Februar 2021

Do04Feb16:15Do17:45Marie SchröerKörper in Serie – Figurenmultiplikation im Werk von Patrice Killoffer

Details

Teil der Ringvorlesung „Comic – Kunst – Körper. Konstruktion und Subversion von Körperbildern im Comic“ im Rahmen des Programms „Offener Hörsaal“ der Freien Universität Berlin.

Als ‚neunte Kunst‘ erfreuen sich Comics großer Beliebtheit sowie wachsender Aufmerksamkeit im kulturellen Leben und akademischen Kontext. Vertreter*innen zahlreicher Fächer und Hochschulen forschen zu diesem Bild-Text-Medium und integrieren graphische Erzählungen in ihre Lehrveranstaltungen. Die Ringvorlesung möchte die vielfältigen Aktivitäten in Kunst und Wissenschaft disziplin- und institutionsübergreifend sichtbar machen und dabei Brücken zwischen akademisch Forschenden, Studierenden und einer interessierten Öffentlichkeit schlagen.

Im Mittelpunkt der Vorlesungsreihe stehen die unterschiedlichen Körper, in denen Comics ihre Protagonist*innen visualisieren. Ob es sich dabei um Wunschbilder, Stereotype oder Karikaturen handelt, immer werden kulturelle Vor­stellungen von menschlichen, tierischen oder technischen Körpern, von Gender, Alter, ethnischer und kultureller Zugehörigkeit, sozialer Schicht und körperlichen oder geistigen Fähigkeiten vermittelt. Die Vorträge der Vorlesungsreihe diskutieren Comics als Seismograph von und Kommentar zu kulturellen Normierungen, Hoffnungen und Ängsten, die häufig über Körper­bilder ausgehandelt werden.

Die Vorlesungsreihe ist öffentlich und kostenfrei. Sie findet vor Publikum statt und wird zusätzlich gestreamt. Da die Plätze wegen der Hygieneauflagen begrenzt sind, ist für den Besuch der Präsenzveranstaltung eine einmalige Anmeldung unter comic-vl@fsgs.fu-berlin.de erforderlich.

Marie Schröer (Romanistik, Potsdam, Deutschland)
Dass das Medium Comic generell „Körper in Serie“ produziert, liegt auf der Hand. Wenn wir den Blick vom einzelnen Panel weg aus der Vogelperspektive auf die ganze Seite oder gar die Doppelseite richten, sehen wir multiple Versionen einer Figur. Die lineare Erzählung ermöglicht meist ein Eintauchen in die Diegese, die den repetitiven Charakter bzw. die repetitiven Charaktere vergessen lässt. Gerade im autobiografischen Comic wird die Figurenmultiplikation allerdings oft plakativ als Metapher eingesetzt, wenn z.B. verschiedene Facetten der Persönlichkeit miteinander ringen. In den Comics des OuBaPo-isten und Mitbegründers des Pariser Verlags L’Association, Patrice Killoffer, wird die Avatar-Vervielfachung zum Leitmotiv. Vor allem in seinen 676 Apparitions (Dt. 676 Erscheinungen) kapern Killoffers Doppelgänger den gesamten Comic und inspirieren so Fragen nach Original und Kopie, nach Möglichkeiten und Grenzen der Autobiografie und nicht zuletzt nach dem Potential des Comics, alternative Räume für Identitätssuchende zu öffnen.

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