Zeit für einen „conscious turn“?

Plädoyer für eine politisch aufmerksame Literaturwissenschaft

von Eva Murasov

Vergangenen Herbst lud die Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien (FSGS) im Rahmen ihrer Jahrestagung zu einer Podiumsdiskussion ein über „Techniken und Technologien der Lektüre – Alte Kulturtechniken, literaturwissenschaftliche Methoden und die Digital Literary Studies“. Fünf LiteraturwissenschaftlerInnen (Irmela Krüger-Fürhoff, Christine Ivanovic, Thomas Weitin, Hans Ulrich Gumbrecht und Bernhard Metz) dachten öffentlich darüber nach, wie sich das Fach in einer digitalisierten Gesellschaft positionieren kann. Bedarf es unter den sich ändernden medialen Bedingungen und Möglichkeiten eines neuen Umgangs mit Texten? Wenn ja, welchen? Die Diskussion blieb keinesfalls bei einer Auseinandersetzung mit Methodik stehen, sondern warf die Frage nach dem Selbstverständnis der Literaturwissenschaft und ihrer gesellschaftlichen Relevanz auf. Die politische Tragweite von Debatten über Forschungsrichtungen und Studienfächern zeigte sich nicht nur jüngst im Germanistik-Bashing des Spiegels – oder vielmehr in Frauke Berndts kluger Antwort  darauf –, sie rückte auch auf dem FSGS-Podium im November 2016 in den Vordergrund.

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