Mosse-Lectures: Milo Rau

Do13Jan19:15Do20:45Mosse-Lectures: Milo RauPerformance und PolitikVeranstaltungsartVortrag

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mit Karin Krauthausen | Einführung: Ulrike Vedder

Wie wird aus einem Jesusfilm eine politische Kampagne und ein neues Distributionssystem für Tomaten und Kunst? Wie entstehen unwahrscheinliche Solidaritäten zwischen Kontinenten, zwischen Künstlerinnen und Aktivistinnen, zwischen Genres und Produktionsformen? Was ist eine symbolische Institution und wie können wir die Welt durch Kunst verändern? Im Gespräch mit Karin Krauthausen skizziert Milo Rau seine politische Ästhetik des „Globalen Realismus“.

Milo Rau ist ein schweizer Theater- und Filmregisseur sowie Dramenautor; Arbeit für zahlreiche internationale Theaterhäuser und -festivals; Vielzahl politischer Theaterprojekte, die zu Recherchen u.a. in Syrien, dem Kongo und Lateinamerika sowie zur Gründung des International Institute of Political Murder (IIPM) führten; seine mehrfach, u.a. mit dem Schweizer Filmpreis und dem Peter-Weiss-Preis, ausgezeichneten Arbeiten zeugen von einem starken Interesse an den Grenzen zwischen Dokumentarischem und Fiktionalem sowie an der Ästhetik des Reenactments.

Karin Krauthausen ist eine Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, deren Forschungsschwerpunkte auf epistemologischen und praxeologischen Fragen liegen sowie auf der interdisziplinären Auseinandersetzung mit Wahrnehmungsweisen, Realismus(-konzepten) sowie dem Strukturalismus; mehrjährige Arbeit am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und den Exzellenzclustern Bild–Wissen–Gestaltung und Matters of Activity. Image Space Material an der Humboldt-Universität zu Berlin; zuletzt erschien u.a. Make it real. Für einen strukturalen Realismus (mit Stephan Kammer, 2020).

Semesterthema: Theater der Gegenwart

Was Gegenwart ist und wie sie sich zeigt, wird spätestens seit der Wende zum 19. Jahrhundert kontrovers diskutiert. Den gemeinsamen Hintergrund moderner Gegenwartsreflexionen bildet die widersprüchliche Erfahrung einer angesichts zunehmender Beschleunigungs- und Innovationsprozesse „schrumpfenden Gegenwart“ (Hermann Lübbe), die zugleich „breiter“ (Hans Ulrich Gumbrecht) erscheint, insofern eben jene (digitalen) Innovationen, aber auch veränderte theoretische Perspektiven auf Geschichte die Simultanität von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vor Augen führen. Die Ambivalenz einer schwindenden und zugleich sich ausdehnenden Gegenwart lässt sich auch für den räumlichen Bedeutungshorizont des Gegenwartsbegriffs festhalten. Gerade die Jahre 2020 und 2021 haben deutlich gemacht, dass wir in einer Zeit des eklatanten Anwesenheitsschwundes leben, wobei sich die Präsenz von Personen, Räumen und Gegenständen scheinbar nur mit einem Klick herstellen lässt. Mehr denn je hat sich Gegenwart darüber hinaus als etwas erwiesen, das nicht einfach da ist, sondern im Rahmen medialer, politischer, kultureller und sozialer Praktiken hergestellt und organisiert wird. Die Mosse Lectures wollen jene Performanz des Gegenwärtigen, aber auch gegenwärtige Performanzen genauer in den Blick nehmen: Welches sind die Schauplätze, an denen Aktualität und Präsenz zur Aufführung gelangen? Neben hochgradig performativen Settings wie dem Parlament, dem Gerichtssaal und dem Theaterraum selbst sind hier auch weniger offenkundige Bühnen, Transitzonen und digitale Kommunikationsräume angesprochen, in denen ganz neue Fragen und Formen der (flüchtigen) Anwesenheit aufgerufen werden. Während sich viele Theater bemühen, die Krisen der Gegenwart und ihre Akteure auf ihre großen und kleinen Bühnen zu holen, wird die Straße als politische Bühne wiederentdeckt und fusioniert die Performance mit den sozialen Netzwerken. Im Hinblick auf diese Vielfalt theatralischer Räume und theatralischer Praktiken erkunden die Mosse Lectures im WS 2021/22 die Selbstinszenierung der Gegenwart.

Änderung der Teilnahmebedingungen: Eine Teilnahme an den Veranstaltungen wird aufgrund des aktuellen Pandemiegeschehens vorerst ausschließlich digital via Livestream möglich sein.

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Zeit

13. Januar 2022 19:15 - 20:45(GMT+02:00)

HU Berlin

Unter den Linden 6

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