakespeares Sonnets, Goethes Sesenheimer Lieder, Wordsworths Prelude, um nur einige kanonische Beispiele zu nennen. Die autobiographische Repräsentation und Narration eines Selbst fungiert hier jeweils als Kern der lyrischen Praxis und verleiht dieser besonderes Potenzial: Liebesgedichte, religiöse Lyrik, historiographische und epische Gedichte oder andere Subgenres der Lyrik sind nur einige Ausdrucksformen, bei denen sich das Leben der Dichter und Dichterinnen besonders stark mit der Literatur verflochten zeigt.

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Verführung als Erschließungskategorie moderner Prosa

Interview mit Agnieszka Hudzik

„Philosophie der Verführung in der Prosa der Moderne. Polnische und deutschsprachige Autoren im Vergleich“ – so lautet der Titel der Doktorarbeit, die Agnieszka Hudzik zurzeit für den Druck vorbereitet. Die Verfasserin ist Alumna der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Potsdam. Noch vor der Veröffentlichung sprachen wir mit ihr über ihr Buch.

Interview von Dennis Schep

Wovon handelt deine Studie?

Agnieszka Hudzik: Der Ausgangspunkt meiner Überlegungen war die Beobachtung, dass man die Prosa der Moderne häufig als einen Wendepunkt in der Literaturgeschichte betrachtet. Erich Auerbach etwa betont in seiner Abhandlung Mimesis das ungeheure Tempo der Veränderungen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts vollzogen und mit denen sich die Schriftsteller konfrontiert sahen. Von der Zerrissenheit des Subjekts und dessen gestörter Weltwahrnehmung zu erzählen, erfordert Auerbach zufolge eine Abkehr von den narrativen Schemata der „klassischen“, realistisch

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On Hermeneutics and Secularism

Interview with Yael Almog

Yael Almog is a fellow at the Lichtenberg-Kolleg – The Göttingen Institute for Advanced Study. She finished her PhD at UC Berkeley, was a visiting member of the PhD-Net “Das Wissen der Literatur,” and worked at the Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. In her dissertation and during her time at the ZfL, she worked on the history of literary theory and secularism.

Interview by Dennis Schep

How did you get into this project?

I started my PhD in Comparative Literature at Berkeley, but also had a strong interest in religion. Comparative literature in the US is not quite the same as in Israel or Germany; in the US the emphasis was very philological, whereas I wanted to do something more along the lines of intellectual history. I switched to the German department after a year-and-a-half and first needed to improve my knowledge of German… I then began a long period of moving between Berkeley and Berlin. In Berkeley, I was influenced by a theoretical climate that emphasized the critique of secularism; from Berlin I took the emphasis on the eighteenth century, Enlightenment studies and Romanticism.

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