Die Serie endet auf drei: Polleschs Raumschiff Volksbühne

 von Linn Günther

„Man sollte […] mit der falschen Idee aufräumen, Wiederholung sei gleichbedeutend mit Tod. Wohingegen das Leben Vielfalt und überraschende Wendungen bedeute. […] [D]er größte Beweis für die göttliche Kreativität [besteht doch darin], dass sich immer wieder dieselben Dinge wiederholen. […] Die Sonne geht regelmäßig auf, weil sie nicht müde wird, aufzugehen. Was nach meiner Meinung Ausdruck einer überschwänglichen Lebhaftigkeit ist.“[1]

Ironisch zwinkert René Pollesch in seinem Drama “House for Sale” (Premiere am 10.09.2014) seinen Kritikerinnen zu, einem Werk aus der Reihe einer vermeintlich ewigen Wiederholungsschleife, einer postmodernen Diskursmaschine. Pollesch bildete einen der zentralen Frontmänner im ästhetischen Programm der verabschiedeten Volksbühne, neben Christoph Marthaler und Herbert Fritsch. Und seit längerem wurde dem Dramatiker und Regisseur vorgeworfen, nur noch Wiederholungen zu produzieren – diesen ermüdeten Grundton in verschiedenen Lagern des Kulturjournalismus greift das vorangestellte Zitat auf. Weniger ironisch wird es jedoch, wenn der dazugehörige Stücktitel sich als prophetischer erweist, als ihm lieb war: Die Castorf-Bühne ist futsch und damit unser Lieblingssender der Pollesch-Soap.

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