Juli 2021

Mo19Jul(Jul 19)14:00Di20(Jul 20)17:00DDR-Literatur und die Avantgarden

Details

Anknüpfend an Georg Lukács’ Etikettierung der historischen Avantgarden als »subjektivistische, verzerrte und entstellte Stimmungsnachklänge der Wirklichkeit«, waren (post-)avantgardistische Schreibweisen in der DDR-Programmatik des sozialistischen Realismus kaum vorgesehen. Dennoch lassen sich vor allem in den 1970er und 1980er Jahren Störungen und Modifikationen dieser offiziellen Ausklammerung beobachten: Etwa über persönliche Lesarten und Rezeptionskonstellationen von Autor:innen, über die Herausbildung von literarischen Szenen (vgl. die oft als »DDR-Avantgarde« betitelte Literaturszene vom Prenzlauer Berg) oder über die öffentlichkeitswirksame Umwertung der Avantgarden etwa in Literaturwissenschaft und Feuilleton.

Im Workshop möchten wir den facettenreichen Bezugnahmen auf die Avantgarden an verschiedenen Stellen des Literatursystems DDR nachspüren: Wie wirkten sich post- oder neoavantgardistische Schreibweisen auf die Wahrnehmung der Autor_innen aus, auch im deutsch-deutschen Spannungsfeld? Lassen sich Zusammenhänge zwischen der späten gesellschaftlichen Würdigung der Avantgarden und den individuellen Rezeptionshaltungen von DDR-Autor_innen herstellen? Inwiefern legt das Interesse an stark transnational ausgerichteten Strömungen (wie Futurismus, Dada oder Surrealismus) Zeugnis ab über eine zunehmende Internationalisierung des ›Leselandes DDR‹? Birgt die bewusste Adaption avantgardistischer Traditionsmuster schließlich auch politische Implikationen? 

Der Workshop versucht sich in Form von zehn Vorträgen diesen und weiteren Fragen zu nähern und wird begleitet durch studentische Beiträge des Masterseminars »Literatur des Prenzlauer Bergs«. Die Vorträge und Diskussionen finden in deutscher Sprache statt.

Die Tagung wird online über die Plattform Cisco Webex Meetings veranstaltet. Weder ein eigener Account noch ein Download der App ist zur Teilnahme erforderlich. Damit Sie die Zugangsdaten rechtzeitig erhalten, bitten wir jedoch um eine Anmeldung bis zum 15. Juli 2021 an lukas.regeler@fu-berlin.de.

Programm

Montag, 19. Juli 2021

14:00 Uhr | Jutta Müller-Tamm (FU Berlin): Einführung

14:25 Uhr | Birgit Dahlke (HU Berlin): Mierau, Schlenstedt, Barck und die alltägliche Arbeit am Kanon

14:50 Uhr | Henrike Krause (FU Berlin): »One’s mind must be criss-crossed like the palm of one’s hand« – Psyche, Körper und Geschlecht bei Virginia Woolf, Charlotte Wolff und Christa Wolf

Diskussion und Pause

16:00 Uhr | Heinz-Peter Preußer (Bielefeld): Moderner linker Konservatismus – Erich Arendt als Leitfigur der zivilisationskritischen DDR-Literatur

16:25 Uhr | Anna Horakova (Easton, PA): »dass kommunismus / kommen muss«: Bert Papenfuß’ anti-teleologische Dichtung

Diskussion und Pause

17:30 Uhr | Beiträge von Studierenden des Masterseminars: »Literatur des Prenzlauer Bergs« Isabelle Bublies, Sara Cecchini, Stefanie Goebel, Julia Hubernagel, Laura Kiefer, Sarah Mahlberg, Hannah Würsching

Gespräch und Abschluss 

Dienstag, 20. Juli 2021

14:00 Uhr | Lukas Nils Regeler (FU Berlin): »Meine Gedanken – reisefertig«. Elke Erb und Raja Lubinetzki im Wechselspiel der Avantgarden

14:25 Uhr | Carola Hähnel-Mesnard (Lille): Manifeste in selbstverlegten Zeitschriften zwischen Aktivismus, Parodie und kritischer Avantgarde-Reflexion 

Diskussion und Pause

15:30 Uhr | Christoph Tannert (Berlin): Intermedia – Grenzüberschreitungen zwischen Text, Bild und Klang in der späten DDR

Diskussion und Pause

16:30 Uhr | Valentina Di Rosa (Neapel): Das letzte Jahrzehnt. Zur Rezeption experimenteller Lyrik der 80er Jahre im westöstlichen Spannungsfeld

16:55 Uhr | Erk Grimm (Barnard, NYC): Berührung war keine Randerscheinung: Ostdeutsche Lyrik im Museum der modernen Poesie?

Diskussion und Abschluss

Organised by Jutta Müller-Tamm and Lukas Nils Regeler, Research Area 4: „Literary Currencies“.

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Zeit

19 (Montag) 14:00 - 20 (Dienstag) 17:00

Freie Universität BerlinHabelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin