Filmisches Begleitprogramm zu den Mosse-Lectures: Staatsstreiche

Di20Jan19:0022:00Filmisches Begleitprogramm zu den Mosse-Lectures: StaatsstreicheNarben eines Putsches [B/AT 2025, R: Nathalie Borgers]VeranstaltungsartScreening

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In Kooperation mit dem ZEUGHAUSKINO des DHM Berlin [Pei-Bau]

Vom Putsch vor laufender Kamera bis hin zur Indienstnahme der sozialen Medien für Angriffe auf die Gewaltenteilung: Autokratische Machtübernahmen gleichen nicht selten einem politischen Schauspiel. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sie so oft verfilmt wurden. In Kooperation mit dem Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums veranstalten die Mosse Lectures im Januar und Februar ein filmisches Begleitprogramm zur Vortragsreihe Staatssreiche. Zwischen Putsch und Verfassungscoup. Die Filmreihe Staatsstreiche präsentiert Dokumentar-, Spiel- und Essayfilme der letzten 20 Jahre, die politische Umstürze aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zeigen. Was sie eint, ist der Versuch, die politischen Geschehnisse als komplexe Verflechtungsgeschichten zu erzählen und dabei nach den kulturellen Machtverschiebungen zu fragen, die mit ihnen einhergehen. Was haben Staatsstreiche mit dem Erstarken von Autoritarismus und traditionellen Männlichkeitsbildern zu tun? Inwieweit sind sie mit gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen sowie mit Einzelschicksalen jenseits der Politik verwoben? Welche Spuren hinterlassen Putsche und wie werden sie erinnert? Welche neuen Perspektiven kann ein postkolonialer Blick auf Staatsstreiche eröffnen? Und wie lassen sich Staatsstreiche überhaupt filmisch erzählen?

Narben eines Putsches

Die Erkundung der Narben auf dem Körper ihres Mannes, Abidin Ertuğrul, bewegen Nathalie Borgers zu einer Spurensuche ihrer Geschichte. Dabei erfährt sie, dass die Verletzungen nicht nur diejenigen eines Aktivisten sind, „sondern die Narben eines Ereignisses, des Putsches vom 12. September 1980, der den Traum von einer Demokratie in der Türkei endgültig beendete.“ Von Wien aus macht sich die Filmemacherin auf, diesem Ereignis und seiner Vor- und Nachgeschichte bis in die heutige Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan nachzugehen. Die Montage führt von Küchentischen in Wien und Ankara, an denen Menschen über persönliche Verlust- und Gewalterfahrungen in Folge des Militärputsches berichten, ins Weiße Haus und in den Buckingham Palace, wo man die Junta in den 1980er Jahren auf großer Bühne mit allen Ehren empfing. Während in der Türkei Menschen willkürlich inhaftiert, gefoltert und hingerichtet wurden, würdigte das Ausland den ehemaligen Generalstabschef und neuen Präsidenten Kenan Evren für seine neoliberalen Reformen.

Narben eines Putsches erzählt von Geschichte, die nicht vergangen ist, ferner von Gewalt, türkischer Demokratie und politischem Islam, von Protest und Widerstand der türkischen Zivilgesellschaft, aus dessen Mitte Sätze wie der Ruf von inhaftierten türkischen Revolutionären nachhallen: „Die Menschenwürde wird über die Folter siegen“. (hem)

Einführung: Theodor Hemprich

Theodor Hemprich studiert Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitet für die Mosse Lectures. 2013/14 hat er ein Jahr als Austauschschüler in Istanbul verbracht.

Event Type

Zeit

20. Januar 2026 19:00 - 22:00(GMT+01:00)

Deutsches Historisches Museum

Unter den Linden 2, 10117 Berlin

Deutsches Historisches Museum