März 2021

Di16Mär18:15Di19:45Annette GilbertSchlecht gemachte Bücher. Künstlerische Publikationspraktiken im postdigitalen Zeitalter

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Online-Werkstattgespräch mit PD Dr. Annette Gilbert und Andreas Bülhoff (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg)
Kontakt: Dr. Christian Mathieu

Sie stemmt sich dem vielbeschworenen ‚Ende des Buchs‘ entgegen und feiert seine gedruckte, gebundene Materialität. Trotzdem stellt die Billigsparte von Print-on-Demand wohl den Albtraum schlechthin für Buchliebhaber*innen dar. Auch von Bibliotheken wird sie nur mit spitzen Fingern angefasst, dem Literaturbetrieb gilt sie als Hort der Vanity Press. Sie ist das Schmuddelkind der Branche. Dennoch (oder auch: gerade deshalb) sind ihr billiger Look und ihre mindere Qualität um 2010 zum Markenzeichen einer künstlerischen Subkultur geworden, die Demokratisierung und Selbstermächtigung großschreibt und sich – wie einst die ‚Anti-‘ und ‚Wegwerfbücher‘ der russischen Avantgarde und die programmatisch ‚schlecht gemachten Bücher‘ aus dem Raubdruckmilieu und der Gegenkultur der 1970/80er Jahre – als programmatischer Gegenentwurf zum Establishment in der Kunst-, Literatur- und Buchwelt versteht. Sie stellt die üblichen Kriterien dessen, was ein ‚gutes Buch‘ ist, auf die Probe und entwirft Versuchsanordnungen, die das ‚alte‘, analoge Medium in Bezug auf die ‚neuen‘, digitalen Technologien noch einmal neu positionieren.

Über die Veranstaltungsreihe

Dreißig Jahre nach der programmatischen Tagung Materialität der Kommunikation hat sich die textuelle Materialitätsforschung als wissenschaftliches Paradigma institutionalisiert. Um die inzwischen kaum mehr zu überschauende Vielfalt an Forschungsansätzen, die beschriftete Artefakte jenseits der Dichotomie von Trägersubstanz und semiotischer Ebene in ihrer Dinghaftigkeit in den Blick nehmen, über Sparten- und Disziplingrenzen hinweg auszuloten, soll die 2014 initiierte Vortragsreihe Die Materialität von Schriftlichkeit – Bibliothek und Forschung im Dialog fortgesetzt werden.

Gemeinsam mit Angehörigen der Humboldt-Universität zu Berlin, des Exzellenzclusters Temporal Communities der Freien Universität Berlin sowie der Universität Kopenhagen möchte die Staatsbibliothek zu Berlin ihr historisches Gebäude Unter den Linden – Sitz ihrer materialbezogenen Sonderabteilungen – zum öffentlichkeitswirksamen Resonanzraum eines Vortragsprogramms machen, das darauf zielt, wissenschaftliche Fragestellungen nicht nur an handschriftliche und typografische Objekte heranzutragen, sondern zugleich auch aus sammlungsorientierter, konservatorischer und gestalterischer Praxisperspektive zu kommentieren. Dabei werden so unterschiedliche Themenfelder betreten wie etwa Werkgenese, Buchgebrauch und Affordanz oder Bildlichkeit und Performanz von Schrift.

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