Die Serie endet auf drei: Polleschs Raumschiff Volksbühne

 von Linn Günther

„Man sollte […] mit der falschen Idee aufräumen, Wiederholung sei gleichbedeutend mit Tod. Wohingegen das Leben Vielfalt und überraschende Wendungen bedeute. […] [D]er größte Beweis für die göttliche Kreativität [besteht doch darin], dass sich immer wieder dieselben Dinge wiederholen. […] Die Sonne geht regelmäßig auf, weil sie nicht müde wird, aufzugehen. Was nach meiner Meinung Ausdruck einer überschwänglichen Lebhaftigkeit ist.“[1]

Ironisch zwinkert René Pollesch in seinem Drama “House for Sale” (Premiere am 10.09.2014) seinen Kritikerinnen zu, einem Werk aus der Reihe einer vermeintlich ewigen Wiederholungsschleife, einer postmodernen Diskursmaschine. Pollesch bildete einen der zentralen Frontmänner im ästhetischen Programm der verabschiedeten Volksbühne, neben Christoph Marthaler und Herbert Fritsch. Und seit längerem wurde dem Dramatiker und Regisseur vorgeworfen, nur noch Wiederholungen zu produzieren – diesen ermüdeten Grundton in verschiedenen Lagern des Kulturjournalismus greift das vorangestellte Zitat auf. Weniger ironisch wird es jedoch, wenn der dazugehörige Stücktitel sich als prophetischer erweist, als ihm lieb war: Die Castorf-Bühne ist futsch und damit unser Lieblingssender der Pollesch-Soap.

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Die unsichtbare Germanistik. Über eine Debatte in ihrer Krise

Manuel Clemens promovierte 2013 an der Yale University mit einer Dissertation über „Das Labyrinth der ästhetischen Einsamkeit. Eine kleine Theorie der Bildung.“ Derzeit unterrichtet er German Studies an der Rutgers University in New Jersey. Jüngste Veröffentlichung: „Dumme Fragen beantworten. Für einen populistischen Turn in der Literaturwissenschaft“ (KulturPoetik, Heft 16, Vol. 2, 2016). In diesem Artikel schlägt er vor, dass sich die gegenwärtige Literaturwissenschaft nicht nur mit ihren kanonischen Werken und Diskursen beschäftigen sollte, sondern auch mit dummen Fragen und populistischen Themen. Würde man diesen Fragen und Themen so gewissenhaft nachgehen wie der Lektüre Kafkas oder Benjamins, könnte sich eine neue Literaturwissenschaft mit einem neuartigen Wissen im öffentlichen Raum etablieren.

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Zeit für einen „conscious turn“?

Plädoyer für eine politisch aufmerksame Literaturwissenschaft

von Eva Murasov

Vergangenen Herbst lud die Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien (FSGS) im Rahmen ihrer Jahrestagung zu einer Podiumsdiskussion ein über „Techniken und Technologien der Lektüre – Alte Kulturtechniken, literaturwissenschaftliche Methoden und die Digital Literary Studies“. Fünf LiteraturwissenschaftlerInnen (Irmela Krüger-Fürhoff, Christine Ivanovic, Thomas Weitin, Hans Ulrich Gumbrecht und Bernhard Metz) dachten öffentlich darüber nach, wie sich das Fach in einer digitalisierten Gesellschaft positionieren kann. Bedarf es unter den sich ändernden medialen Bedingungen und Möglichkeiten eines neuen Umgangs mit Texten? Wenn ja, welchen? Die Diskussion blieb keinesfalls bei einer Auseinandersetzung mit Methodik stehen, sondern warf die Frage nach dem Selbstverständnis der Literaturwissenschaft und ihrer gesellschaftlichen Relevanz auf. Die politische Tragweite von Debatten über Forschungsrichtungen und Studienfächern zeigte sich nicht nur jüngst im Germanistik-Bashing des Spiegels – oder vielmehr in Frauke Berndts kluger Antwort  darauf –, sie rückte auch auf dem FSGS-Podium im November 2016 in den Vordergrund.

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Statements zu den Digital Humanities

„Trotz der verschiedensten Entwicklungen des 20. Jahrhunderts basieren die Methoden der ‚Analogue Humanities’ immer noch auf Praktiken, die über 200 Jahre alt sind. Im digitalen Zeitalter sind sie nicht mehr zeitgemäß.“

Lev Manovich:

Digital Humanities scholars use computers to analyze mostly historical artefacts created by professionals. The examples are novels written by professional writers in the 19th century. Time wise, they stop at the historical boundaries defined by copyright laws in their countries. For example, according to the U.S. copyright law, the works published in the last 95 years are automatically copyrighted. (So, for example, as of 2015, everything created after 1920 is copyrighted, unless it is recent digital content that uses Creative Commons licenses.) I understand the respect for the copyright laws – but it also means that digital humanists shut themselves out from studying the present.

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