Pornografie und Häresie = Libertinismus, oder: Über Sex schreiben ist immer gefährlich
Details
Ein libertines Buch sei eines, »in dem Unzucht und Ungläubigkeit auf gefällige Weise verquickt« seien, schrieb der Marquis de Sade über den Roman "Therese philosophe"
Details
Ein libertines Buch sei eines, »in dem Unzucht und Ungläubigkeit auf gefällige Weise verquickt« seien, schrieb der Marquis de Sade über den Roman "Therese philosophe" des Marquis d’Argens, eines Höflings Friedrichs II. Libertine Bücher, in denen Pornographie mit Blasphemie einhergeht, Freizügigkeit mit der Leugnung Gottes und der unsterblichen Seele, gibt es seit der Renaissance, Blüte feierten sie im Frankreich der Aufklärung.
Aber in Deutschland? Was die Wissenschaft lange nicht wahrhaben wollte, weiß man heute besser: Es gibt in deutscher Sprache viele pornografische Titel, klassische deutsche Autoren haben Schriften veröffentlicht, die gleichermaßen freizügig wie blasphemisch sind: Goethe, Wieland, Heinse. Markus Bernauer erzählt im Ergebnis eines Forschungsprojekt der BBAW erstmals umfassend die Geschichte der libertinen Literatur in Deutschland im europäischen Kontext, von der Antikenbegeisterung in der italienischen Renaissance über die Hurengeschichten von Barock- und Aufklärungszeitalter, die obszönen Erziehungsromane, die antiklerikale Pornografie, das pornografische Theater, die Großstadtsatiren und die Prostitutionsführer. Nicht zu vergessen die deutschen Klassiker – und den preußischen Hof Friedrichs II., wo man hätte glauben können »die sieben Weisen Griechenlands unterhielten sich im Bordell« (Voltaire).
Mit Markus Bernauer (BBAW / TU Berlin), Andreas Rötzer (Matthes & Seitz Berlin), Akademiemitglied Dörte Schmidt (UdK Berlin) und Stefan Zweifel (Übersetzer und Kurator Zürich)
