Erna Arnold (1881-1965), eine Berlinerin auf Reisen

Di31Mär18:15Erna Arnold (1881-1965), eine Berlinerin auf ReisenFinissage mit einem Vortrag von Nicolas BergVeranstaltungsartVortrag

Details

Vortrag von Dr. Nicolas Berg (Leipzig)
Ein anderes Wissen – Erna Arnholds Studie „Goethes Berliner Beziehungen“ (1925) im Kontext der jüdischen Goetheverehrung 

In der langen Geschichte der Erforschung Johann Wolfgang von Goethes haben Beiträge und Bücher zu seinen Lebensorten und zu den Reisezielen des Dichters ein eigenes Genre ausgebildet. Das umfangreiche, 1925 erschienene Buch „Goethes Berliner Beziehungen“ der Reisefotografin und Schriftstellerin Erna Arnhold ist Teil dieser ortsbezogenen Goethephilologie, es geht aber in dieser Methode nicht auf. Bei einer genauen Lektüre erweist es sich auch als ein Dokument jener besonderen jüdischen Goetheverehrung, wie sie in dem Jahrhundert zwischen dem Tod des Dichters 1832 und der Hitler-Diktatur existierte und dabei ein eigenes Kulturphänomen ausgebildet hat. Der Vortrag stellt das Werk inhaltlich vor, zeigt auf, wie es konzipiert ist, in welchen ideellen Kontexten es entstand und wie es heute – einhundert Jahre nach seinem Erscheinen – am produktivsten neu gelesen werden kann.

Studentisch kuratierte Ausstellung
Erna Arnhold (1881
1965), eine Berlinerin auf Reisen
Die studentisch kuratierte Ausstellung widmet sich dem Leben und Wirken von Erna Arnhold (1881–1965), einer vergessenen Reisefotografin, Radiojournalistin, Goetheforscherin und Kunstsammlerin. Vor und nach dem Ersten Weltkrieg reiste die Nichte des Kunstmäzens Eduard Arnhold durch die ganze Welt, immer mit der Kamera in der Hand. In Zeitungsartikeln, Sachbüchern und Radiovorträgen berichtete sie von ihren Reisen. Zurück in ihrer Heimatstadt Berlin, verfasste sie eine große Studie über „Goethes Berliner Beziehungen“ (1925). 1939 flüchtete die geborene Jüdin gemeinsam mit ihrem Mann aus Nazi-Deutschland; ihre Bibliothek und ihre Kunstsammlung wurden von der Gestapo beschlagnahmt. In den 1950er Jahren kehrte Erna Arnhold aus dem US-amerikanischen Exil nach Berlin zurück und wohnte in ihren letzten Lebensjahren in Lichterfelde, ganz in der Nähe der Freien Universität. In Erna Arnholds Lebensweg und ihrem Schaffen als Autorin, Fotografin und Sammlerin spiegeln sich die großen Konflikte des 20. Jahrhunderts: Frauenemanzipation und jüdische Familientradition, Besitz und Enteignung, populäre Wissensvermittlung und akademische Ausgrenzung, Kolonialismus und Antisemitismus, NS-Verfolgung und Exil, Rückkehr und Entschädigung. 

Online-Informationen über Erna Arnhold gibt es in einem maßgeblich von Amelie Dietrich verantworteten Wikipedia-Eintrag und in einem Blog-Beitrag zum Projekt "Frauen im Kunstmarkt" von Merle von Mach. In Kürze wird es außerdem eine virtuelle Ausstellung auf den Seiten der Deutschen Digitalen Bibliothek geben.

Am Nachmittag um 16 Uhr besteht die Möglichkeit, eine persönliche Führung durch die Ausstellung zu bekommen. Interessierte melden sich bitte bis spätestens 30.3.2026 per Mail (kathrin.wittler@fu-berlin.de).

Event Type

Freie Universität Berlin

Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin

Freie Universität Berlin