Transgressive Writing – Two Unorthodox Authors from Tokyo

Amehare CC BY-NC-ND 2.0
Amehare                 CC BY-NC-ND 2.0
Workshop mit Nakahara Masaya und Chigira Yūko

Am 25.04.2016 fand in der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Workshop „Transgressive Writing – Two Unorthodox Authors from Tokyo“ statt. 

Nach einer kurzen Einführung in das Leben und Werk von Chigira Yūko und Nakahara Masaya seitens der Organisatorin, Prof. Elena Giannoulis, hielten Chigira und dann Nakahara je einen Vortrag über ihr Leben als Schriftsteller in Japan und das Zusammen- spiel ihres literarischen Schaffens und ihrem Wirken in anderen künstlerischen Ausdrucksformen (Musik, Theater, bildender Kunst, Film). Dabei wurden Themen wie Intermedialität, Transmedialität und Fragen nach Fiktionalität und Faktualität aufgegriffen.

Die Fragerunde wurde von Dr. Till Weingärtner vom University College Cork konsekutiv gedolmetscht. Unter den fünfundzwanzig Teilnehmern des Workshops waren Studenten, Doktoranden, Kollegen sowie auswärtige Gäste aus der Musik- und Kunstszene vertreten.

In Anschluss fand eine Podiums- diskussion statt. Hier wurde an die Vorträge anknüpfend insbesondere der konkrete Arbeitsalltag der Autoren thematisiert und der Einfluss anderer japanischer Autoren auf ihr Werk diskutiert, welcher insbesondere von Nakahara Masaya vehement negiert wurde. Ferner wurde erörtert, inwiefern die Literatur der beiden Gäste als Metafiktion eingeordnet werden kann.

Beide Autoren interessierten sich zudem sehr für die Motivation, sich an der Freien Universität Berlin mit japanischer Gegenwartsliteratur zu befassen.

Nakahara Masaya (geb. 1970) ist Schriftsteller, Musiker, Filmkritiker, Essayist, Illustrator und Schauspieler. Für sein literarisches Werk wurde er mit renommierten japanischen Literaturpreisen (Mishima Yukio-Preis, Noma-Preis, Bunkamura Prix des Deux Magots) ausgezeichnet. Nakahara, der zunächst als Experimentalmusiker unter dem Namen „Violent Onsen Geisha“ bekannt wurde, gilt als Ausnahmeerscheinung in der japanischen Literaturszene. So wurde er Ende der 1990er auf der „Landkarte der japanischen Literatur“ in einer Sondernummer der Literaturzeitschrift Bungei zum Thema „J-literature“ als extremstes Beispiel für eine anarchische Avantgarde-Literatur angeführt. Seine Texte zeichnen sich durch einen skurrilen teils makabren Humor und schlitzohrige Missachtung narrativer wie struktureller literarischer Konventionen aus.
Nakaharas vielfältiges Werk umfasst neben Kurzgeschichten, Romanen und Essays auch ein preisgekröntes Tagebuch und ein Erwachsenenbilderbuch, dessen Titel IQ84ika! (IQ niedriger als 84!) (2010) Murakami Harukis Bestseller 1Q84 persifliert.

Chigira Yūko (geb. 1978) ist Schriftstellerin und Theaterregisseurin. In den vergangenen zwei Jahren inszenierte sie mit ihrem Ensemble „Swanny“ in Tokyo die Stücke „Der Müll, die Stadt und der Tod“ und „Blut am Hals der Katze“ von Rainer Werner Fassbinder. Im März 2016 hatte das von ihr verfasste Theaterstück Hana wa doko e itta no? (Sag mir, wo die Blumen sind?) ebenfalls in Tokyo Premiere. In Japan wird ihr schriftstellerisches Werk als „surreale Popliteratur“ vermarktet. Aus Alltagssituationen spinnt Chigira absurd-groteske Episoden. Dabei spielt sie nicht nur auf inhaltlicher sondern auch formaler Ebene mit metafiktionalen Elementen, setzt inspiriert von konkreter Poesie das Schriftbild bewusst als Stilmittel ein und versieht ihre Erzählungen mit eigenen Illustrationen.

 

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