Januar 2021

Do28Jan19:30Gegenwartsproof: Ilse AichingerWarum sich uns alles mit Erinnerung verflicht

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mit Sonja vom Brocke Dichterin, Berlin | Margret Kreidl Dichterin, Wien | Ferdinand Schmatz Dichter, Wien | Moderation: Theresia Prammer Literaturkritikerin und Übersetzerin, Berlin

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Ilse Aichinger (1921–2016, geboren und gestorben in Wien) exzellierte in allen Gattungen. Zwar schuf sie jeweils nur wenig, immer aber Beispielhaftes und Bleibendes, z.B. ihren einzigen Roman Die größere Hoffnung (1948), ihre Hörspiele, Szenen und Dialoge sowie die meisterhaften Erzählungen Spiegelgeschichte, Der Gefesselte und Wo ich wohne. Außerdem ist Aichinger eine der größten deutschsprachigen Lyrikerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, obwohl sie nur einen schmalen Gedichtband vorlegte. Verschenkter Rat (1978) versammelt der Texte, die zwischen 1958 und 1978 geschrieben wurden. Hinzu kommt der Band Kurzschlüsse (2001), der Prosaminiaturen enthält, die in der Nähe zur Lyrik entstanden sind.

Aichingers gesamtes Werk kommt aus dem überwältigenden Eindruck der Gefährdung. Sie galt in der Terminologie der Faschisten als „Mischling ersten Grades“ und war in ihrer Jugend dauerhaft vom Tode bedroht. Was sie später dagegen einsetzte, waren Nüchternheit und Präzision in ihren poetischen Bestandsaufnahmen. Sie wusste, „die Welt ist aus dem Stoff, der Betrachtung verlangt.“ Das Ideal ihrer Texte ist die gelassenste und selbstverständlichste Form, „in der äußersten Spannung die äußerste Gelöstheit“. Aichinger fand hierfür das Bild eines Metallbandes, das zum Reifen gebogen wird, bevor man es lötet.

Über die Bedeutung von Aichingers Werk damals und heute sprechen die DichterInnen Sonja vom Brocke, Margret Kreidl und Ferdinand Schmatz. Durch den Abend führt Theresia Prammer, die gemeinsam mit Christine Vescoli den Band Was für Sätze (Edition Korrespondenzen 2020) zu Ilse Aichinger herausgibt.

Mit freundlicher Unterstützung durch das Österreichische Kulturforum

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