Februar 2020

Mo03Feb15:00School of DisobedienceTech for Disobedience

Details

Seminar
In englischer Sprache

Mit Julia Kloiber & Elisa Lindinger

Voranmeldung erforderlich: Das sechsteilige Seminar (03.02., 10.02., 24.02., 02.03., 09.03., 16.03.20, jeweils 15:00-17:00) richtet sich an alle Interessierten, unabhängig von Altersgruppe, Beruf oder Studienhintergrund. Da die Kapazität leider begrenzt ist, füllen Sie bitte bis spätestens 17.01.20 das Formular zur Bewerbung aus. Weitere Informationen zum Teilnahmeverfahren erhalten Interessierte im Anschluss direkt per Email.

Viele gängige Technologie-Narrative suggerieren, dass die Menschheit von digitalen Systemen beherrscht wird. Systeme, die nicht den Menschen dienen sondern die Demokratien zerstören, die Menschenrechte aushebeln und die Bürger*innen in hörige Konsument*innen verwandeln. Wir werden fortlaufend mit Hilfe digitaler Technologien überwacht und unsere Daten und social graphs werden an die Höchstbietenden verkauft. Was geschieht, wenn zentralisierte Systeme unsere Handlungen beherrschen oder wenn autokratische Regime mit tech governance verschmelzen? Wie kann die Bevölkerung unabhängig bleiben und in der Sphäre des Digitalen aktiv werden? Welche Werkzeuge gibt es, um Gemeinschaften zu verwalten und sie miteinander zu verbinden?

Sei es in Hong Kong, im Sudan oder in Venezuela – Bewegungen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt beschäftigen sich seit einiger Zeit mit diesen Fragen. Sie experimentieren mit digitalen Werkzeugen des zivilen Ungehorsams und entwickeln Strategien, die ihnen dabei helfen, gegen die Unterdrückung anzukämpfen und ihre Freiheit wiederzuerlangen.

Das Ziel dieses Kurses ist, einen Überblick über vergangene und gegenwärtige Beispiele des Einsatzes moderner Technologien für den zivilen Ungehorsam zu gewinnen. Wir werden internationale Gastredner*innen einladen, um einen Einblick in ihre Praxis zu erhalten. In der zweiten Hälfte dieses Kurses werden wir spekulative Zukünfte entwerfen sowie neue Werkzeuge und Konzepte entwickeln.

Julia Kloiber ist Mitbegründerin des Prototype Fund – ein Open-Source-Finanzierungs-Programm für soziale, digitale Innovationen – und des Superrr Lab – eine Berliner Organisation, die sich der Erforschung sowie der Unterstützung derartiger Initiativen und der Förderung einer ethischen Nutzung moderner Technologien widmet. Julia Kloiber entwickelt Strategien und Konzepte für die digitale Sphäre, sie erkundet Zukunftsnarrative und hilft dabei, aufkommende Führungspersönlichkeiten sowie Gemeinschaften handlungsfähig zu machen. Sie beschäftigt sich in erster Linie mit dem freien Zugang zu Informationen und mit den ethischen Dimensionen von Technologien. In den vergangenen 10 Jahren hat sie mit Mozilla, Ashoka und der Open Knowledge Foundation zusammengearbeitet.

Elisa Lindinger arbeitet an der Schnittstelle von Technik, Kunst und den Geisteswissenschaften. Sie ist Mitbegründerin des Superrr Lab und beschäftigt sich im Zuge ihrer derzeitigen Forschungsaktivitäten mit offenen digitalen Infrastrukturen. Sie fokussiert dabei auf die Frage, wie die in Tech-Communities verbreiteten sozialen Praktiken, Normen und Werte die Ausgestaltung dieser Infrastrukturen beeinflussen.

School of Disobedience
Die School of Disobedience ist ein experimentelles Format, das neue Wege der unabhängigen Wissensproduktion im 21. Jahrhundert testet. Sie ist aus dem Geist der Stadt Berlin geboren, die ein Bild für diese Zeit und diese Welt ist, heterogen, international, politisiert. Ziel der School of Disobedience ist es, dieses Potential der Stadt zu bündeln und für die Arbeit an einer gemeinsamen Zukunft fruchtbar zu machen. In der Verbindung von humanistischen und technologischen Perspektiven gilt es, konkrete Projekte anzustoßen, die einen progressiven Gesellschaftsbegriff verwirklichen und unseren Gerechtigkeitssinn schärfen.

Seit Frühling 2018 veranstaltet die School of Disobedience im Grünen Salon einer Reihe von Veranstaltungen, welche Fragen von Form und Inhalt para-akademischen Arbeitens testen. In dieser Spielzeit wird es Seminar-Formate geben, die sich an alle richten, die an der Verbindung von akademischem und aktivistischem Denken und Arbeiten interessiert sind, eine Werkstatt für Technologen wie Theoretiker, ein Makerspace für Menschen mit Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen, von Jura zu Coding, von NGO zu Universität. Jeden Monat führt ein anderer wissenschaftlicher Experte ein Seminar über sein Forschungsgebiet durch und lädt Menschen aller Altersgruppen, Berufe und Erfahrungen als Teilnehmer*innen ein. Außerdem gibt es monatliche öffentliche Abendveranstaltungen, die dem Publikum einen Einblick in das jeweilige Thema geben sollen.

Die School of Disobedience wird realisiert in Zusammenarbeit mit der Nemetschek Stiftung.

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Volksbühne BerlinLinienstraße 227, 10178 Berlin