In unserer Serie Drei Sätze schreiben Literaturwissenschaftler*innen über eine Textpassage, die ihnen nie aus dem Kopf ging.
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Wo das Gespenst der Polarisierung umgeht, werden schnell Zusammenhalt und Konsens beschworen, die offenbar nur durch unlautere Akteure gefährdet werden. Dies dient freilich immer auch
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Wo das Gespenst der Polarisierung umgeht, werden schnell Zusammenhalt und Konsens beschworen, die offenbar nur durch unlautere Akteure gefährdet werden. Dies dient freilich immer auch der Wahrung gewohnter Komfortzonen, der Fraglosigkeit etablierter Überzeugungen und der Unsichtbarmachung bestehender Dominanzverhältnisse. Denn eine politische Debatte ohne Polarisierung ist eine, in der Strittiges gar nicht erst zur Sprache kommt. Dass es den Konsens nicht gibt, bleibt verborgen. Polarisierung hingegen kann die Verhältnisse in Bewegung bringen. Doch wenn kritische Stimmen die Polarisierung als Mittel eben hierzu betonen, hat auch diese Gegenposition ihre offensichtlichen Tücken. Merkmal polarisierter Debatten sind schließlich auch verfeindete Erregungsgemeinschaften, die nur sich selbst Recht geben und echte Probleme gar nicht erst adressieren, geschweige denn zu tragfähigen Lösungen kommen. Polarisierung bleibt daher immer ein Wagnis, das schief gehen kann, ohne das produktive Politik aber nicht auskommt.
In Auseinandersetzung mit Schlüsseltexten zu politischer Polarisierung, polarisierenden Techniken und polarisierenden Figuren widmet sich dieses Seminar der Frage, wie dieses Wagnis der Polarisierung gelingen kann. Was ist politische Polarisierung – und leben wir in einer »polarisierten Gesellschaft«? Was ist es, das die Polarisierung polarisiert? Vor allem geht es aber darum, Eckpunkte für die Orientierung polarisierenden Handelns zu finden: Lassen sich gute und schlechte Formen der Polarisierung unterscheiden? Wenn ja, worauf kommt es hierbei an?
- Seminar mit vier Sitzungen: 9.6., 16.6., 23.6. und 30.6.26, jeweils 16:00–18:00 Uhr
- Anmeldung per Mail an campus@lfbrecht.de
- Die Texte werden über einen Reader zur Verfügung gestellt
Tim F. Huttel ist politischer Philosoph mit einer Schwäche für Provokateure aller Art. Er studierte Soziologie, Religionsphilosophie und Politische Theorie in Leipzig und Frankfurt am Main. Derzeit promoviert er zum Thema »Agonistik. Politische Ethik des Streits« an der Universität Rostock. In seinen bisherigen Veröffentlichungen widmete er sich unter anderem Fragen des Gemeinwohls, der Redefreiheit sowie der Interpretation von Friedrich Nietzsche, Max Weber und Hannah Arendt.
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Zeit
Literaturforum im Brecht-Haus
Chausseestraße 125, 10115 BerlinLiteraturforum im Brecht-Haus
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Gastvortrag Susan Morrow (Princeton): From Motion to Action: Physical Education around 1800 Name des Kontakts Dr. Patrick Hohlweck
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Gastvortrag Susan Morrow (Princeton): From Motion to Action: Physical Education around 1800
Name des Kontakts Dr. Patrick Hohlweck
Wann 09.06.2026 von 18:00 bis 20:00
Wo Raum 3.138
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HU Berlin
Unter den Linden 6HU Berlin
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Mit Francesca Melandri und Lina Atfah. Einspieler von Shamsia und Nino Haratischwili. Moderation Ulrike Almut SandigParty mit DJ Masta Sai Eintritt: 6,- € / ermäßigt: 4,- € Einlass: ab
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Mit Francesca Melandri und Lina Atfah. Einspieler von Shamsia und Nino Haratischwili. Moderation Ulrike Almut Sandig
Party mit DJ Masta Sai
Eintritt: 6,- € / ermäßigt: 4,- €
Einlass: ab 19:30 Uhr
Ticket: Eintrittskarten
Digital: Livestream
»Schreib mir, Nino, weil ich jedes Mal, wenn ich deine Worte lese, den Rückweg nach Hause finde!«. Mit diesen Worten wendet sich die syrische Dichterin Lina Atfah an Nino Haratischwili – und öffnet einen intimen Raum des Austauschs über Kindheit und Krieg, Erinnerung und verlorene Heimatorte. In den versammelten Briefwechseln aus fast 10 Jahren Weiter Schreiben erleben wir mit, wie sich zwischen Schriftsteller:innen über persönliche und politische Grenzen hinweg tiefe Verbindungen entwickeln. Diese Briefe sind mehr als Erinnerungen – sie sind literarische Zeitdokumente, in denen die persönlichen Schicksale mit weltpolitischen Ereignissen verwebt werden. Und sie zeigen: Wenn wir es wollen, können wir uns miteinander verbinden.
In Kooperation mit Weiter Schreiben
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Literaturforum im Brecht-Haus
Chausseestraße 125, 10115 BerlinLiteraturforum im Brecht-Haus
Neulich in Berlin
So reden echte Leute
Im Februar 2026 veröffentlichte der Dramatiker und Hausregisseur des Maxim-Gorki-Theaters Hakan Savaş Mican seine acht Theaterstücke aus den letzten 16 Jahren in zwei Bänden beim Theaterverlag rua. Zweifellos hat Mican das postmigrantische Berliner Theater entscheidend geprägt. Aber wie lassen sich die multimedialen und kollaborativ entstandenen Stücke auf die Buchseite übersetzen? Das Gorki hat seine Stadt-Trilogie noch einmal gespielt und die neuen Bücher vorgestellt.
Eine Kunst des Vergessens?
Inwiefern wohnt der Literatur das Potenzial inne, dem Vergessen eine oder mehrere Formen zu verleihen und es dadurch spürbar, greifbar zu machen? Wann, warum und auf welche Weise vergessen Texte oder Figuren bestimmte Dinge? Die Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule stand 2025 unter dem Thema „Forget it? Formen des Vergessens in der Literatur“.
Löcher in der sprachlichen Existenz
80 Jahre nach der Gründung des DDR-Schriftstellerverbands und 35 Jahre nach seiner Auflösung wurden im Berliner Haus der Poesie die Möglichkeiten von Literatur damals und heute besprochen. Das hätte das Potenzial gehabt, Literatur als Epochenspiegel zu denken – führte aber hauptsächlich zu unverhofft aufschlussreichen Diskursschleifen.
Traum und Kritik
Der Surrealismus ist genau diejenige Praxis, die zur kritischen Theorie passt, schreibt Elisabeth Lenk. Ein Workshop am Centre Marc Bloch widmete sich nun ihrem in Vergessenheit geratenen Werk, das eine Brücke zwischen den beiden vermeintlich so disparaten Strömungen bildet.
(Un)ordentliche Texte
Ist es tatsächlich Aufgabe der heutigen Kunst, Chaos in die Ordnung zu bringen, wie Theodor Adorno schreibt? Die Frage zur Beziehung von Literatur und Un-Ordnung in der Moderne wurde im Oktober im Rahmen der Nachwuchstagung Schreiben als Un-Ordnen in der Literatur ab dem 20. Jahrhundert an der HU Berlin verhandelt.
Imaginarien der Wirklichkeit
Wie können Utopien heute noch gedacht werden? Dieser Frage widmete sich im November die Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien.
Alle Veranstaltungen für Literaturwissenschaftlerinnen in Berlin
Positionen
Nach dem Krieg
Das Kannibalische ist eine kolonial geprägte Figur des Anderen – aber geht es darum noch, wenn um 1920 in der deutschsprachigen Literatur gefressen, verschlungen, verdaut, angeeignet und zersetzt wird?
Berlin als Jewish Space?
In der jüdischen Gegenwartsliteratur geht es in den letzten Jahren vermehrt um Berlin. Dabei setzen sich die Texte mit romantisierenden Imaginationen eines ‚jüdischen Berlins‘ auseinander – und entwickeln widerständige Gegenbilder.
Schwangerschaft, Mutterschaft, Erschöpfung
Debatten um Sorgearbeit, Schwangerschaft und Mutterschaft werden seit den späten 2010er Jahren in aktivistischen, feuilletonistischen und literarischen Texten verstärkt mit den Themen Belastung, Überforderung und Erschöpfung verknüpft, wie an den Schlagworten Mental Load oder Regretting Motherhood deutlich wird. Diese Debatten sind jedoch bei Weitem nicht neu – auch nicht in der Literatur –, wie ein Blick zurück auf die Zeit der ersten Frauenbewegung zeigt.
Erweitern und Verdichten. Über kleine Formen
Unter dem Titel „Geistesgegenwart und Nachdenklichkeit. Kleine Formen der Intervention“ trafen sich am 6. und 7. Juli 2023 an der TU Dresden Forschende mit dem Ziel, kleine Formen und künstlerische Intervention zusammenzudenken.
Infrastrukturen. Über eine Theoriemetapher in den Geisteswissenschaften
In den letzten Jahren hat sich das geisteswissenschaftliche Interesse am Begriff der Infrastruktur intensiviert. Was leistet er – und welches Versprechen treibt seine Theoretisierung an?
Was heißt ‚Weltliteratur‘?
Nach dem Ende des Kalten Krieges waren die methodischen Prämissen der Weltliteraturforschung kaum ein Gegenstand der Diskussion. Mit Siraj Ahmed und Galin Tihanov haben jetzt zwei Autoren diese Prämissen hinterfragt.
Im Gespräch mit ...
Für uns als Menschen sehr interessant
Unlesbare Schrift löst Wut und Wissensdrang aus. Barbara Bausch von der FU Berlin im Gespräch über Maschinen, die lesen, wonach Kunst und Wissenschaft gemeinsam streben und über den neuen Band Illegibilities Reflecting Reading.
Berlin Syndrome
Russian playwright Polina Borodina talks about protest, censorship, and navigating the cultural landscape in Berlin.
„Und dann sind die Leute einfach nicht gegangen“
Seit 2017 betreibt ein Kollektiv aus aktuell 13 Akademiker*innen und Kulturarbeiter*innen den Schöneberger Projektraum diffrakt | zentrum für theoretische peripherie.
Vom Verblassen der Bilder
Soeben erschien die vierte Ausgabe der Online-Zeitschrift Bildbruch , die von einem in Berlin und Basel ansässigen Redaktionsteam herausgegeben wird und neue Studien im Bereich der Metaphorologie versammelt. Wir haben mit Sina Dell’Anno (Basel) und Simon Godart (Berlin) über das Aufbauen eines eigenen Online-Journals und die Macht der Sprachbilder gesprochen.
Politik des Übelnehmens
Mit dem Erstarken des Rechtspopulismus ist das „Ressentiment“ zu einer beliebten gesellschaftspolitischen Diagnose avanciert. Der Philosoph Dirk Setton geht in seinem aktuellen Forschungsprojekt der Funktionsweise des schillernden Begriffs nach.
Weaponizing Verse on the Battlefield
Jihadist groups such as the so-called Islamic State are known for their cunning propaganda. Kurstin Gatt examined their discursive and communicative strategies, focusing on a lesser-known tool: poetry.


