März 2021

Mo15Mär20:00Jakob Augstein im Gespräch mit Hedwig RichterDiktatur wagen? – Wo liegen die Grenzen der Demokratie

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2 um 8: Der radioeins und Freitag Salon

Wie geht es eigentlich unserer Demokratie? Bei all den Gesundheitsfragen rund um Corona scheint die Frage nach der Befindlichkeit unseres politischen Systems zu kurz gekommen zu sein. Dabei sind die Symptome für ein Demokratieleiden doch allzu offensichtlich. Rechtspopulisten und Querdenker rütteln an ihr mit völkischen Visionen, technokratische Eliten übernehmen die öffentliche Rolle von Politikern. Und die medialen Lobeslieder auf China im erfolgreichen Umgang mit ihren Bürgern im Pandemiegeschehen lassen fast eine Sehnsucht nach Diktatur und totalitärer Führung ahnen. Und nicht nur in Deutschland. In Osteuropa scheint es, als schaffe sich die Demokratie geradezu selber ab. Die Demokratie steckt in der Krise. Die Historikerin Hedwig Richter sieht das gelassen und vertritt die These: „Der Modus der Demokratie ist die Krise, daher gehört zu ihrer Geschichte die fortdauernde Ankündigung ihres Endes.“ Als Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr München forscht sie seit mehreren Jahren zum Thema Demokratie. Sie ist der Überzeugung, Demokratiegeschichte lässt sich nur als gemeinsame, transnationale Geschichte verstehen.

Wie hat sich also die Demokratie verändert? Was zerstört sie, und was belebt sie? Darüber diskutiert Freitag-Verleger Jakob Augstein mit Hedwig Richter bei 2 um 8.

Hedwig Richter wurde 1973 in Urach geboren. Sie studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie an den Universitäten Heidelberg, Queen’s University Belfast und der Freien Universität Berlin. Seit 2019 hält sie die Professur für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr München. Vor ihrer Berufung lehrte und forschte Hedwig Richter an den Universitäten Bielefeld, Greifswald und Heidelberg und am Hamburger Institut für Sozialforschung. Sie ist unter anderem Mitglied im Herausgeberinnengremium der Reihe „Geschichte und Geschlechter“ (Campus Verlag), Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Denkfabrik Progressives Zentrum e. V. und Redaktionsmitglied der Zeitschrift für Ideengeschichte. 2020 wurde ihr Buch „Demokratie. Eine deutsche Affäre“ für den Bayerischen Buchpreis nominiert und sie erhielt den Anna Krüger Preis für „ein hervorragendes Werk in einer guten und verständlichen Wissenschaftssprache“ vom Wissenschaftskolleg zu Berlin. Ihre Forschung wurde außerdem mit dem Offermann-Hergarten-Preis der Universität zu Köln (2010) und dem Stiftungspreis der Demokratie-Stiftung (2018) ausgezeichnet.

Im radioeins und Freitag Salon setzt sich der Journalist und Verleger Jakob Augstein einmal im Monat mit einem Gast an einen Tisch und redet – über das Politische in der Kultur, über die Gesellschaft und ihre Zwänge, über die Mechanismen von Öffentlichkeit und Lüge und über das Verschwinden der Demokratie im Kapitalismus. radioeins sendet live.

Hier verstummt die Erregungsmaschine des Internets. Der Freitag Salon ist „unplugged“, wie man früher gesagt hätte. Echte Menschen reden über echte Themen und üben sich in Fähigkeiten, die rar zu werden drohen: Zeit nehmen, zuhören, verstehen, lernen. Das – unerreichte – Vorbild dieses aktuellen politischen Diskussionsformats sind die legendären Gespräche des Journalisten Günter Gaus, die im Fernsehen gezeigt wurden, als dieses noch schwarz-weiß war.

Eine Kooperation der Volksbühne Berlin mit radioeins und Der Freitag

Kuratorin: Elodie Evers

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Volksbühne BerlinLinienstraße 227, 10178 Berlin

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