Filmisches Begleitprogramm zu den Mosse-Lectures: Staatsstreiche
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In Kooperation mit dem ZEUGHAUSKINO des DHM Berlin [Pei-Bau] Vom Putsch vor laufender Kamera bis hin zur Indienstnahme der sozialen Medien für Angriffe auf
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In Kooperation mit dem ZEUGHAUSKINO des DHM Berlin [Pei-Bau]
Vom Putsch vor laufender Kamera bis hin zur Indienstnahme der sozialen Medien für Angriffe auf die Gewaltenteilung: Autokratische Machtübernahmen gleichen nicht selten einem politischen Schauspiel. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sie so oft verfilmt wurden. In Kooperation mit dem Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums veranstalten die Mosse Lectures im Januar und Februar ein filmisches Begleitprogramm zur Vortragsreihe Staatssreiche. Zwischen Putsch und Verfassungscoup. Die Filmreihe Staatsstreiche präsentiert Dokumentar-, Spiel- und Essayfilme der letzten 20 Jahre, die politische Umstürze aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Was sie eint, ist der Versuch, die politischen Geschehnisse als komplexe Verflechtungsgeschichten zu erzählen und dabei nach den kulturellen Machtverschiebungen zu fragen, die mit ihnen einhergehen. Was haben Staatsstreiche mit dem Erstarken von Autoritarismus und traditionellen Männlichkeitsbildern zu tun? Inwieweit sind sie mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen sowie mit Einzelschicksalen jenseits der Politik verwoben? Welche Spuren hinterlassen Putsche und wie werden sie erinnert? Welche neuen Perspektiven kann ein postkolonialer Blick auf Staatsstreiche eröffnen? Und wie lassen sich Staatsstreiche überhaupt filmisch erzählen?
The Sixth
In ihrem aufsehenerregenden Spielfilmdebüt von 2009 widmet sich die iranische Foto- und Videokünstlerin Shirin Neshat dem Leben von vier iranischen Frauen im August des Jahres 1953, während auf den Straßen ihres Landes chaotische politische Zustände herrschen. Der von der CIA und dem britischen Geheimdienst unterstütze Staatsstreich gegen den ersten demokratisch gewählten Premierminister, Mohammad Mossadegh, bildet die Rahmenhandlung der Erzählung. Was die Frauen teilen, sind die beklemmenden und gewalttätigen Auswirkungen einer patriarchalen Kultur, der sie ausgesetzt sind und der sie sich auf je eigene Weise widersetzen.
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Shahrnush Parsipur lässt Women Without Men die Zuschauer*innen zwischen realen und mythischen Welten wandeln; auch zwischen Enge und Freiheit, Traum und Wirklichkeit, Schönheit und Ekel, Verletzung und Heilung. Der Kampf für die Freiheit auf der Straße spiegelt sich in den eigenen Freiheitskämpfen der vier Protagonistinnen. Ein mit eindrucksvollen Bildern komponierter Film, der dem Andenken iranischer Demokratiebewegungen von 1906 bis 2009 gewidmet ist – im Zeichen von Jin, Jiyan, Azadî (Frauen, Leben, Freiheit) allerdings umso stärker nachwirkt. (hem)
Einführung: Lothar Müller
Lothar Müller ist Journalist, Buchautor und Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin.
