Filmisches Begleitprogramm zu den Mosse-Lectures: Staatsstreiche

Di17Feb19:0022:00Filmisches Begleitprogramm zu den Mosse-Lectures: StaatsstreicheSoundtrack to a Coup D’Etat [B/FR/NL 2024, R: Johan Grimonprez]VeranstaltungsartScreening

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In Kooperation mit dem ZEUGHAUSKINO des DHM Berlin [Pei-Bau]

Vom Putsch vor laufender Kamera bis hin zur Indienstnahme der sozialen Medien für Angriffe auf die Gewaltenteilung: Autokratische Machtübernahmen gleichen nicht selten einem politischen Schauspiel. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sie so oft verfilmt wurden. In Kooperation mit dem Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums veranstalten die Mosse Lectures im Januar und Februar ein filmisches Begleitprogramm zur Vortragsreihe Staatssreiche. Zwischen Putsch und Verfassungscoup. Die Filmreihe Staatsstreiche präsentiert Dokumentar-, Spiel- und Essayfilme der letzten 20 Jahre, die politische Umstürze aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Was sie eint, ist der Versuch, die politischen Geschehnisse als komplexe Verflechtungsgeschichten zu erzählen und dabei nach den kulturellen Machtverschiebungen zu fragen, die mit ihnen einhergehen. Was haben Staatsstreiche mit dem Erstarken von Autoritarismus und traditionellen Männlichkeitsbildern zu tun? Inwieweit sind sie mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen sowie mit Einzelschicksalen jenseits der Politik verwoben? Welche Spuren hinterlassen Putsche und wie werden sie erinnert? Welche neuen Perspektiven kann ein postkolonialer Blick auf Staatsstreiche eröffnen? Und wie lassen sich Staatsstreiche überhaupt filmisch erzählen?

Soundtrack to a Coup D'Etat

Jazz bildet die Klangkulisse für Johan Grimonprez‘ dokumentarische Auseinandersetzung mit dem Staatsstreich gegen Patrice Lumumba, dem ersten demokratisch gewählten Premierminister des Kongo, und mit den damit verbundenen internationalen Spannungen im Jahr 1960. Jazz ist aber nicht lediglich titelgebender Soundtrack to a Coup d’Etat, sondern ebenso Dreh- und Angelpunkt der historischen Ereignisse, von denen der Film erzählt: Berühmte Jazz-Musiker*innen werden im „battle for men’s minds“ von der US-Regierung als kulturelle Botschafter entsandt, während in den USA noch die Rassentrennung herrscht – auch in den Kongo, obgleich dort bereits eine Verschwörung unter Beteiligung der USA im Gange ist. Der Kampf afrikanischer Staaten für die Dekolonisation, die Ideen des Panafrikanismus, der Ost-West-Konflikt, die Rolle der UNO und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung sind Schauplätze der materialreichen Inszenierung einer westlichen Intrige gegen die kongolesische Unabhängigkeit. 

Soundtrack to a Coup d’Etat behandelt nicht nur die Geschichte der Dekolonisation, der sich auch Mouhamadou El Hady Ba in seiner Mosse Lecture „Decolonial Coups d’etat?“ widmet, Grimonprez‘ Film berührt auch die andauernden Kämpfe von Schwarzen Menschen gegen Rassismus, Unterdrückung und (Neo-)Kolonialismus insgesamt. Virtuos und dynamisch wie die Rhythmen des Jazz, machen Erzählweise und Schnitt den Film zu einem einzigartigen sinnlichen Erlebnis. (hem)

Einführung: Stefan Willer

Stefan Willer ist Professor für Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin

Event Type

Zeit

17. Februar 2026 19:00 - 22:00(GMT+01:00)

Deutsches Historisches Museum

Unter den Linden 2, 10117 Berlin

Deutsches Historisches Museum