September 2022

Sa17Sep19:00Sa22:00Embryos on the MoveMit Anika König und Sophia Stepf

Details

Eine Veranstaltung von Sebastian Kirsch im Rahmen von Tausend Plattformen und gesellschaften 2022

Es gibt nie einen guten Zeitpunkt, um eine Leihmutterschaft zu beginnen. Irgendetwas passiert immer: Bürgerkrieg, der Abschuss eines Zivilflugzeugs durch die Russen, 7 Gesetzesänderungen, die die Leihmutterschaft erschweren, SARS20, Vogelgrippe, die Pandemie, die 15 Tage dauern sollte, die Wirtschaftskrise und jetzt ein Krieg. Eltern, die angesichts jedes Ereignisses gesagt haben: „Warten wir es ab“ …. Heute sind sie immer noch keine Eltern. Eltern, die sich trotz der schwierigen Zeiten dafür entschieden haben, weiterzumachen, sind heute Eltern. Die Zeit vergeht für uns alle unaufhaltsam, und oft rückt die Möglichkeit der Elternschaft in weite Ferne, wenn wir die Zügel nicht in die Hand nehmen.

Werbetext einer Leihmutterschaftsagentur, August 2022

Die Vermittlung transnationaler kommerzieller Leihmutterschaften gehört zu den boomenden plattformökonomischen Geschäftsmodellen der vergangenen Jahre. Weltweit können sich zahlungsfähige Wunscheltern heute mit Samen- und Eizellbanken und/oder potenziellen Leihmüttern in Verbindung bringen lassen; Spermien und Eizellen werden über den ganzen Globus geflogen und diverse Rechtslücken genutzt, mit der die Neugeborenen schließlich zu den ‚Auftraggeber*innen‘ befördert werden. Die logistischen, juristischen, medialen und geschlechterpolitischen Bedingungen, unter denen dieser Wirtschaftszweig operiert, sind entsprechend komplex; Logistikunternehmen, Pharmaindustrie, Rechtsanwaltskanzleien und Agenturen bilden hier ein schwer durchschaubares Gefüge. Zugleich hat das Modell in jüngster Zeit große Umbrüche erlebt: Nicht nur die Pandemie brachte auch für die Leihmutterschaftsindustrie gewaltige Herausforderungen mit sich; da die Ukraine einer der wichtigsten Leihmutterschaftsmärkte der Welt ist, ist auch völlig offen, was der gegenwärtige Krieg für das Geschäft bedeuten wird.

Die Performance-Gruppe Flinn Works hat sich des Themas der transnationalen Leihmutterschaften bereits 2017 mit der grandiosen dokumentarischen Performance Global Belly angenommen; mittlerweile gibt es eine aktualisierte Zoom-Fassung, die sich den jüngsten Entwicklungen vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs stellt. Im Gespräch mit Sophia Stepf, künstlerischer Leiterin von Flinn Works, sowie mit der Medizinethnologin Anika König, die seit Jahren zum Thema forscht und bei Global Belly beratend tätig war, wird dieser Teil der Tausend Plattformen-Reihe (Gesellschaften 2022) darum nach Bedingungen, Umständen und Folgen des Leihmuttergeschäfts fragen, für das nicht zuletzt gilt: „Without the internet, surrogacy would not exist in its current form.“ (König, 2017)

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Zeit

(Samstag) 19:00 - 22:00

Vierte WeltAdalbertstr. 4