November 2019

Mi06Nov17:00Mi18:30Frantz Fanon über (anti-)koloniale GewaltLfB School

Details

Seminarleitung: Dr. Onur Erdur

Man nennt es das kommunistische Manifest der antikolonialen Revolution. Nicht nur die Befreiungsbewegung in Algerien ließ sich von Fanon inspirieren, sondern beispielsweise auch die US-amerikanische Black Panther-Bewegung und der palästinensische Widerstand gegen die israelische Besatzungspolitik. Fanons 1961 veröffentlichtes Werk „Die Verdammten dieser Erde“ löste einen heftigen Skandal aus. Es fordert offen den gewaltsamen Widerstand der Kolonialisierten als einzigen Ausweg aus der Kolonialherrschaft —und diese sei auch dann noch lange nicht beendet, wenn die nationale Unabhängigkeit errungen wurde. Jean-Paul Sartre verfasste das flammende Vorwort. Hannah Arendt schrieb ein paar Jahre später eine geradezu vernichtende Kritik sowohl gegen Fanon als auch gegen Sartres offene Unterstützung. Der Auslöser dafür war, dass sich auch die US-amerikanische Student*innen-Revolte 1968 auf den Text Fanons berief. Aus dem Kanon postkolonialer Studien ist Fanon bis heute nicht wegzudenken. Homi K. Bhabha, Gayatri Spivak und auch Judith Butler kommentierten nicht nur Fanon, sondern auch die Debatte, die Hannah Arendt im Jahre 1970 mit ihrem Essay „On Violence“ gegen Fanon und Sartre angezettelt hatte. Das Seminar soll sich diese Auseinandersetzung zum Gegenstand machen.

Termine: Dienstag 6.11., 13.11., 20.11., 27.11.
17:00 – 18:30 Uhr, Einlass ab 16:30 Uhr

Um Anmeldung unter campus@lfbrecht.de wird gebeten. Texte werden über einen Reader zur Verfügung gestellt. Nähere Informationen erfolgen nach Anmeldung.

Das Programm richtet sich vor allem, aber nicht ausschließlich an Studierende und Menschen unter 35 Jahren.

Wir freuen uns auf Euer Kommen!

ÜBER DIE SEMINARREIHE:

Mit der lfb school bietet das Literaturforum im Brecht-Haus ab November 2019 ein Seminarprogramm mit wechselnden Seminarleiter*innen an. Es geht darum, Texte zu lesen und Themen zu diskutieren, für die an der Universität aus unterschiedlichen Gründen kein Raum ist. Vielleicht, weil die Texte nicht kanonisch genug sind, die Fragestellungen zu spekulativ. Wir möchten die Textarbeit um eine Dramatik bereichern, die die Universität ihr schon aus rein institutionellen Gründen verweigern muss. Das bedeutet auch, Fragen zu stellen, die so vielleicht noch nicht gestellt worden sind, zu denen wir selbst noch keine Antworten haben und die ein gewisses Konfliktpotential in sich tragen. Um es mit Gilles Deleuze zu sagen: „Das hat nichts mit Diskussionsveranstaltungen zu tun. Das ist wie ein Forschungslaboratorium: Eine Veranstaltung macht man über etwas, das man sucht und nicht über etwas, das man weiß.“ Letztendlich sind es ungelöste Probleme, die das Seminarprogramm motiviert haben.

Konzipiert und organisiert von Johen Shmon.

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Literaturforum im Brecht-HausChausseestraße 125, 10115 Berlin