November 2020

Do26Nov16:15Do17:45Daniel SteinInszenierungen des Anderen in Superheldencomics „Black Bodies Swinging.“ Körperliche Inszenierungen des Anderen in Superheldencomics

Details

Teil der Ringvorlesung „Comic – Kunst – Körper. Konstruktion und Subversion von Körperbildern im Comic“ im Rahmen des Programms „Offener Hörsaal“ der Freien Universität Berlin.

Als ‚neunte Kunst‘ erfreuen sich Comics großer Beliebtheit sowie wachsender Aufmerksamkeit im kulturellen Leben und akademischen Kontext. Vertreter*innen zahlreicher Fächer und Hochschulen forschen zu diesem Bild-Text-Medium und integrieren graphische Erzählungen in ihre Lehrveranstaltungen. Die Ringvorlesung möchte die vielfältigen Aktivitäten in Kunst und Wissenschaft disziplin- und institutionsübergreifend sichtbar machen und dabei Brücken zwischen akademisch Forschenden, Studierenden und einer interessierten Öffentlichkeit schlagen.

Im Mittelpunkt der Vorlesungsreihe stehen die unterschiedlichen Körper, in denen Comics ihre Protagonist*innen visualisieren. Ob es sich dabei um Wunschbilder, Stereotype oder Karikaturen handelt, immer werden kulturelle Vor­stellungen von menschlichen, tierischen oder technischen Körpern, von Gender, Alter, ethnischer und kultureller Zugehörigkeit, sozialer Schicht und körperlichen oder geistigen Fähigkeiten vermittelt. Die Vorträge der Vorlesungsreihe diskutieren Comics als Seismograph von und Kommentar zu kulturellen Normierungen, Hoffnungen und Ängsten, die häufig über Körper­bilder ausgehandelt werden.

Die Vorlesungsreihe ist öffentlich und kostenfrei. Aufgrund der geltenden Bestimmungen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ist die Teilnahme vor Ort allerdings zur Zeit leider nicht möglich. Sie sind eingeladen den Live-Stream zu nutzen –> Link hier

Daniel Stein (Amerikanistik, Siegen)
Die außergewöhnlichen und meist mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestatteten Körper US-amerikanischer Comic-Superheld*innen sind seit Mitte des 20. Jahrhunderts ein solch prägnanter Teil der westlichen visuellen Kultur, dass ihre Andersartigkeit oft gar nicht mehr als Andersartigkeit wahrgenommen wird. Diese Körper fungieren über Jahrzehnte hinweg als Projektionsfläche für ein in der Realität unerreichbares Ideal von Stärke und Unverwundbarkeit, das häufig mit der Vorstellung nationaler amerikanischer Größe einhergeht. Diesen heteronormativ aufgeladenen Figuren stehen häufig Gegenspieler gegenüber, die durch körperlichen Abweichungen von der Norm als deviant und monströs gezeichnet werden. Aus dieser Spannung entwickelt das Genre im Laufe der Zeit zahlreiche Variationen, darunter die ihre Körper oft als Fluch wahrnehmenden Held*innen des Marvel Verlags ab den 1960er Jahren und die mit chronischen Krankheiten und diversen Behinderungen kämpfenden Held*innen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart.

Vor dieser Genre-Folie nimmt der Vortrag eine besondere Form der Konstruktion und Subversion von Körperbildern ins Visier: die Darstellung afroamerikanischer Superheld*innen. Die visuelle Inszenierung schwarzer Superkörper muss, anders als die von nicht-weißen Körpern, neben den obligatorischen Genre-Konventionen ein riesiges Bildarchiv berücksichtigen, das schwarze Körper seit Jahrhunderten als das Andere konstruiert. Um der Logik dieser Inszenierung auf die Spur zu kommen, fragt der Vortrag zunächst nach der Konstruktion von schwarzer Körper(lichkeit) in Mainstream Superheldencomics (u.a. Luke Cage, Black Panther, Static Shock, Black Lightning, Spawn, Miles Morales, Storm, Vixen, Nubia), und untersucht dann kritische Gegenentwürfe wie Robert Morales und Kyle Bakers Captain America: Truth (über einen afroamerikanischen Captain America), Ta-Nehisi Coates‘ Black Panther und Roxane Gay und Yona Harveys World of Wakanda. In einem dritten Schritt hinterfragt der Vortrag die Körperprämissen des Superheldengenres, indem er sie mit anderen Entwürfen afroamerikanischer Körperlichkeit konfrontiert: mit der Sklavenrevolte in Kyle Bakers Nat Turner, dem folk hero in Derek McCulloch und Shepherd Hendrix‘ Stagger Lee, dem Außerirdischen in J.G. Jones und Mark Waids Strange Fruit, den Helden der Bürgerrechtsbewegung in Ho Che Andersons King: A Graphic Biography und mit weiblichen Heldinnen abseits der Genre-Norm wie Moon Girl.

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