November 2021

09Nov19:1520:45Mosse-Lectures: Barrie KoskyDie Gegenwart der KomödieVeranstaltungsart:Vortrag

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Mit Ethel Matala de Mazza

Zum besonderen Profil der Komischen Oper Berlin gehört die Breite ihres Repertoires. Neben zeitlosen Klassikern der ernsten und der Buffa-Oper zählen dazu moderne Musicals, unter Barrie Koskys Intendanz jedoch auch totgesagte Unterhaltungsgenres wie die Operette oder das Vaudeville, mit denen Musikkomödien in der Behrenstraße während der letzten zehn Jahre auffallend präsent waren. Und unerwartet erfolgreich. Wie passen diese Boulevardstücke in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts? Und welche Seiten der Gegenwart lassen sich in solchen Komödien ausspielen? Brauchen sie den Aktualitätsbezug als Reservoir für Komik? Welche Folgen hatte während des Lockdowns das Ausweichen in den Stream für die Gestaltung des digitalen Spielplans? Ließ sich das Abstandsgebot zum Publikum für die mediale Re-Inszenierung von Live-Aufführungen gerade der Musikkomödien auch produktiv machen? Ethel Matala de Mazza spricht mit Barrie Kosky über sein Faible für das komische Theater abseits der Oper, über die Regiearbeit in Zeiten der Pandemie und über die Rückkehr zum Betrieb bei anwesendem Publikum in seiner letzten Spielzeit an der Komischen Oper als Intendant.

Barrie Kosky ist ein deutsch-australischer Opern- und Theaterregisseur, seit 2012 Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin; Inszenierung zahlreicher Stücke an europäischen und australischen Theater- und Opernhäusern; häufige Auseinandersetzung mit jüdischer Identität und Kultur in vielen seiner Stücke, für die er mehrfach, u.a. mit dem Faustpreis und dem International Opera Award, ausgezeichnet wurde; aktuell ist u.a. seine Neuinszenierung von Kurt Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny zu sehen.

Semesterthema: Theater der Gegenwart

Was Gegenwart ist und wie sie sich zeigt, wird spätestens seit der Wende zum 19. Jahrhundert kontrovers diskutiert. Den gemeinsamen Hintergrund moderner Gegenwartsreflexionen bildet die widersprüchliche Erfahrung einer angesichts zunehmender Beschleunigungs- und Innovationsprozesse „schrumpfenden Gegenwart“ (Hermann Lübbe), die zugleich „breiter“ (Hans Ulrich Gumbrecht) erscheint, insofern eben jene (digitalen) Innovationen, aber auch veränderte theoretische Perspektiven auf Geschichte die Simultanität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor Augen führen. Die Ambivalenz einer schwindenden und zugleich sich ausdehnenden Gegenwart lässt sich auch für den räumlichen Bedeutungshorizont des Gegenwartsbegriffs festhalten. Gerade die Jahre 2020 und 2021 haben deutlich gemacht, dass wir in einer Zeit des eklatanten Anwesenheitsschwundes leben, wobei sich die Präsenz von Personen, Räumen und Gegenständen scheinbar nur mit einem Klick herstellen lässt. Mehr denn je hat sich Gegenwart darüber hinaus als etwas erwiesen, das nicht einfach da ist, sondern im Rahmen medialer, politischer, kultureller und sozialer Praktiken hergestellt und organisiert wird. Die Mosse Lectures wollen jene Performanz des Gegenwärtigen, aber auch gegenwärtige Performanzen genauer in den Blick nehmen: Welches sind die Schauplätze, an denen Aktualität und Präsenz zur Aufführung gelangen? Neben hochgradig performativen Settings wie dem Parlament, dem Gerichtssaal und dem Theaterraum selbst sind hier auch weniger offenkundige Bühnen, Transitzonen und digitale Kommunikationsräume angesprochen, in denen ganz neue Fragen und Formen der (flüchtigen) Anwesenheit aufgerufen werden. Während sich viele Theater bemühen, die Krisen der Gegenwart und ihre Akteure auf ihre großen und kleinen Bühnen zu holen, wird die Straße als politische Bühne wiederentdeckt und fusioniert die Performance mit den sozialen Netzwerken. Im Hinblick auf diese Vielfalt theatralischer Räume und theatralischer Praktiken erkunden die Mosse Lectures im WS 2021/22 die Selbstinszenierung der Gegenwart.

Die Mosse Lectures werden im Senatssaal der HU, Unter den Linden 6, stattfinden. Es gelten die 2-G-Regel sowie die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. Zusätzlich werden die Lectures als Livestream hier zu verfolgen sein. Zur Teilnahme an den Präsenz-Veranstaltungen bitten wir um Anmeldung per Mailinfo@mosse-lectures.de.

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Zeit

(Dienstag) 19:15 - 20:45

HU BerlinUnter den Linden 6