The Affectivity of Multilingualism at the Freie Universität

By  Dorothea Trotter

“Affect” is an old word with many meanings that vary based on the person using the word and their discipline (if any). The OED defines it as a “feeling or subjective experience accompanying a thought or action or occurring in response to a stimulus.” Affect is often thought of in relation to emotion, feeling or mood and can be manifested in facial expression, posture, gestures and tone of voice, amongst other things. However, as a current working group of the Collaborative Research Centre at the Freie Universität points out, there is much more to affect than individual mental experience.

Affect was always a subject of close scrutiny for those who studied the workings of the human mind, but it was not until the rise of experimental psychology in the late nineteenth century that emotion became a major concern and the study of it in relation to political, economic and cultural transformations became a regulated practice. Nonetheless, literary focus on affect lost some credibility with the advent of the New Criticism in the 1940s. W.K. Wimsatt and Monroe Beardsley challenged critics for becoming emotionally entangled in the texts they were examining and discredited their analyses, which they stated derived from the text’s effect on the reader’s emotion. Today, this idea of the “affective fallacy” has largely been rejected by theorists: the “affective turn” in criticism and science saw a rise during the 1990s in scholars studying the ways in which humans react to certain stimuli and the role of affect in literary composition and reception. Contemporary affect theory derives a lot of its practice from the traditions of psychoanalysis and poststructuralism, with names like Gilles Deleuze, Félix Guattari, Brian Massumi and Silvan Tomkins lending legitimacy to the examination of what, at first glance, may appear subjective and irrelevant to serious intellectual criticism.

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Berlin als literarisches Trugbild: Ein Interview mit Bernardo Carvalho

Interview von Laura Gagliardi und Caio Yurgel
Bernardo Carvalho                         Bildquelle: FSGS

Im Rahmen des Workshops de/localizing literature, der vom 24. bis zum 26. Januar 2017 an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien (Freien Universität Berlin) stattfand, fand das Interview mit dem brasilianischen Schriftsteller Bernardo Carvalho statt. Im Fokus des hier veröffentlichten Gesprächs steht die Rezeption seines letzten Buches Simpatia pelo demônio [Mitgefühl für den Teufel, 2016, Companhia das Letras] und seine Beziehung zu den verschiedenen Gattungen, denen er sich in seinem Werk widmet. Das portugiesische Originalinterview finden Sie am Ende der deutschen Übersetzung.

Bernardo Carvalho, geboren 1960 in Rio de Janeiro, ist ein renommierter Schriftsteller, Journalist und Dramatiker. Er war Korrespondent der brasilianischen Zeitung „Folha de S. Paulo“ in Paris und New York sowie Herausgeber  der literarischen Beilage. Seine Bücher wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt und in vielen Ländern veröffentlicht. Neben Aberração, einer Sammlung von Kurzgeschichten aus dem Jahr 1993, schrieb er elf Romane, zuletzt Simpatia pelo demônio, die in Brasilien in dem Verlag Companhia das Letras erschienen sind. Seine literarische Produktivität lässt sich in zahlreichen Publikationen und Anthologien sowohl in Brasilien als auch im Ausland nachverfolgen. Sein Theaterstück BR-3 (2006), geschrieben für das experimentelle Teatro da Vertigem, wurde am Fluss Tietê in São Paulo und auf Booten in der Bucht von Rio de Janeiro aufgeführt. Ein weiteres Theaterstück (Dire ce qu’on ne pense pas dans des langues qu’on ne parle pas) wurde im Mai 2014 im Théâtre National in Brüssel uraufgeführt, bevor es für das Avignon Festival in Frankreich ausgewählt wurde. Einige seiner Chroniken, literarischen Rezensionen und Kurzgeschichten, die in „Folha de S. Paulo“ erschienen, wurden in dem Band O mundo fora dos eixos versammelt und neu herausgegeben (Publifolha, 2006).

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Modulationen der Zeit: Rückblicke mit und auf Skisb von Artavasd Pelešjan

Umschlag des Buches Moe kino (Mein Kino), 1988 , von Artavasd Pelešjan
von Willi Reinecke

Sollte 2018 das hundertjährige Jubiläum der Oktoberrevolution wieder zu den Akten gelegt werden, werden weitere Jahrestage möglicherweise dennoch an verwandte Fragen anknüpfen: 50 Jahre 1968 heißt dabei nicht nur eine Rekonstruktion westlicher Studentenbewegungen, auch der Prager Frühling hat sein großes Jubiläum. Damit steht die Dezentralisierung der Macht in West und Ost zur Debatte, im Lichte heutiger Spannungen zwischen beiden Seiten eine neu aufgelegte Herausforderung. Hinsichtlich der Oktoberrevolution ist 1967/68 wie eine Scharnierstelle, wurde doch damals in der Sowjetunion mit großem Aufwand der 50. Jahrestag der Revolution inszeniert. 50 Jahre von heute aus darauf zurückblickend, stellt sich die Frage nach dem zeitlichen Kontext dieser damaligen Inszenierung, die nicht zuletzt auch mit filmischen Mitteln geschah. In der Filmgeschichte wird das revolutionäre Momentum ganz verschieden artikuliert.[1]

Artavasd Pelešjans experimenteller Dokumentarfilm Anfang (Skisb im armenischen Original, der russische Titel Načalo erscheint im Film) gibt insofern einen Ausblick auf diesen zeitlichen Kontext, da er 1967 zum 50. Jahrestag entsteht und ausgehend von 1917 die darauffolgenden Jahrzehnte beleuchtet. Der Kurzfilm ist die Abschlussarbeit des damals 29-jährigen armenischen Regisseurs an der legendären Moskauer Kinematografieschule VGIK, die als älteste Filmhochschule der Welt gilt und durch Kulešov und Pudovkin früh verbunden ist mit Fragen nach der Darstellbarkeit der neuen sowjetischen Gesellschaft mittels innovativer Sujetfügung. Pelešjan arbeitet in einem weiten Sinn des Dokumentarischen, mit genreübergeifenden Essayfilmen, in denen Archivmaterial oft mit inszenierten Aufnahmen und Fotos kombiniert wird, im Falle von Skisb sind etwa auch kurze Sequenzen aus Ejzenštejns Oktober (Oktjabr‘) oder aus Erde (Zemlja) von Dovženko zu sehen. Diese Referenzen zeugen von der intensiven Auseinandersetzung Pelešjans mit der Avantgarde der 1920er und 30er. Sein eigener theoretischer Ansatz, den er mit der „Distanzmontage“ in den frühen 1970er Jahren systematisiert, ist Polemik gegen und Würdigung von Regisseuren wie Ejzenštejn und Vertov. Um 1970 bekommt Pelešjan bereits massive Probleme mit der staatlichen Zensur und kann in den folgenden Jahren nur noch sehr eingeschränkt arbeiten, während er insbesondere von französischen Filmkritikern wie Serge Daney begeisterten Zuspruch erhält.

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Joshua Cohen in Berlin: An Interview

Joshua Cohen is an American writer. He is author of five novels, including Witz (2010), Book of Numbers (2015) and, most recently, Moving Kings (2017), as well as numerous short stories and non-fiction pieces. He has worked as a contributing editor for Harper’s Magazine, the New York Times, the Jewish Daily Forward and the London Review of Books, and has taught at Columbia University and the New School in New York, where he lives. In the winter semester of 2017/18 he is Samuel Fischer Guest Professor at the Peter Szondi Institute of the Freie Universität Berlin.

Interview by Chris Fenwick

You’ve lived in Berlin on previous occasions – I think you first came here in 2001, and the final part of Book of Numbers is set in a more recent incarnation of the city. What drew you here in the first place, and how do you feel about the way the city has changed?

I was told, I forget by whom, that the city was cheap. And the truth was, it was – it was cheaper. I had a job working for the venerable Jewish newspaper The Forward – I was the paper’s Europe correspondent. That meant: a whole lot of territory, not a whole lot of Jews. So I was on planes and trains and buses a lot, and that’s where I began writing fiction. In transit. In the window seat.

As for how I feel about how the city has changed, I don’t know. Let me just say that it’s cleaned up a lot. But then so have I. When I was here back then I felt as if Berlin and I were at the same stage of life: irresponsible about everything – about our money, our health, our sleeping – because our true responsibility was to history.

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