Februar 2020

Do20Feb19:00Do21:00Nation, Klasse, MigrationEin Gespräch mit G.M. Tamás und Lea Ypi

Details

Die Idee der Staatsbürgerschaft befindet sich seit jeher in einem Missverhältnis zwischen ihrem universellen Anspruch und ihren Beschränkungen durch die realen gesellschaftlichen Bedingungen. Die jüngste Krise des globalen Kapitalismus und der Aufstieg neuer Nationalismen verschärft dieses Missverhältnis noch. Dazu kommen neue völkisch-ethnische Definitionen von Staatszugehörigkeit in Osteuropa (und aktuell in Indien) sowie der Erwerb von Staatsbürgerschaften für diejenigen, die sie es sich ökonomisch leisten können. Um diese Dynamik zu verstehen, muss der Rahmen betrachtet werden, in dem die Staatsbürgerschaft existieren muss: der Nationalstaat.

Seit dem Ausbruch der Krise 2008 wird die Frage der Nation nicht nur unter den üblichen Verdächtigen aufseiten der Rechten propagiert, sondern auch von einem Teil der Linken: von dem Teil nämlich, der den Nationalstaat als Schutz gegen das globale Kapital begreift. Er stützt seine politischen Programme weiterhin auf den Ausschluss eines bedeutenden Teils der Arbeiterklasse: Geflüchtete, Migrant*innen, Staatenlose. Auf diese Weise aber wird die Klassenfrage selbst aufgegeben. Wenn die Linke von der Arbeiterklasse spricht, aber damit eine deutsche, eine englische, eine französische etc. Klasse meint, verfehlt sie von vornherein den Begriff: Klasse und Nation, das ist vielleicht die Lektion des 20. Jahrhunderts schlechthin, gehören nicht zusammen.

Angesichts einer Verschärfung der kapitalistischen Krise, von der die Klimakrise nur der sichtbarste Ausdruck ist, bleibt eine Auseinandersetzung mit dem Komplex Staatsbürgerschaft, Migration, Nationalismus und Staat von größter Bedeutung.

Darüber wollen wir mit G.M. Tamás und Lea Ypi sprechen.

Gáspár Miklós Tamás ist ehemaliger Direktor des Instituts für Philosophie der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und hat derzeit eine Gastprofessur an der Central European University in Wien und Budapest. Er ist unter anderem Autor von Kommunismus nach 1989 (Mandelbaum 2015), On Post-Fascism (Boston Review 2000) und Telling the truth about class (Socialist Register 2006) und schreibt für zahlreiche Fachzeitschriften und Zeitungen.

Lea Ypi ist Professorin für Politische Theorie an der London School of Economics. Sie ist Autorin von Global Justice und Avantgarde Political Agency (Oxford 2012), Mitautorin von The Meaning of Partisanship (Oxford 2016) und Mitherausgeberin von Kant and Colonialism (Oxford 2014) sowie von Migration in Political Theory ( Oxford 2016). Sie schreibt regelmäßig für u.a. New Statesman, Guardian und Independent.

Eine Veranstaltung von Pavlos Roufos (Universität Kassel) und Jacob Blumenfeld (Freie Universität Berlin) in Kooperation mit Helle Panke e.V.

Die Veranstaltung ist auf Englisch mit deutscher Simultanübersetzung.

Mehr anzeigen

Helle Panke e.V.Kopenhagener Str. 9, 10437 Berlin