Juni 2019

26Jun18:30Konstantinos KavoulakosWas heißt Verdinglichung?Veranstaltungsart:Vortrag

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Unzählige irreführende Benutzungsweisen des Begriffs der Verdinglichung in der Kritischen Theorie haben zu dessen Trübung geführt. Ist man an seiner Klärung interessiert, lohnt sich der Rückgriff auf Georg Lukács’ vormarxistisches Frühwerk, um ein Grundmodell des Begriffs herauszuarbeiten. Lukács ging stets von einer fundamentalen Vermittlungsform zwischen Subjekt und Objekt aus, die er mit spezifischen Effekten auf der Ebene des menschlichen Bewusstseins und Verhaltens verband. In »Die Verdinglichung und das Bewußtsein des Proletariats«, dem zentralen ›Verdinglichungsaufsatz‹ in Geschichte und Klassenbewusstsein, verbindet er den neukantianischen Begriff der Gegenständlichkeitsform mit Marx’ Analyse des Warenfetischismus, um das »Urbild« aller bürgerlichen Gegenständlichkeitsformen zu lokalisieren. Dieses findet Lukács in der Form der »Kalkulierbarkeit«, d.h. des formalen, kalkulierenden Verstandes. Die verschiedenen Aspekte der darin stattfindenden rationalen Vergegenständlichung müssen grundsätzlich vom modernen »Phänomen der Verdinglichung« unterschieden werden. Letzteres ist ein Resultat der gesellschaftlichen Verallgemeinerung der rationalen Gegenständlichkeitsform.

Der Vortrag bietet eine Interpretation des klassischen Lukács’schen Konzepts an, die die Grenzen der späteren Kritik an Lukács’ Verdinglichungsbegriff aufzeigt (formuliert von Adorno, Habermas, Althusser u.a.) und so die Möglichkeit seiner Nutzung im Rahmen der zeitgenössischen Debatte über Demokratie und transformative Praxis eröffnet.

Konstantinos Kavoulakos ist Professor für politische und Sozialphilosophie an der Universität Kreta. Ab Februar 2020 wird er an der Aristoteles Universität von Thessaloniki lehren. Schwerpunkt seiner bisherigen Forschungsarbeit bildet die kritische Theorie und die Tradition des westlichen Marxismus (u.a. G. Lukács, M. Horkheimer, Th.W. Adorno, J. Habermas, A. Honneth, C. Castoriadis). Außerdem arbeitet er zu Fragen der politische, und Sozialphilosophie, Kulturphilosophie, Theorie der Demokratie und Erkenntnistheorie.

Letzte Veröffentlichungen (Auswahl): Ästhetizistische Kulturkritik und ethische Utopie. Georg Lukács’ neukantianisches Frühwerk (Sonderband der Deutschen Zeitschrift für Philosophie 37, Berlin/Boston 2014), Georg Lukács’ Philosophy of Praxis. From Neo-Kantianism to Marxism (London/New York 2018).

Zeit

(Mittwoch) 18:30

Ort

Zentrum für Literatur- und Kulturforschung

Schützenstr. 18, 10117 Berlin

Zentrum für Literatur- und KulturforschungSchützenstr. 18, 10117 Berlin

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