November 2021

Do11Nov(Nov 11)14:00Fr12(Nov 12)20:00Jenseits der NostalgieNeuaneignungen des Spätsozialismus in osteuropäischen Gegenwartskulturen

Details

Organisiert von Riccardo Nicolosi (LMU München), Matthias Schwartz (ZfL) Kontakt: Matthias Schwartz ZfL-Projekt(e): Weltfiktionen post/sozialistisch

Tagung der Fachgruppe »Literatur- und Kulturwissenschaft« der DGO (Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde)

Schwankten die ersten postsozialistischen Jahrzehnte noch zwischen kritischer Abrechnung mit der sozialistischen Vergangenheit und diffuser Nostalgie nach einer verloren gegangenen Stabilität, ändert sich das in letzter Zeit. In vielen Bereichen der osteuropäischen Literaturen und Kulturen ist vermehrt eine künstlerische und diskursive Neuaneignung insbesondere der spätsozialistischen Periode zu beobachten, die stark von medialen, populärkulturellen und identitätspolitischen Aspekten geprägt ist. Wenn Boris Groys die postkommunistische Situation als einen Weg zurück aus einer postnationalen Zukunft in die nationalstaatliche Gegenwart charakterisiert, dann wird heutzutage nach Jahren der neoliberalen Transformation und angesichts einer »breit« gewordenen Gegenwart (Hans Ulrich Gumbrecht) umgekehrt die Zeit vor 1989 als ein Raum der verpassten Chancen wiederentdeckt, als die Zukunft noch offen war. Auf ein breites Publikum zielende Fernsehserien, autobiographisch geprägte Familienromane, avancierte Kinofilme genauso wie nationalistische oder religiöse Gegenkulturen und revanchistische Kulturpolitiker rekonstruieren die letzten Jahrzehnte des real existierenden Sozialismus als eine zunehmend fiktionalisierte Spielwiese zur Revision bisheriger Gewissheiten. Die Tagung fragt in vergleichender Perspektive danach, worin diese Faszinationsmomente gründen und in welchen medialen und künstlerischen Formaten sich solche Verschiebungen insbesondere äußern, was auch grundlegende kulturtheoretische Reflexionen in Hinsicht auf ein mögliches Ende der »Ära der Nachahmung« (Ivan Krastev/Stephen Holmes) beinhaltet.Die Konferenz findet vor Ort im ZfL unter Einhaltung der 2G-Regelung statt. Das Platzkontingent ist begrenzt, wir bitten daher um vorherige Anmeldung hier. Es ist auch möglich, die Konferenz im Livestream via Zoom zu verfolgen. Zugangsdaten erhalten Sie nach Anmeldung hier.

Für die Lesung mit Marina Frenk bitten wir um vorherige Anmeldung hier.

Programm

Donnerstag, 11.11.2021

14.00

  • Begrüßung und Eröffnung

14.15

  • Magdalena Marszałek (Universität Potsdam): Von Leibeigenen, Bystanders und Menschen: Neuverhandlungen der bäuerlichen Geschichte der polnischen Volksrepublik nach 2000
  • Nina Weller (Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)): Mythos der Jugend under deconstruction: Zur
    Neuaneignung der 1980er Jahre in russ. Film und Literatur der 2000er

16.15

  • Zaal Andronikashvili (ZfL): Alles war besser als Bolschewisten! – Lichte Vergangenheit und Dunkle Zukunft in der georgischen Gegenwartsliteratur
  • Jeanette Fabian (LMU München): »Eigentlich gibt es Osteuropa gar nicht«. Karel Cudlíns und Jáchym Topols Foto-Geschichten über die (Un)Lust, Osteuropäer zu sein

Freitag, 12.11.2021

10.00

  • Barbara Wurm (Humboldt-Universität zu Berlin): The Vanished Empire Strikes Back. Der Spätsozialismus im postsowjetischen Film
  • Roman Dubasevych (Universität Greifswald): Reconstructions of Soviet Rock Underground in Contemporary Russian Cinema

12.00

  • Otto Boele (Universiteit Leiden): Near-Disasters and »Russkii avos’«. Imagining Soviet »Backwardness« in Recent Russian Cinema

14.30

  • Anna Förster (Universität Erfurt): Kitsch und Kulturkampf. Wie die US-amerikanische Rechte ostmitteleuropäische Dissidenten für sich entdeckt
  • Boris Buden (Bauhaus-Universität Weimar): Is There a Society After Socialism?

16.30 Abendvortrag (via Zoom)

  • Mark Lipovetsky (Columbia University): Better than Nostalgia: Late Socialism in Recent TV series

18.30

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Leibniz-Zentrum für Literatur- und KulturforschungSchützenstr. 18, 10117 Berlin