Dezember 2019

Di10Dez19:00Real TalkPolitical Diasporas and German Foreign Cultural Policy. Shouldn't they be Allies?

Details

Podium: Najat Abdulhaq, Alexander Clarkson, Kristin Helberg u.a.
Moderation: Christin Lüttich

Regierungspolitik und zivilgesellschaftlicher Aktivismus werden in der Theorie unterschiedlichen Funktionssystemen zugerechnet. Dennoch müsste es doch in Zeiten wie unserer, wo Demokratie und Rechtsstaat global immer mehr unter Druck geraten, nahe liegen, dass demokratisch-rechtsstaatliche Regierungen wie die der Bundesrepublik sich mit zivilgesellschaftlichen demokratischen Akteur*innen, die vor Diktatur und Verfolgung geflohen sind, irgendwie verbünden. Tatsächlich jedoch ist die Beziehung politischer Diasporas zu den politischen Institutionen der Aufnahmeländer von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, und ein gemeinsames Bekenntnis zu Menschenrechten und Freiheit zählt in der politischen Wirklichkeit oftmals sehr wenig.

Dennoch weist auch die Geschichte der Bundesrepublik zahlreiche historische Beispiele auf, wo exilierte politische Gruppen in der Diaspora mit bundesdeutschen Behörden, Parteien oder Verbänden für kultur- und außenpolitische Zielsetzungen kooperiert und zusammengewirkt haben. In unserer bedrohten Gegenwart könnte es lohnenswert sein, sich diese Beispiele genauer anzusehen: welche Formen der Zusammenarbeit hat es gegeben, und welche Faktoren haben sie begünstigt oder behindert oder, im Gegenteil, eine Gegnerschaft zwischen Diaspora-Gruppen und deutschen Stellen begründet? Der Diaspora-Historiker Alexander Clarkson wird sich in einem Vortrag diesen Fragen widmen. Im Anschluss wird ein Panel mit Expert*innen und Aktivist*innen diskutieren, was sich daraus für die Gegenwart lernen lassen könnte.

Foto: In einer Vorbereitungsveranstaltung auf den Schah-Besuch im Audimax der FU Berlin ruft der persische Dozent Bahman Nirumand zu Demonstrationen auf. (c)Ludwig Binder

Real Talk ist eine neue Reihe im Grünen Salon, die den politischen Diskurs von jungen, widerständigen, demokratisch-freiheitlich gesinnten Diasporas des Mittleren Ostens in Berlin sichtbar und diskutierbar macht. Es geht um die transnationalen Wirklichkeiten und Kämpfe zwischen dem „hier“ und dem „dort“, dem “damals” und dem “jetzt”, die der Nationalismus auszuradieren sucht und die sich in den Diasporas zeigen. Die Serie gibt syrischen, afghanischen, irakischen und anderen Intellektuellen und Künstler*innen eine Plattform, um politische Themen gemeinsam mit Expert*innen in unterschiedlichen diskursiven und/oder künstlerischen Formaten zu diskutieren.

Die Serie ist eine Kooperation zwischen dem Bard College Berlin, der Volksbühne Berlin und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Vorträge, Kurzfilme, Paneldiskussionen und Performances werden die Abende prägen. Der Überlebenskampf der Zivilgesellschaften im Nahen Osten, die Rückgewinnung politischer Handlungsfähigkeit, die in den Gefängnissen Verschwundenen, die politische Dimension des (Post-)Traumatischen, die Erfahrung von Staatenlosigkeit, das Schicksal der Frauen in der Revolution – diese und andere, Diaspora und Welt verbindende Themen werden zur Diskussion stehen.

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Volksbühne BerlinLinienstraße 227, 10178 Berlin