Do(n‘t) Judge a Book by Its Cover

Roman Kuhn über paratextuelle Fiktionsmarkierungen

Roman Kuhn hat 2016 seine Doktorarbeit über peritextuelle Fiktionsmarkierungen an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule erfolgreich beendet. Momentan arbeitet er innerhalb der DFG-Forschergruppe FOR 2305 „Diskursivierungen von Neuem. Tradition und Novation in Texten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit“ an einem Projekt über Klassizismus und Aufklärung in der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts.

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In meiner Arbeit geht es um paratextuelle Fiktionsmarkierungen. Paratext ist alles, was sich um den „eigentlichen“ Text herum befindet: Titelblätter, Verlagsangaben, Klappentexte und ähnliche Dinge, die den Text rahmen, aber auch Aspekte enthalten, die den Leser in eine bestimmte Richtung lenken. Mich hat interessiert, wie sich literarische Texte als Fiktion oder Nicht-Fiktion präsentieren und während meiner Beschäftigung mit Texten, die zwischen Autobiographie und Fiktion stehen, ist mir aufgefallen, wie zentral solche paratextuellen Signale dabei sind. Die Gattung der Autofiktion funktioniert eigentlich nicht, ohne dass im Paratext widersprüchliche Hinweise gegeben werden, zum Beispiel, wenn der Autorname auf dem Cover sich im eigentlichen Text als Name des Protagonisten wiederfindet, gleichzeitig aber „Roman“ vorne draufsteht. In dem Fall hat man zwei Aspekte, die in unterschiedliche Richtungen weisen.

Das war der Ausgangspunkt, das Thema geht allerdings historisch viel weiter zurück. Meine erste Entdeckung war, dass Paratexte im frühen 18. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielen, wobei sich auf der Oberfläche die Lage komplett umkehrt. Schematisch formuliert kann man behaupten, dass es im 18. Jahrhundert kaum Romane gibt, die nicht im Vorwort als wahre Geschichte ausgewiesen werden. Im 20. Jahrhundert findet man genau das Gegenteil: „Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig.“ Auf der Oberfläche eine exakte Umkehrung, man kann aber zeigen, dass unter dieser Oberfläche ganz ähnliche Strategien und auch ganz ähnliche Anliegen vorhanden sind.

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