Juli 2022

Do14Jul(Jul 14)19:00Fr15(Jul 15)18:30Erhitzte Gemüter, Habitus der KälteZur Ambivalenz affektiver Rhetoriken in der politischen und literarischen Öffentlichkeit

Details

Öffentliche Debatten und gesellschaftlich-politische Aushandlungsprozesse sind im deutschen Sprachraum häufig durch eine Überkreuzung gegenläufiger Tendenzen gekennzeichnet. Einerseits bewirken Polarisierung der Meinungskultur und Emotionalisierung medialer Berichterstattung eine signifikante Erhöhung der sozialen und kommunikativen ‚Betriebstemperatur’, die in erhitzten Gemütern, in erbitterten Polemiken und in Aktivismen der Empörung zum Ausdruck kommt. Andererseits wird solcher Aufheizung öffentlicher Debatten mit Haltungen und Strategien der Auskühlung und Ernüchterung begegnet, die erklärtermaßen um ‚Sachlichkeit’ und ‚Sachzwang’ kreisen und sich mit einem „Pathos der Distanz“ (Nietzsche) umgeben. In welchem Ausmaß und in welcher Intensität die Register der Sachlichkeit, der Coolness und der Ungerührtheit dabei affektiv besetzt sind, bleibt häufig ebenso unberücksichtigt wie umgekehrt der Umstand, dass Aufheizung des Meinungsklimas, Polemisierung und Empörung auf kalkulierte Weise rhetorischen Strategien folgen.

Wie passen Polarisierung und Distanzhaltung, Empörungsrhetorik und Reinszenierung von Sachzwang und Nüchternheit zusammen? Und welche Rolle spielt in Sprache und politischem Entscheidungsprozess die Temperaturskala von Hitze und Kälte? Der Workshop möchte in ausgewählten Kontexten und Konstellationen das literarisch-politische Kräftefeld der deutschsprachigen Öffentlichkeit(en) im Hinblick auf die Verschlingung von Politik und Affekt untersuchen. Das Spektrum reicht von hochtemperierten ‚Aufregungsgemeinschaften’ über Sachlichkeitsregime öffentlicher Institutionen bis zu Ausformungen eines „eiskalten und indifferenten Öffentlichkeitsbetriebs“ (B. Strauß). Den etwa 30-minütigen Vorträgen folgt jeweils 30 Minuten Diskussion. Die Tagung wird am 14.7. abends mit einer Lesung des Schweizer Schriftsteller und Essayisten Martin R. Dean und einem anschließenden Gespräch eröffnet.

Organisation: Prof. Dr. Jürgen Brokoff, Institut für Deutsche und Niederländische Philologie und SFB 1171 Affective Societies/ Prof. Dr. Cilja Harders, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft und SFB 1171 Affective Societies, Freie Universität Berlin

Eingeladene Gäste:

PD Dr. Brigitte Bargetz, Institut für Sozialwissenschaften, Fachbereich Politikwissenschaft, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel – Martin R. Dean, Schriftsteller und Essayist, Basel – Aletta Diefenbach (Soziologie) SFB 1171 Affective Societies, Freie Universität Berlin, Dr. Christian Junge (Arabistik), Centrum für Nah- und Mitteloststudien Universität Marburg – Christof Kebschull (Politikwissenschaft, Berlin) – Henrike Kohpeiß (Philosophie) SFB 1171 Affective Societies, Freie Universität Berlin – Lara Tarbuk (Literaturwissenschaften, Berlin) – Dr. Robert Walter-Jochum (Literaturwissenschaft), Institut für Deutsche und Niederländische Philologie, Freie Universität Berlin

Programm

Ort: Harnack-Haus
Ihnestraße 16-20
14195 Berlin

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Zeit

14 (Donnerstag) 19:00 - 15 (Freitag) 18:30

Freie Universität BerlinHabelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin