HU Open Lectures: #EinsamOderAllein?

Mi11Jan18:15Mi19:45HU Open Lectures: #EinsamOderAllein?Jenny Körber: Heilige Einsamkeit – Facetten eines Konzepts zwischen Gemeinschaft und AbgeschiedenheitVeranstaltungsartVortrag

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Hauptgebäude der HU

Unter den Linden 6, Raum 1070

Die Corona-Pandemie der vergangenen zwei Jahre führte weltweit zu drastischen Veränderungen des Lebens auf individueller und gesellschaftlicher Ebene. Die Einschränkungen und Umbrüche konnte kaum jemand voraussehen – die langfristigen Folgen sind noch immer nicht absehbar. In unserer Welt, die stärker als je zuvor global vernetzt ist, war das physische Kontaktverbot zur Einhegung des Virus ein Novum. Zwar halfen moderne Kommunikationsmittel im beruflichen wie privaten Bereich den Kontakt mit anderen aufrecht zu erhalten, doch lehrte uns diese Erfahrung, dass sie unmittelbare Begegnungen mit Freund:innen, Familie und Geliebten nicht ersetzen können. Verschiedene Apps boten und bieten zwar die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen, aber nicht alle Menschen haben Zugang zu dieser Form der Kommunikation – und häufig genug endet die Suche nach Kontakt am Handy selbst, das wir in der Hand halten und damit alleine zurückbleiben. Jenseits dieser individuellen und emotionalen Probleme brachte das Kontaktverbot besonders diejenigen in Bedrängnis, zu deren Profession es gehört, Menschen zusammenzubringen, so die Gastronomie, Kinos, Theater und andere Orte der Geselligkeit. Seit dem Ausbruch der Pandemie war in den Medien wie in alltäglichen Smalltalks immer häufiger die Rede von Vereinzelung, Alleinsein, Isolation und Einsamkeit.

In der Vortragsreihe #EinsamOderAllein? rücken wir dieses vieldiskutierte Thema ins Zentrum und erkunden es sowohl theoretisch als auch historisch und materiell. Wir fragen, was Einsamkeit im Jahr 2022 bedeutet und wie sich aktuelle Formen der Einsamkeit von Erfahrungen des Alleinseins und der Isolation unterscheiden. Gibt es historische oder sozio-kulturelle Umstände, die Einsamkeit verstärken und fördern? Helfen soziale Netzwerke und (digitale) Kommunikationsmittel dabei, Einsamkeit zu überwinden, oder fördern sie diese? Wie wird Einsamkeit in künstlerischen und literarischen Werken verarbeitet? Gibt es eine Literatur der Einsamkeit oder literarische Traditionen, Orte und Motive, die mit Einsamkeit verbunden sind? Und welche Bedeutung hat Einsamkeit für unser wissenschaftliches Arbeiten?

Im ersten Jahr der HU Open Lectures beleuchten wir das Phänomen Einsamkeit transdisziplinär, d.h. aus der Sicht verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen und zeigen damit ein differenziertes Bild von Einsamkeit und ihren Ableitungen Alleinsein, Isolation und Vereinzelung. Zu dieser Auseinandersetzung zählt es auch, unsere eigene Arbeit als Wissenschaftler:innen aus der Vereinzelung in der Bibliothek hinaus  in die Öffentlichkeit zu tragen und allgemein verständlich zu machen. Durch die Organisation der Open Lectures zeigen wir, dass diejenigen, die auf befristeten Stellen arbeite und keine Professur haben, wichtige wissenschaftliche Beiträge für die Gesellschaft leisten.

Die HU Open Lectures sind ein gemeinschaftliches Projekt von Daniel FliegeAnnika NickenigMonika Raič und Christoph Söding.

11.01.2023: Heilige Einsamkeit – Facetten eines Konzepts zwischen Gemeinschaft und Abgeschiedenheit

Dr. Jenny Körber studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Literaturwissenschaft in Münster, Paris und Amsterdam und war 2017 Junior Research Fellow an der Harvard University. Ihre Dissertation zum Mediendispositiv der frühen Jesuiten erscheint im Böhlau Verlag. 2020-22 war sie als wissenschaftliche Museumsassistenz und Projektkuratorin für die Staatlichen Museen zu Berlin tätig. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) an der Universität Hamburg.

Zu ihren Veröffentlichungen zählen:

  • „The Life of Catharina Vigri of Bologna (1413–1463) – A post-Tridentine Saint from the Middle-Ages”, in: Papers on French Seventeenth Century Literature (PFSCL) XLIX, 96 (2022), S. 119-136.
  • „Die poetologische Dynamik des Hennen-Ay’s von Taxa”, in: Fruchtbarkeit und Poeisis im 16. und 17. Jahrhundert, in: Philologie der Kultur, Christian Kiening, Sabine Schneider, Hans-Georg von Arburg [Hg.], Würzburg 2022, S. 77-98.
  • Himmlische Töne – Irdische Klänge. Zum Verhältnis von Musik und Malerei in Vittore Carpaccios Vision des Heiligen Augustinus. Anlässlich der Konzertreihe zu Josquin Desprez im Pierre-Boulez-Saal, Berlin 2022.
  • „Die Quarantore – Ein Ritual zwischen Tradition und Restriktion. Die sichtbaren Folgen einer Inszenierung des Unsichtbaren”. In: Ursula Röper u. Hans Jürgen Scheuer, Paramente in Bewegung. Bildwelten liturgischer Textilien, Regensburg 2019.
  • „Die spihlende Hand Gottes: Das Leben der Schauspieler, Gaukler und Komödianten als Grundlage für den meditativ gestützten Tugenderwerb.” In: Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte, Band 113, Heft 1/2 (2018), S. 1-20.

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11. Januar 2023 18:15 - 19:45(GMT+02:00)

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