Nisaar Ulama

Mi26Nov18:0020:00Nisaar UlamaDas Phantasma der reinen SpracheVeranstaltungsartVortrag

Details

Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Prompting Fascism. Medien/Theorien des neuen Faschismus“

Organisiert von Katrin Köppert

Medientheater, Georgenstr. 47, Humboldt-Universität zu Berlin

In Kooperation mit DFG Forschungsnetzwerk „Gender, Medien und Affekt“

Faschisierung ist zunehmend globale Realität und auch in der medialen Auseinandersetzung allgegenwärtig. Immer öfter wird nicht mehr nur von Populismus und Autoritarismus gesprochen, sondern eben von der Bewegung und Ideologie, an dessen Ende nicht nur die Zerstörung des politischen Gegners steht, sondern – im Zuge der von rechts forcierten Leugnung von Klimawandel – des Lebens ganz generell. Mit diesem neuen Faschismus – so scheint es – sind wir aufgefordert, zu verstehen, dass der Kapitalismus vom Tod lebt und der Mensch von der Lust an seinem Untergang (Gandesha 2020). Was sind die affektiven Bedingungen und soziomedialen Verhältnisse, die Faschismus haben virulent und zum Milieu werden lassen, sodass der Eindruck entsteht, es gäbe einen Prompt, also eine Anweisung, die Welt dem Niedergang zu weihen? 

Sofern ein Prompt nicht nur eine Anweisung ist, die einer Künstlichen Intelligenz gegeben wird, um eine bestimmte Ausgabe zu erzeugen, sondern der Wunsch, etwas anzuregen, stellt sich die Frage nach dem Begehren. Unter dem Stichwort „Prompting Fascism“ widmet sich die Ringvorlesung der Frage, welche affektiven Bedingungen die Eingabe motivieren, deren Ausgabe Faschismus ist. 

Der Prompt dient dabei jedoch nicht nur als Denkfigur. Er verweist direkt darauf, inwiefern der neue Faschismus in der Logik generativer Technologien verstanden werden kann, deren Merkmal die Absenz von Menschen bzw. die Dehumanisierung durch zum Beispiel die Entwertung menschlicher Arbeit ist, insbesondere entlang der Achsen Geschlecht, Race, Klasse und Ability (Watkins 2025). KI wird daher als Medium des Faschismus im Fokus der Vorlesung stehen. Wenn KI dabei als mediales Verhältnis betrachtet wird, das den Menschen bzw. die menschliche Arbeit wie auch Klimagerechtigkeit für verzichtbar erklärt, gerät wiederum der Prompt und das sich mit dem Prompt vermittelnde Begehren nach KI und deren Ausgabe kritisch in den Blick. 

NISAAR ULAMA: DAS PHANTASMA DER REINEN SPRACHE

„Reine Sprachen“ wie in Algorithmen und Kalkülen, der Dyadik von 0 und 1 oder der Idee einer mathesis universalis bilden die Grundlagen digitaler Dispositive und damit auch künstlicher Intelligenzen. Die Formalisierung des Wissens ermöglicht Operationen, gegen die sich gesprochene Sprachen in ihrer Mehrdeutigkeit sperren. Hierzu zählen mathematische Berechnungen, aber ebenso die biopolitischen Techniken einer Regierbarkeit des Lebens und der Kalkulierbarkeit des Todes.Reinheitsphantasien sind aber auch wesentlich für die Faschismen des 20. wie 21. Jahrhunderts: Der rassifizierte Kollektivkörper soll ebenso „rein“ sein wie die Sprache – um nicht das Gebot einer Setzung des Totalen zu untergraben. Der Vortrag wird Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Phantasien analysieren.

Dr. Nisaar Ulama hat Philosophie, Politikwissenschaften und Völkerrecht in Bonn studiert und wurde an der Bauhaus-Universität Weimar promoviert. Er war Stipendiat des DFG-Graduiertenkollegs „Sichtbarkeit und Sichtbarmachung. Hybride Formen des Bildwissens“ (Potsdam/FU Berlin), sowie Mitarbeiter am Institut für Philosophie und Ästhetische Theorie der Akademie der Bildenden Künste München. Derzeit Lehrbeauftragter an der Weißensee Kunsthochschule Berlin.

Zeit

26. November 2025 18:00 - 20:00(GMT+01:00)

HU Berlin

Unter den Linden 6

HU Berlin