Januar 2020

Mo06Jan12:00School of Disobedience‘A is for An Other’. Beyond Artificial Intelligences

Details

Seminar
In englischer Sprache

Voranmeldung erforderlich: Die Anmeldung für das sechsteilige Seminar (06.01., 13.01., 20.01., 03.02., 10.02., 24.02.2020) mit Maya Indira Ganesh ist seit dem 15. Dezember 2019 beendet.

Das Seminar setzt beim Unbehagen gegenüber dem einprägsamen Fantasiebegriff „KI“ an, der sich aus den Wörtern „künstlich“ und „Intelligenz“ zusammensetzt. Wenn KI künstlich ist, was bezeichnen dann die Begriffe „natürlich“ oder „echt“? 1987 wurde ein Computer als „intelligent“ erachtet, weil er den weltranglistenersten Schachspieler schlug. Heute gilt ein Computerprogramm als intelligent, wenn es in der Lage ist, ein Auto zu steuern. Intelligenz gibt ein bewegliches Ziel ab, versucht man es anhand von Aufgabenparametern wie Auffassungsgabe, Mustererkennung, Sprachverarbeitung oder Prädiktion zu definieren.

Ausgehend von Francisco Varelas These, dass die Zentralität der Kognition als Symbolmanipulation, als „Repräsentation durch den eigenständigen Geist einer präexistenten, abgetrennten Welt“ fehlerhaft ist, wird sich das Seminar mit nicht-menschlichen (tierischen, mineralischen, siliziumbasierten, pflanzenbasierten, synthetischen) und menschlichen Verstrickungen befassen und aufzeigen, inwiefern diese die dualistische Ontologie der Trennung von Natur und Kultur, Körper und Geist, Emotion und Verstand in Frage stellen. Sind wir in der Lage, uns andere Maßstäbe als den der „Intelligenz“, etwas anderes als die nicht-menschliche Intelligenz, die Intelligenz ohne Gehirn oder digitale Verarbeitung vorzustellen? Welche Bedeutung haben diese Kategorien für unsere Überlegungen dazu, was es heißt, Mensch zu sein?

Eine große Bandbreite nicht-amerikanischer/eurozentristischer Wissensordnungen und Phänomenologien stellt seit langem Praktiken und Metaphern für eine Existenz wider diesen Dualismus bereit. Das Seminar lädt die Teilnehmenden dazu ein, sich mit einer Vielzahl solcher Texte, Kunstwerke, Designprojekte und Filme zu beschäftigen. Außerdem können die Teilnehmenden Beiträge zu einem visuellen und textuellen Wörterbuch der Technolgie und Gesellschaft beizusteuern, das unseren Glauben an das, was Arturo Escobar als grundlegend für die moderne onto-epistemische, rationalistische Ordnung bezeichnet – das Individuum, die Wissenschaft, die Wirtschaft und die Realität –, auf die Probe stellt.

Maya Indira Ganesh ist Technikforscherin und Autorin mit einem hybriden Tätigkeitsportfolio, das Kulturorganisationen, die Wissenschaftswelt und NGOs umfasst. Sie hält zwei Masterabschlüsse, und ihre fortlaufende Forschungspromotion untersucht die Konstruktion von Maschinenautonomie durch das Wechselspiel computerbasierter Technologien mit kulturellen Narrativen, KI und die sich wandelnde Rolle, die der Mensch dabei spielt. Im Mai 2019 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin der Artificial Intelligence and Media Philosophy research group an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe und erhielt den einjährigen Grant „Künstliche Intelligenz – Ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen“ der Volkswagenstiftung. Maya promoviert zu einem Zeitpunkt, da sie bereits 15 Jahre lang als Forscherin und Autorin zur Schnittstelle von Menschenrechten, Gender und Technologie mit Tactical Tech, dem Citizen Lab an der University of Toronto, mit UNICEF Indien und dem APC Women’s Rights Program gearbeitet hat. Während dieser Zeit forschte sie zu den Themen Gender, Feminismus und Technologie, Big Data und Diskriminierung, digitale Sicherheit und Privatssphäre beim Schutz der Menschenrechte sowie zu visuellen Kulturen des digitalen Aktivismus.

Foto: A top-down aerial view of an old dumping ground for household waste. Weymouth, United Kingdom. Credit: Louis Reed on Unsplash

School of Disobedience
Die School of Disobedience ist ein experimentelles Format, das neue Wege der unabhängigen Wissensproduktion im 21. Jahrhundert testet. Sie ist aus dem Geist der Stadt Berlin geboren, die ein Bild für diese Zeit und diese Welt ist, heterogen, international, politisiert. Ziel der School of Disobedience ist es, dieses Potential der Stadt zu bündeln und für die Arbeit an einer gemeinsamen Zukunft fruchtbar zu machen. In der Verbindung von humanistischen und technologischen Perspektiven gilt es, konkrete Projekte anzustoßen, die einen progressiven Gesellschaftsbegriff verwirklichen und unseren Gerechtigkeitssinn schärfen.

Seit Frühling 2018 veranstaltet die School of Disobedience im Grünen Salon einer Reihe von Veranstaltungen, welche Fragen von Form und Inhalt para-akademischen Arbeitens testen. In dieser Spielzeit wird es Seminar-Formate geben, die sich an alle richten, die an der Verbindung von akademischem und aktivistischem Denken und Arbeiten interessiert sind, eine Werkstatt für Technologen wie Theoretiker, ein Makerspace für Menschen mit Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen, von Jura zu Coding, von NGO zu Universität. Jeden Monat führt ein anderer wissenschaftlicher Experte ein Seminar über sein Forschungsgebiet durch und lädt Menschen aller Altersgruppen, Berufe und Erfahrungen als Teilnehmer*innen ein. Außerdem gibt es monatliche öffentliche Abendveranstaltungen, die dem Publikum einen Einblick in das jeweilige Thema geben sollen.

Die School of Disobedience wird realisiert in Zusammenarbeit mit der Nemetschek Stiftung.

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