In unserer Serie Drei Sätze schreiben Literaturwissenschaftler*innen über eine Textpassage, die ihnen nie aus dem Kopf ging.
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Das Gilgamesch-Epos gilt als ältestes überliefertes Epos der Menschheit. Erzählt wird eine Geschichte von Rivalität, Freundschaft, Tod, Trauer und der Suche nach Unsterblichkeit. Am Ende jedoch steht ein
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Das Gilgamesch-Epos gilt als ältestes überliefertes Epos der Menschheit. Erzählt wird eine Geschichte von Rivalität, Freundschaft, Tod, Trauer und der Suche nach Unsterblichkeit. Am Ende jedoch steht ein Sich-Fügen in die universelle Erkenntnis, derzufolge alles Irdische vergänglich ist.
Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis werden Himmelstiere und Ungeheuer getötet, die so schöne Namen wie z. B. Humbaba tragen. Es wird von Sturmfluten berichtet, und es gibt eine diebische Schlange, die im nahenden Finale eine zentrale Rolle spielt. Ein Klassiker, wie er sein soll: aufregend und sexy, jung wie am ersten Tag, genau die Art von Stoff, aus dem heutige Hollywood-Blockbuster gemacht werden (ein Wunder, dass Christopher Nolan oder Roland Emmerich sich noch nicht an ihm vergriffen haben). Der Held, dem das Epos seinen Titel verdankt, ist ein Halbgott und gleichzeitig der König von Uruk (im heutigen Irak) aus der mesopotamischen Mythologie. Ob es sich um eine historische Figur handelt, ist umstritten, aber der Name Gilgamesch wird immerhin in der Sumerischen Königsliste erwähnt. Die Auffindungs- und Rekonstruktionsgeschichte ist ungefähr so abenteuerlich wie das Epos selbst. Die vollständige Version besteht aus zwölf Tontafeln in akkadischer Sprache, verewigt in Keilschrift. Es ist die sogenannte standardbabylonische Fassung, die vermutlich zwischen 1300–1000 v. Chr. entstand, aber auf sumerischen Erzählungen beruht, die noch sehr viel älter sind. Die Tafeln (Abschriften aus dem 7. Jahrhundert v. Chr.) wurden Mitte des 19. Jahrhunderts in der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal in Ninive gefunden.
Es existieren zahlreiche Übersetzungen in unterschiedliche Sprachen, die kaum Schritt halten können mit jüngeren Schriftfunden, die fortlaufend alle Tontafelfragmente ergänzen. Und so ist das älteste Epos der Welt ein work in progress. An diesem Abend werden drei neuere Übersetzungen vorgestellt, in denen die Übersetzer:innen jeweils ganz unterschiedliche Ansätze wählten: Gilgamesh Retold von Jenny Lewis, Dictator von Philip Terry (beide Bücher: Carcanet Press 2018) und Das Epos von Gilgamesch (Suhrkamp Verlag 2026) von Esther Kinsky.
Lewis‘ vielstimmige Fassung, sie selbst spricht von „poetic herteroglossia“, ist die vielleicht leserfreundlichste Version in englischer Sprache. Sie schließt die Überlieferungslücken – jene beklagenswerten Unterbrechungen in der Kühlkette – und bewahrt zugleich den erzählerischen Drive des Originals, den sie in die Jetztzeit rettet. Alles wird elegant auf Stand gebracht. Damit macht Lewis sich um die breitenwirksame Rezeption von Gilgamesch auf ähnliche Art verdient wie Emily Wilson mit ihren Übersetzungen von Homers Odyssee und Ilias. Ihre Übersetzung hebt an: „Gilgamesh knew he understood / how the waters broke how the world was birthed. “
Philip Terry wählt einen radikal experimentellen Zugang. Schließlich ist er, der Queneau-Übersetzer, mit allen oulipotischen Wassern gewaschen. Er nutzt die Sprache Globish, ein Basic-Englisch, das aus gerade einmal 1500 Vokabeln besteht und einst für die Erleichterung internationaler Geschäftskommunikation entwickelt wurde. Aus extremer Reduktion entsteht ein ganz eigener poetischer Reiz, der einen ungeahnten Überfluss an Neben- und Nebenbedeutungen freisetzt. Seine Übersetzung hebt an: „!I will I sing of I the one I who see I the bot I om… / of he I who know I all… “
Esther Kinsky präsentiert ihre Gilgamesch-Übersetzung in Form einer Prosa-Nacherzählung. Sie stützt sich dabei auf englische Übersetzungen und betont in ihrem Vorwort, dass sich philologische Präzision und poetische Intensität nicht notwendigerweise ausschließen müssen. Sie schreibt: „Jede*r Lesende wird eigene Erkenntnisse aus diesem Text gewinnen, der so konzentriert die Befindlichkeit des Menschen in der Welt beleuchtet und uns aus so großer zeitlicher Ferne zeigt, dass auch aus einem Trümmerfeld ein Schritt in Richtung Hoffnung möglich ist.“ Ihre Übersetzung hebt an: „Der die Tiefe sah – einst, so erzählte man, gab es einen, der so genannt wurde. Er blickte bis in die Grundfesten des Landes.“
Moderation Asmus Trautsch
Die Veranstaltung wird englisch-deutsch gedolmetscht.
Mit freundlicher Unterstützung von ECHOO Konferenzdolmetschen
- Eintritt:8/5 €
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Haus für Poesie
Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei)Haus für Poesie
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Vor 80 Jahren, am 17. Mai 1946, wurde die DEFA, die Deutsche Film AG, in einem feierlichen Akt unter Teilnahme von Filmschaffenden aus ganz Deutschland
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Vor 80 Jahren, am 17. Mai 1946, wurde die DEFA, die Deutsche Film AG, in einem feierlichen Akt unter Teilnahme von Filmschaffenden aus ganz Deutschland gegründet. Ihre Geschichte wird meist über die Filme und deren Regisseure, Kameraleute, Autoren, Schauspieler gespiegelt. Was aber die DEFA war, wie sie zur Quelle wurde für den neuen deutschen Film, warum die ersten fünf Jahre als ihre glücklichste Zeit gelten, ist weitgehend unbekannt. (Die fördernde Rolle der SMAD-Kulturoffiziere sei hier ausgespart.)
Die DEFA war nach deutschem Gesellschaftsrecht verfasst und unterstand formalrechtlich der Aufsicht der Deutschen Verwaltung für Volksbildung. Die SED, nahezu zeitgleich aus KPD und SPD vereinigt, am Anfang willkommener Ratgeber, wuchs vier Jahre später zum Befehlsgeber aus: Die Umformung der SED in eine „Partei neuen Typus“ hatte die Unterstellung der DEFA A.G. unter das SED-Votum zur Folge und die Vertreibung von sechs der wichtigsten Leute aus dem DEFA-Vorstand: zwei Vorstandsvorsitzende, drei Vorständler, eine Direktorin. Von ihnen soll an dem Abend anlässlich des 80. Geburtstags der DEFA die Rede sein.
Film-Einführung: DEFA: Wurzeln (Premiere: 21. Mai 1986)
Gespräch und Diskussion mit Dr. Günter Jordan (Filmregisseur und Autor), Dr. Matthias Oehme (Herausgeber und Verleger) und Stefanie Eckert (Vorstand DEFA-Stiftung)
Eine Kooperationsveranstaltung von Helle Panke mit der DEFA-Stiftung.
Kosten: 2 €
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Helle Panke e.V.
Kopenhagener Str. 9, 10437 BerlinHelle Panke e.V.
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Tickets Angesichts von Klimakrise, autoritären Tendenzen, Feindseligkeit und Militarismus setzt Max Czollek mit seiner Gesprächsreihe Diskurs. Pop. Liebe auf die
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Angesichts von Klimakrise, autoritären Tendenzen, Feindseligkeit und Militarismus setzt Max Czollek mit seiner Gesprächsreihe Diskurs. Pop. Liebe auf die Kraft der Freundschaft. Für jede Ausgabe lädt er zwei Menschen ein, die befreundet sind, zusammenarbeiten oder einander in ihrem Tun bestärken. Mit ihnen diskutiert er über die Bedeutung von Gemeinschaft in politischer und künstlerischer Arbeit.
Anna Dushime schrieb als Kolumnistin von 2019 bis 2022 für die taz regelmäßig über Dating, Rassismus und alles dazwischen. Sie war als Autorin, Moderatorin und Redaktionsleiterin u.a. für das preisgekrönte Satire Format Browser Ballett tätig. Ihre Show Der letzte Drink mit Anna Dushime wurde 2024 in der Kategorie „Unterhaltung“ mit dem Grimme Preis ausgezeichnet. Ihr Buch 1000 letzte Dates – wie ich die Liebe suchte und etwas Besseres fand (2025) erschien im Verlag Kiepenheuer & Witsch und wurde ein SPIEGEL Bestseller. Dushime lebt und arbeitet in Berlin.
Ari Christmann wurde in Frankfurt am Main geboren, wo er auch sein Abitur machte. Er studierte Regie und Philosophie. Als Regisseur arbeitet er für Werbung und TV. Ebenso ist er als Creative Director tätig, unter anderem arbeitet er für seine eigene Firma Acube. Mit Anna Dushime verbindet ihn der Podcast Hart Unfair, den er zusammen mit ihr und Yelda Turkmen ins Leben rief. Christmann wohnt und arbeitet in Berlin.
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Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 BerlinHaus der Kulturen der Welt
Neulich in Berlin
So reden echte Leute
Im Februar 2026 veröffentlichte der Dramatiker und Hausregisseur des Maxim-Gorki-Theaters Hakan Savaş Mican seine acht Theaterstücke aus den letzten 16 Jahren in zwei Bänden beim Theaterverlag rua. Zweifellos hat Mican das postmigrantische Berliner Theater entscheidend geprägt. Aber wie lassen sich die multimedialen und kollaborativ entstandenen Stücke auf die Buchseite übersetzen? Das Gorki hat seine Stadt-Trilogie noch einmal gespielt und die neuen Bücher vorgestellt.
Eine Kunst des Vergessens?
Inwiefern wohnt der Literatur das Potenzial inne, dem Vergessen eine oder mehrere Formen zu verleihen und es dadurch spürbar, greifbar zu machen? Wann, warum und auf welche Weise vergessen Texte oder Figuren bestimmte Dinge? Die Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule stand 2025 unter dem Thema „Forget it? Formen des Vergessens in der Literatur“.
Löcher in der sprachlichen Existenz
80 Jahre nach der Gründung des DDR-Schriftstellerverbands und 35 Jahre nach seiner Auflösung wurden im Berliner Haus der Poesie die Möglichkeiten von Literatur damals und heute besprochen. Das hätte das Potenzial gehabt, Literatur als Epochenspiegel zu denken – führte aber hauptsächlich zu unverhofft aufschlussreichen Diskursschleifen.
Traum und Kritik
Der Surrealismus ist genau diejenige Praxis, die zur kritischen Theorie passt, schreibt Elisabeth Lenk. Ein Workshop am Centre Marc Bloch widmete sich nun ihrem in Vergessenheit geratenen Werk, das eine Brücke zwischen den beiden vermeintlich so disparaten Strömungen bildet.
(Un)ordentliche Texte
Ist es tatsächlich Aufgabe der heutigen Kunst, Chaos in die Ordnung zu bringen, wie Theodor Adorno schreibt? Die Frage zur Beziehung von Literatur und Un-Ordnung in der Moderne wurde im Oktober im Rahmen der Nachwuchstagung Schreiben als Un-Ordnen in der Literatur ab dem 20. Jahrhundert an der HU Berlin verhandelt.
Imaginarien der Wirklichkeit
Wie können Utopien heute noch gedacht werden? Dieser Frage widmete sich im November die Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien.
Alle Veranstaltungen für Literaturwissenschaftlerinnen in Berlin
Positionen
Nach dem Krieg
Das Kannibalische ist eine kolonial geprägte Figur des Anderen – aber geht es darum noch, wenn um 1920 in der deutschsprachigen Literatur gefressen, verschlungen, verdaut, angeeignet und zersetzt wird?
Berlin als Jewish Space?
In der jüdischen Gegenwartsliteratur geht es in den letzten Jahren vermehrt um Berlin. Dabei setzen sich die Texte mit romantisierenden Imaginationen eines ‚jüdischen Berlins‘ auseinander – und entwickeln widerständige Gegenbilder.
Schwangerschaft, Mutterschaft, Erschöpfung
Debatten um Sorgearbeit, Schwangerschaft und Mutterschaft werden seit den späten 2010er Jahren in aktivistischen, feuilletonistischen und literarischen Texten verstärkt mit den Themen Belastung, Überforderung und Erschöpfung verknüpft, wie an den Schlagworten Mental Load oder Regretting Motherhood deutlich wird. Diese Debatten sind jedoch bei Weitem nicht neu – auch nicht in der Literatur –, wie ein Blick zurück auf die Zeit der ersten Frauenbewegung zeigt.
Erweitern und Verdichten. Über kleine Formen
Unter dem Titel „Geistesgegenwart und Nachdenklichkeit. Kleine Formen der Intervention“ trafen sich am 6. und 7. Juli 2023 an der TU Dresden Forschende mit dem Ziel, kleine Formen und künstlerische Intervention zusammenzudenken.
Infrastrukturen. Über eine Theoriemetapher in den Geisteswissenschaften
In den letzten Jahren hat sich das geisteswissenschaftliche Interesse am Begriff der Infrastruktur intensiviert. Was leistet er – und welches Versprechen treibt seine Theoretisierung an?
Was heißt ‚Weltliteratur‘?
Nach dem Ende des Kalten Krieges waren die methodischen Prämissen der Weltliteraturforschung kaum ein Gegenstand der Diskussion. Mit Siraj Ahmed und Galin Tihanov haben jetzt zwei Autoren diese Prämissen hinterfragt.
Im Gespräch mit ...
Für uns als Menschen sehr interessant
Unlesbare Schrift löst Wut und Wissensdrang aus. Barbara Bausch von der FU Berlin im Gespräch über Maschinen, die lesen, wonach Kunst und Wissenschaft gemeinsam streben und über den neuen Band Illegibilities Reflecting Reading.
Berlin Syndrome
Russian playwright Polina Borodina talks about protest, censorship, and navigating the cultural landscape in Berlin.
„Und dann sind die Leute einfach nicht gegangen“
Seit 2017 betreibt ein Kollektiv aus aktuell 13 Akademiker*innen und Kulturarbeiter*innen den Schöneberger Projektraum diffrakt | zentrum für theoretische peripherie.
Vom Verblassen der Bilder
Soeben erschien die vierte Ausgabe der Online-Zeitschrift Bildbruch , die von einem in Berlin und Basel ansässigen Redaktionsteam herausgegeben wird und neue Studien im Bereich der Metaphorologie versammelt. Wir haben mit Sina Dell’Anno (Basel) und Simon Godart (Berlin) über das Aufbauen eines eigenen Online-Journals und die Macht der Sprachbilder gesprochen.
Politik des Übelnehmens
Mit dem Erstarken des Rechtspopulismus ist das „Ressentiment“ zu einer beliebten gesellschaftspolitischen Diagnose avanciert. Der Philosoph Dirk Setton geht in seinem aktuellen Forschungsprojekt der Funktionsweise des schillernden Begriffs nach.
Weaponizing Verse on the Battlefield
Jihadist groups such as the so-called Islamic State are known for their cunning propaganda. Kurstin Gatt examined their discursive and communicative strategies, focusing on a lesser-known tool: poetry.


