Jüdischer Salon: Antisemitismus, unbewusst

Di04Jul19:30Di21:00Jüdischer Salon: Antisemitismus, unbewusstStephanie Schüler-Springorum stellt die neue Ausgabe der Zeitschrift RISS vorVeranstaltungsartBuchvorstellung

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»Antisemitismus« hört nicht auf, unterschiedliche Gestalten anzunehmen.

Wir laden Sie ein, zum nächsten Jüdischen Salon im Grünen Salon der Volksbühne, sich mit diesem äußerst komplexen immerwährenden Phänomen auseinander zu setzen.

AAAAAAAntisemitismus. Asemantisch

So heißt das neue Heft, #98, RISS. Zeitschrift für Psychoanalyse, das versucht, davon etwas zu erkennen.

Mit Stephanie Schüler-Springorum – Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin im Gespräch mit einigen Autor*innen des Heftes.

Die entscheidende Schwierigkeit, »über Antisemitismus« zu schreiben, ihn anzusprechen, liegt darin, dass es keine Position von außen gibt, von der her gesprochen werden könnte. Dies zu verkennen, scheint auch ein Problem in vielen Initiativen zu sein, die Antisemitismus als sprachliche und physische Gewalt im (nicht nur) bundesdeutschen Alltag anzeigen.
Es wird oft das Bedürfnis laut, zu definieren, was als antisemitisch zu gelten habe und was nicht. Solche Definitionen bringen aber weitere Probleme mit sich. Denn wie etwas adressieren, das uns als zentrales und zugleich extrem dezentriertes, streuendes, jahrhundertealtes und brandaktuelles Problem heimsucht?
Der Versuch, Antisemitismus endlich eindeutig in den Griff zu kriegen, ist Teil des Problems. Der Wunsch das Gedeutete zu beseitigen, ist ein Phantasma, das an einem Zipfel noch mit dem antisemitischen Phantasma verbunden ist, dass der »Jude« »die Wurzel aller Probleme« sei.

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle an Jom Kippur, dem 9. Oktober 2019, war Auslöser für das Heft. Ein »Halle-Dossier« bildet somit den Auftakt des Heftes. Die Redaktion lud Denker*innen, Psychoanalytiker*innen, Intellektuelle ein, sich mit Auszügen aus den fast 1000 Seiten umfassenden Mitschriften des Halle-Prozesses auseinanderzusetzen. Der Verein democ. Zentrum Demokratischer Widerspruch e.V. hat dieses Dokument angefertigt. Der Einladung sind Micha Brumik, Max Czollek, Marie Griesheimer, Regina Karl, Larissa Krampert, Elad Lapidot, Christian Obermüller und Sonia Simmenauer nachgekommen, sowie Beiträge aus der Redaktion. Das Ergebnis ist ein vielstimmiges idiosynkratisches Glossar: eine Art Echoraum, in dem die Sprache des Prozesses anders, schriller widerhallt.

Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum ist Historikerin und leitet seit 2011 das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Nach einem Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, Ethnologie und Politikwissenschaft in Göttingen und Barcelona wurde sie 1993 mit einer Dissertation über die jüdische Minderheit in Königsberg/Preußen von 1871 bis 1945 promoviert. Von 2001-2011 war sie Direktorin des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg, von 2009-2019 Vorsitzende der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Leo Baeck Instituts in der Bundesrepublik Deutschland und seit 2012 Mit-Direktorin des Selma Stern Zentrums für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Ihre Forschungsfelder sind die deutsch-jüdischen Geschichte, die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust, sowie die spanische Geschichte. Eine geschlechtergeschichtliche Perspektive bestimmt dabei all ihre Arbeiten.

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RISS Zeitschrift für Psychoanalyse Bd. 98 • ISBN: 978-3-86485- 292-3
Hg. Karl-Josef Pazzini, Marcus Coelen, Judith Kasper, Mai Wegener
www.risszeitschriftfuerpsychoanalyse.org
textem-verlag.de/textem/magazine/riss/532
Bestellungen an: bjoern.hartwig@textem.de
Hamburg 2023

Veranstaltungs-Website:
www.salon-ich.berlin/programm/aaaaaaantisemitismus-asemantisch

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Zeit

4. Juli 2023 19:30 - 21:00(GMT+02:00)

Volksbühne Berlin

Linienstraße 227, 10178 Berlin

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