Mosse-Lecture: Ildikó Enyedi

Do10Feb19:15Do21:00Mosse-Lecture: Ildikó Enyedi»Dramaturgy, a secret weapon«VeranstaltungsartVortrag

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mit Lothar Müller. Livestream über Youtube.

During the autumn of 2020 a 72 days long complex theatrical performance took place in the heart of Budapest with various important side events over the whole country. On the 31st of August the University of Theatre and Film Arts of Budapest (SZFE) was deprived of its academic autonomy. As an answer, at midnight the students occupied the University. 72 days later the siege had to be stopped because of the covid situation but it led to the founding of the FREESZFE association, a creative hub for learning and creating. If we compare these 72 days with other, historic examples of University occupations, we find one striking difference. These young professionals – actors, directors, writers, dramaturges etc. – expressed their protest and articulated their principles with an extremely rich and varied use of the tools of their profession. The occupation as a whole became a highly dramatized art project and each one of the many performances and events created pure theatrical time and space for all our senses where the driving force, the motor behind was dramaturgic: to define the authentic narrative of what was happening with their Alma Mater and what they were fighting for.

Ildikó Enyedi ist eine ungarische Filmregisseurin und Drehbuchautorin; 1989 filmisches Debüt mit dem Spielfilm Mein 20. Jahrhundert, für den sie die Goldene Kamera für den besten Nachwuchsfilm in Cannes erhielt; 2017 erschien ihr romantisches Melodram Körper und Seele (Originaltitel: Testről és lélekről), in dem der professionalisierte Pragmatismus für seinen Einfluss auf die Lebens- und Realitätswahrnehmung des modernen Menschen problematisiert wird – der Film erhielt bei der Berlinale einen Goldenen Bären sowie eine Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film.

Wintersemester 2021/2022: Theater der Gegenwart

Was Gegenwart ist und wie sie sich zeigt, wird spätestens seit der Wende zum 19. Jahrhundert kontrovers diskutiert. Den gemeinsamen Hintergrund moderner Gegenwartsreflexionen bildet die widersprüchliche Erfahrung einer angesichts zunehmender Beschleunigungs- und Innovationsprozesse „schrumpfenden Gegenwart“ (Hermann Lübbe), die zugleich „breiter“ (Hans Ulrich Gumbrecht) erscheint, insofern eben jene (digitalen) Innovationen, aber auch veränderte theoretische Perspektiven auf Geschichte die Simultanität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor Augen führen. Die Ambivalenz einer schwindenden und zugleich sich ausdehnenden Gegenwart lässt sich auch für den räumlichen Bedeutungshorizont des Gegenwartsbegriffs festhalten. Gerade die Jahre 2020 und 2021 haben deutlich gemacht, dass wir in einer Zeit des eklatanten Anwesenheitsschwundes leben, wobei sich die Präsenz von Personen, Räumen und Gegenständen scheinbar nur mit einem Klick herstellen lässt. Mehr denn je hat sich Gegenwart darüber hinaus als etwas erwiesen, das nicht einfach da ist, sondern im Rahmen medialer, politischer, kultureller und sozialer Praktiken hergestellt und organisiert wird. Die Mosse Lectures wollen jene Performanz des Gegenwärtigen, aber auch gegenwärtige Performanzen genauer in den Blick nehmen: Welches sind die Schauplätze, an denen Aktualität und Präsenz zur Aufführung gelangen? Neben hochgradig performativen Settings wie dem Parlament, dem Gerichtssaal und dem Theaterraum selbst sind hier auch weniger offenkundige Bühnen, Transitzonen und digitale Kommunikationsräume angesprochen, in denen ganz neue Fragen und Formen der (flüchtigen) Anwesenheit aufgerufen werden. Während sich viele Theater bemühen, die Krisen der Gegenwart und ihre Akteure auf ihre großen und kleinen Bühnen zu holen, wird die Straße als politische Bühne wiederentdeckt und fusioniert die Performance mit den sozialen Netzwerken. Im Hinblick auf diese Vielfalt theatralischer Räume und theatralischer Praktiken erkunden die Mosse Lectures im WS 2021/22 die Selbstinszenierung der Gegenwart.

Änderung der Teilnahmebedingungen: Eine Teilnahme an den Veranstaltungen wird aufgrund des aktuellen Pandemiegeschehens vorerst ausschließlich digital via Livestream möglich sein.

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Zeit

10. Februar 2022 19:15 - 21:00(GMT+02:00)

HU Berlin

Unter den Linden 6

HU Berlin