FSGS-Jahrestagung 2017 „Fabrics of Time“

AutorInnen: Prof. Dr. Stefan Keppler-Tasaki und Prof. Dr. Cordula Lemke

Jahrestagung FSGS 2017Organisiert von Stefan Keppler-Tasaki und Cordula Lemke fand die Jahrestagung 2017 der FSGS am 29. und 30. September unter dem Titel Fabrics of Time im Clubhaus der Freien Universität statt. Knapp 30 Vorträge in neun Panels adressierten ein unter anderem ideengeschichtlich und kulturtheoretisch, ästhetisch und narratologisch gleichermaßen spannendes Spektrum an Zeittexturen, Zeitkonzeptionen und Zeitverständnissen aus zwei Jahrtausenden. Neben einem Großteil der Stipendiatinnen und Stipendiaten engagierten sich viele PIs der FSGS, darunter von der Philosophie, der englischen, deutschen und romanischen Philologie und der AVL, sowie mehrere Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler unter anderem aus New York, Oxford und Tokyo. Zu den Leitfragen gehörte, in welchen Formen und mit welchen Funktionen literarische und bildkünstlerische Texturen die Texturen von Zeit aufgreifen bzw. in sie eingreifen, wie sie sie produzieren und reflektieren. Zyklisch-episodische und mythisch-achrone Zeit, absolute Zeit nach Newton und relative Zeit nach Einstein, demgegenüber die eigenlogische Zeit von Naturdingen, Artefakten und Biographien waren häufige Bezugspunkte der Vorträge und Diskussionen.

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1. FSGS-Summer School „Rhetorik(en) der Literaturwissenschaft“ (Berlin, 23.–30. Juli 2017)

Verfasser_innen: Organisationsteam der Summer School Jennifer Bode, Simon Godart, Alexandra Ksenofontova, Anna Sophie Luhn, Eva Murašov

Vom 23. bis 30. Juli richtete die Friedrich Schlegel Graduiertenschule ihre erste internationale Summer School zum Thema „Rhetorik(en) der Literaturwissenschaft“ aus. 32 Teilnehmer_innen, in der Regel Doktorand_innen, waren aus den eingegangenen Bewerbungen ausgewählt worden.

Mit einer Führung durch die Ausstellung „Kunst und Narration“ im Hamburger Bahnhof und einer Eröffnungsfeier im Garten der Schlegel Graduiertenschule bot der 23. Juli Gelegenheit zum Kennenlernen. Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm und das Team der Geschäftsstelle hießen die NachwuchswissenschaftlerInnen und eingeladenen ProfessorInnen an der Freien Universität willkommen; Spoken Word Poesie von Ken Yamamoto und Musik von Sonic Drilling bereicherten den Abend.

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„The Self in Verse. Exploring Autobiographical Poetry“

Bericht zur Tagung         

von Marie Lindskov Hansen                                                                    

Zeit: 9.- 11. April 2017
Ort: St Hilda’s College, University of Oxford

Über historische und kulturelle Wandlungen hinweg fasziniert die Lyrik als Modus der literarischen Selbstdarstellung. Schon in der Antike schrieben römische Dichter wie Catull und Ovid lateinische Verse, die von ihren Leben und von zentralen Episoden wie z.B. der Exilerfahrung handelten. Im Mittelalter verwendeten französische und deutsche Minnesänger wie Chrétien de Troyes und Walther von der Vogelweide Elemente des self-fashioning in ihren höfischen Liedern. Und auch seit der Renaissance haben sich etliche große Dichter mit ihren Werken in die Tradition der autobiographischen Lyrik eingeschrieben, siehe z.B. Dantes Vita Nuova, Petrarcas Canzionere, Shakespeares Sonnets, Goethes Sesenheimer Lieder, Wordsworths Prelude, um nur einige kanonische Beispiele zu nennen. Die autobiographische Repräsentation und Narration eines Selbst fungiert hier jeweils als Kern der lyrischen Praxis und verleiht dieser besonderes Potenzial: Liebesgedichte, religiöse Lyrik, historiographische und epische Gedichte oder andere Subgenres der Lyrik sind nur einige Ausdrucksformen, bei denen sich das Leben der Dichter und Dichterinnen besonders stark mit der Literatur verflochten zeigt.

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Puerto Berlín

Ein Symposium über Berlin als Heimathafen lateinamerikanischer Literaten

Stadtsprachen
http://stadtsprachen.de/event/puerto-berlin/
von Jeanette Kördel

Innerhalb des Projekts PARATAXE – die internationalen Literaturszenen Berlins fand am Freitag den 19.05.2017 das Symposium „Puerto Berlín“ im Literarischen Colloquium statt. In drei Panels und einer Abendlesung wurden die Etappen einer ebenso faszinierenden wie kosmopolitischen Literaturgeschichte untersucht: das Wirken lateinamerikanischer AutorInnen in Berlin, einer Stadt die für viele Literaten als temporärer oder permanenter Heimathafen fungiert. Das erste Panel am Vormittag stand unter dem Motto „TRANSIT – Aufbruch und Exil. Die 1960er und 1970er Jahre“ und betrachtete Berlin als Metropole geflüchteter Literaten und Kulturschaffender, die aus den Diktaturen ihrer Heimatländer fliehen mussten. Ein Schwerpunkt bildete hier Chile, aus dem während der Pinochet-Diktatur (1973-1990) zahlreiche Intellektuelle ins Exil gezwungen wurden. Fragen hierzu waren u. a.: Welche exilierten AutorInnen fanden in Berlin – Ost oder West – einen neuen Aufenthaltsort oder schrieben im Transit? Wie das insilio (innere Emigration) barg das exilio Risiken. Welche sind dies, literarisch, kulturell und politisch gesprochen gewesen? Und: Konnten sich die in Berlin exilierten AutorInnen in den Boom der lateinamerikanischen Literaturen einschreiben? Gemeinsam mit der chilenischen Autorin und Historikerin Patricia Cerda diskutierten Chile-Experten und LiteraturvermittlerInnen diese Fragen und beleuchteten die Anfänge der lateinamerikanischen Literaturgeschichte in Berlin genauer.

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Rilkes Sonette an Orpheus

Lecture cum Seminar mit Prof. Dr. Christoph König

Zeit: 5.– 6. Januar 2017
Ort: FU Berlin
Organisation und Kontakt: Prof. Dr. Caroline Torra-Mattenklott (Aachen), Prof. Dr. Irene Albers (FUB), Louisa Künstler (FUB)
Programm und weitere Informationen

Die Sonette an Orpheus entstanden im Jahr 1922. Rilke hatte sich ins Chateau de Muzot in der Schweiz zurückgezogen, um die lange unterbrochene Arbeit an den Duineser Elegien fortzusetzen. Will man Rilkes brieflichen Aussagen Glauben schenken, erlebte er hier einen Schaffensrausch, in dessen Zuge er nicht nur die Elegien vollendete, sondern auch – in insgesamt nicht einmal vierzehn Tagen – die 55 Sonette an Orpheus aufs Papier warf. Sie waren der letzte Gedichtzyklus, den Rilke veröffentlichen sollte. Während in der Rilke-Forschung lange die Elegien im Fokus der Aufmerksamkeit standen, gelten inzwischen die Orpheus-Sonette als der „poetisch avanciertere und ästhetisch radikalere Teil der lyrischen Doppelproduktion“ (Wolfram Groddeck). Für manche bilden sie gar die „Summa poetica Rilkes“ (Dietrich Bode).

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Autor und Werk: Wechselwirkungen und Perspektiven zweier (immer noch) umstrittener Begriffe

Workshop mit einem Abendvortrag

Zeit: 06.–07. Juli 2017
Ort: FU Berlin, Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien
Konzept, Organisation, Kontakt: Svetlana Efimova
Bericht: Svetlana Efimova

„Autor und Werk“ gehören zu denjenigen Basiskategorien der Literaturwissenschaft, deren Definition oder Ablehnung das Selbstverständnis der gesamten Disziplin betreffen. Bekanntlich besitzen die beiden Begriffe eine lange und kontroverse Geschichte, die durch einen Wechsel zwischen Ablösung und Regeneration vorangetrieben wurde. Trotz des zum Klassiker gewordenen Schlagworts „Rückkehr des Autors“ (1999) und trotz der im 21. Jh. aufgeblühten Autorschaftsforschung besitzt die Autorkategorie noch ein großes Diskussionspotenzial in ihrem Verhältnis zum Werk und Œuvre. Bereits Michel Foucault hat im Aufsatz „Was ist ein Autor?“ (1969) das Begriffspaar „Autor und Werk“ als eine „solide und grundlegende Einheit“ in der Geschichte der Literatur, Philosophie und Wissenschaft bezeichnet. Allerdings fristete der Begriff „Werk“ während der Autorschaftsdebatte um die Jahrtausendwende zum Teil ein Schattendasein und wurde erst 2015 zum Gegenstand des Symposiums „Wiederkehr des Werks? Zur Gegenwart des literaturwissenschaftlichen Werkbegriffs“ in Hannover. Angesichts der heutigen Revision des Werkbegriffs lässt sich nicht nur nach Theorien und Praktiken des Werks, sondern auch nach der Bedingtheit dieses Begriffs durch das Konzept der Autorschaft fragen.

In den Philologien gibt es bisher keinen übergreifenden Konsens über die Theorie und analytische Anwendbarkeit der beiden Kategorien „Autor“ und „Werk“. Der Workshop „Autor und Werk“, der am 06. und 07. Juli 2017 an der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule stattfand,  brachte VertreterInnen unterschiedlicher Teilphilologien (Germanistik, Slavistik, Anglistik, Romanistik, Komparatistik) in einen produktiven Dialog über Wechselwirkungen und Perspektiven dieser Kategorien. Konzipiert und organisiert wurde die Veranstaltung von Svetlana Efimova (FSGS).

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Epiphane Wirklichkeiten. Sprachen der Dinge in Literatur und Künsten

Triangel-Colloquium Berlin – Cambridge – Chicago

Zeit: 16.–18. Februar 2017
Ort: FU Berlin, JK33/121

Während des dreitägigen Workshops gingen an der Friedrich Schlegel-Graduiertenschule Doktorandinnen und Doktoranden der Partneruniversitäten FU Berlin, Cambridge University und University of Chicago der Frage nach der symbolischen und materiellen Präsenz der Dinge besonders in literarischen Texten nach. Die spezifische materielle Widerständigkeit von Dingen in der Literatur und den Künsten wird immer wieder zum Auslöser von Wahrnehmungsveränderungen und Präsenzerfahrungen, die gemeinhin unter dem Begriff Epiphanie gefasst werden. Die literatur-, kultur- und filmwissenschaftlichen Beiträge untersuchten unter dem Motto ad rem (zu den Dingen, zur Sache) eben diesen transgressiven Charakter der Dingwelt in Texten und anderen Kunstwerken, die Bedingungen wie auch die ästhetischen wie poetischen Verfahren, die die Dinge beredt werden lassen. Dabei war es das besondere Anliegen des Workshops, sich nicht auf den Symbolgehalt der Dinge, die phänomenologische Dimension der Ding-Erfahrung allein zu beschränken, sondern sie mit Ansätzen der Material Studies, also der besonderen Aufmerksamkeit hinsichtlich der materialen Faktur der Zeichen, Medien und Dinge in Reibung zu bringen und unter anderem danach zu fragen, welche Sprach- und Ausdrucksformen sich in Hinsicht auf die materielle Widerständigkeit der Dinge literarisch ausprägen und Wirklichkeiten epiphan machen.

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Bob Dylan – Die Stimme und die Stimmen

WorkshopDylan Wokshop, Die Stimme und die Stimmen

Zeit: Donnerstag, 23. Februar 2017, 10.00 – 18.00 Uhr
Ort: Topoi-Villa Dahlem
Konzeption: Wolfram Ette, Georg Witte

Rund vier Monate nach der seit langem immer wieder geforderten Vergabe des Nobelpreises an Bob Dylan haben die Friedrich-Schlegel-Schule für literaturwissenschaftliche Studien und das Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft mit dem Workshop Bob Dylan Die Stimme und die Stimmen reagiert. Organisiert wurde der Workshop von Wolfram Ette, gegenwärtig Gastprofessor an der FSGS, und von Georg Witte, der der Schule seit vielen Jahren verbunden ist.

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De/localizing literature: A Workshop

Zeit: 24. – 26. Januar 2017
Ort: Freie Universität Berlin
Konzept und Organisation: Laura Gagliardi, Caio Yurgel

 

Fünf internationale Wissenschaftler*Innen (Kathy Ann-Tan, Natasha Gordinsky, Leonardo Tonus, Susanne Zepp und Zairong Xiang) und zwei Künstler (Bernardo Carvalho und Karim Aïnouz) wurden von Laura Gagliardi und Caio Yurgel zu einem dreitägigen Workshop, vom 24. bis 26. Januar 2017 an der Freien Universität Berlin eingeladen. Gemeinsam mit einem interessiertem Publikum haben diese Teilnehmer*Innen aus einer neuen „de/lokalisierten“ Perspektive über zeitgenössische Literatur, Film und Kunst diskutiert. Im Workshop de/localizing literature wurde der Begriff der „De/lokalisierung“ im Sinne der Kulturwissenschaften, als ein kritischer Ansatz betrachtet, der über die territoriale Entschlossenheit und über die binäre Opposition zwischen dem Lokalen und dem Universellen hinausgeht. “De/lokalisierung” galt somit als Ausgangspunkt und als methodisches Instrument, um die Interpretationskonventionen von seiner Achse aus zu verschieben und so erweiterte Sichten auf literarische und künstlerische Objekte, die außerhalb des Mainstream gedeihen, zu schaffen. Dazu wird eine kritische Neubewertung institutionalisierter Räume und Identitäten unternommen, um alternative Wege zu der etablierten Ordnung von Raum, Zeit, Genre, Geschlecht und Ethnizität in ihren vielfältigen Besonderheiten zu verstehen, ohne selbstverständlich ihr Verhältnis zu anderen Aspekten des sozialen und künstlerischen Lebens zu missachten.

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