Januar 2020

Di21Jan19:00Kontinuitäten des Antisemitismus

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Der Eurovision Song Contest, das Pop-Kultur Berlin Festival, die Ruhrtriennale oder etwa das deutsch-israelische Filmfestival „Seret“ – sie alle waren mit Aufrufen der BDS-Kampagne konfrontiert. „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“ (BDS) hat zum Ziel, den Staat Israel politisch, wirtschaftlich, und kulturell zu isolieren. Die transnationale Kampagne wird vielfach als antisemitisch eingestuft, erfährt aber auch viel Zuspruch. Im Mai 2019 verurteilte der Bundestag mit großer Mehrheit die BDS-Bewegung, ihre Methoden und Argumentationsmuster als antisemitisch. Allerdings gab es hier heftige Auseinandersetzungen auch innerhalb der Fraktionen.

Insbesondere durch ihre öffentlichkeitswirksamen Boykottaufrufe steht die BDS-Bewegung im Zentrum der Debatten im Kunst- und Kulturbereich. Hier hat sie eine Vielzahl von prominenten Unterstützer*innen und gibt immer öfter den Ton an. Berechtigte Kritik an dieser Allianz wird in der Regel nicht von den Akteur*innen der Kunst- und Kulturszene geäußert. Im Kontext von Kulturveranstaltungen hat sich längst eine rituelle Umkehr des Kräfteverhältnisses etabliert, bei der nicht die ausgegrenzten israelischen Künstler*innen die Opfer von Boykott sind, sondern die Boykotteure zu Opfern von Zensur verklärt werden. Dieses auch bei Rechtsextremen bewährte Schema transportiert u.a. bereits antisemitische Klischees von „den übermächtigen“ Juden.

Antisemitismus wird in und durch die Kunst zu selten problematisiert und folglich externalisiert. Eine gezielte Auseinandersetzung mit (dem eigenen) Antisemitismus findet daher kaum statt. Nicht erst nach dem rechtsterroristischen Mordanschlag in Halle steht dies im krassen Gegensatz zur gesellschaftlichen Relevanz des Antisemitismus. Die Veranstaltung „Kontinuitäten des Antisemitismus – Boykott gegen Israel“ geht der Frage nach, weshalb BDS gerade in großen Teilen der Kunst und Kultur Unterstützung erfährt. Die Gäste sprechen über die Methoden und Argumentationslinien von BDS und inwiefern diese antisemitischen Kontinuitäten folgen.

Die Angst vor Kultur- und Identitätsverlust hat einen zentralen Platz in gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Debatten eingenommen. Daraus folgt eine Partikularisierung in Freund/Feind-Antagonismen und eine Emotionalisierung von Politik. Die Idee einer universalistischen Gesellschaft scheint ein Auslaufmodel zu sein. Eine Zunahme antisemitischer Rhetoriken und Stereotypisierungen – besonders im Rückgriff auf Verschwörungstheorien – zeigt, wie kultiviert und tradiert der Antisemitismus und seine Codes sind. Die „Kontinuitäten des Antisemitismus“ sind Anlass der neuen Veranstaltungsreihe des Forums demokratische Kultur und zeitgenössische Kunst im Grünen Salon, in der die Bedeutung von Antisemitismus in aktuellen politischen Debatten herausgestellt und reflektiert wird.

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