Februar 2021

Do18Feb16:15Do17:45Nina SchmidtKörperpolitiken und Aufklärungsmodi in deutschsprachigen feministischen Comics

Details

Teil der Ringvorlesung „Comic – Kunst – Körper. Konstruktion und Subversion von Körperbildern im Comic“ im Rahmen des Programms „Offener Hörsaal“ der Freien Universität Berlin.

Als ‚neunte Kunst‘ erfreuen sich Comics großer Beliebtheit sowie wachsender Aufmerksamkeit im kulturellen Leben und akademischen Kontext. Vertreter*innen zahlreicher Fächer und Hochschulen forschen zu diesem Bild-Text-Medium und integrieren graphische Erzählungen in ihre Lehrveranstaltungen. Die Ringvorlesung möchte die vielfältigen Aktivitäten in Kunst und Wissenschaft disziplin- und institutionsübergreifend sichtbar machen und dabei Brücken zwischen akademisch Forschenden, Studierenden und einer interessierten Öffentlichkeit schlagen.

Im Mittelpunkt der Vorlesungsreihe stehen die unterschiedlichen Körper, in denen Comics ihre Protagonist*innen visualisieren. Ob es sich dabei um Wunschbilder, Stereotype oder Karikaturen handelt, immer werden kulturelle Vor­stellungen von menschlichen, tierischen oder technischen Körpern, von Gender, Alter, ethnischer und kultureller Zugehörigkeit, sozialer Schicht und körperlichen oder geistigen Fähigkeiten vermittelt. Die Vorträge der Vorlesungsreihe diskutieren Comics als Seismograph von und Kommentar zu kulturellen Normierungen, Hoffnungen und Ängsten, die häufig über Körper­bilder ausgehandelt werden.

Die Vorlesungsreihe ist öffentlich und kostenfrei. Sie findet vor Publikum statt und wird zusätzlich gestreamt. Da die Plätze wegen der Hygieneauflagen begrenzt sind, ist für den Besuch der Präsenzveranstaltung eine einmalige Anmeldung unter comic-vl@fsgs.fu-berlin.de erforderlich.

Nina Schmidt (Germanistik, Berlin)
Der Vortrag bietet Einblicke in den stetig wachsenden Bereich explizit feministisch-aktivistischer Publikationen auf dem deutschsprachigen Comicsmarkt – thematisiert werden Comics der Mitglieder des Spring-Künstlerinnenkollektivs wie auch einer jüngeren Riege von Zeichner*innen, zu der Lisa Frühbeis, Katja Klengel, Alicia Läuger, Trouble X und Julia Zejn gehören, ebenso wie ausgewählte Übersetzungen. In einer Zeit, in der sich gesellschaftlich ein wieder wachsendes Interesse an feministischen Thematiken und der Geschichte des Kampfes um Gleichberechtigung und Gleichstellung feststellen lässt, bieten Comics niedrigschwelligen Zugang zu Historischem (Beispiele: Schrupp und Patus Kleine Geschichte des Feminismus im euro-amerikanischen Kontext, 2018; Breen und Jordahls Rebellische Frauen – Women in Battle, 2019). Darüber hinaus unterstelle ich dem Medium einen besonderen Zugang zur menschlichen Biologie und eigene Möglichkeiten, sich Themen wie Sexualität, Sexismus und Gender zu nähern (siehe auf je sehr unterschiedliche Art und Weise: Trouble X, Strömquist, Läuger). ‚Aufgeklärt‘ wird in den Comics der Gegenwart also in Bezug auf Gesellschafts- und Bewegungsgeschichte wie auch in Bezug auf den menschlichen (häufig weiblichen) Körper, und das oft von dezidiert subjektiver Warte aus. Wie genau die diversen Comics das tun und warum das Medium Comic (neben der Literatur und dem Film, und anders als diese) so geeignet ist, diese Thematiken zu bearbeiten, soll in der Vorlesung erörtert werden.

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