Die Gesellschaft als Publikum? Konfliktdramaturgie in Israel und Deutschland

Do01Dez18:00Do20:00Die Gesellschaft als Publikum? Konfliktdramaturgie in Israel und DeutschlandExtended Audiences im Gespräch mit Avishai MilsteinVeranstaltungsartGespräch

Die Gesellschaft als Publikum? Avishai Milstein Konfliktdramaturgie in Israel und Deutschland

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Organised by the research project Extended Audiences, Research Area 2: „Travelling Matters“.

„Was sind die Konflikte, wie sieht die Krise aus, die euer Publikum plagt, könnt ihr Sie definieren, sie ohne Ironie und Aberwissen gelten lassen? […] Ein Individuum lebt einen Konflikt mit einer Gesellschaft aus. Ihr seid die Individuen, keine Frage, aber wer ist für euch die Gesellschaft? Die müsste es wohl geben, denn wo es keine Gesellschaft gibt, kann es auch kein Theater geben.“
Avishai Milstein beim Theatertreffen 2007

Der israelische Theatermacher Avishai Milstein arbeitet seit Jahrzehnten als Regisseur, Dramaturg, Autor und Übersetzer in der israelischen und deutschen Theaterlandschaft. Im Frühjahr 2023 erscheint seine neue Produktion „Die Friedensstifterin“ als Ur-Aufführung am Staatstheater Kassel. Eine zentrale Idee in seinem Schaffen ist die Dramaturgie des Konfliktes. Gesellschaftspolitische Konflikte finden − unter der Zuhilfenahme von Archetypen − in Figurenkonstellationen eine dramatische Form, welche dann inszeniert und aufgeführt wird. Hier steht die Erzählung der Konflikte und nicht ihre Lösung im Zentrum.

2010 erläuterte Avishai Milstein im Theaterbrief „Für wen wir spielen“ auf nachtkritik.de die besondere gesellschaftliche Funktion des israelischen Theaters und beschreibt eine – im Vergleich zu Deutschland – bemerkenswerte Publikumsbindung. Gerade dem Publikum kommt in dieser Konfliktdramaturgie eine wichtige Funktion zu. Welche Konflikte bringen diverse Publika einer Gesellschaft in einer Theateraufführung zusammen und nehmen sie gleichermaßen mit? Wie setzt sich das Individuum ins Verhältnis zum gezeigten Konflikt? Vor diesem Hintergrund formuliert Milstein grundlegende Fragen für Theaterschaffende und Autor:innen: Für wen mache ich Theater? Für wen schreibst du eigentlich? Wie erreiche ich mit meinem Theater ein Publikum?

Gemeinsam mit Avishai Milstein will Extended Audiences einen Blick auf die Geschichte des israelischen Theaters, der besonderen Beziehung zum Publikum und den Auswirkungen der Corona-Pandemie werfen. Welche Funktion kann eine Konfliktdramaturgie in Zeiten multipler Krisen, technologischen Wandels und Globalisierung übernehmen? Welche Fragen über ‚das Publikum‘ stellen sich in der deutschen und israelischen Theaterlandschaft? Was bedeutet eine Dramaturgie des Konfliktes für transnationale Projekte oder die Zirkulation von dramatischen Texten zwischen Israel und Deutschland? Das Projekt Extended Audiences und Avishai Milstein laden ein, in einem offenen Gespräch, gemeinsam über diese Fragen nachzudenken und zu diskutieren.

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturabteilung der Botschaft des Staates Israel.


Die Veranstaltung findet als Hybrid-Veranstaltung statt. Zur Online-Teilnahme gelangen Sie hier:
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Meeting-Kennnummer (Zugriffscode): 2733 685 4669
Meeting Passwort: WVwtmJwd244

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