Dezember 2019

Mo09Dez12:00School of DisobedienceCryptoeconomics and Climate Change. Speculative Design for the Aerocene

Details

Voranmeldung erforderlich: Das sechsteilige Seminar (25.11., 02.12., 09.12.2019 + 09.03., 16.03., 23.03.2020) mit Erik Bordeleau richtet sich an alle Interessierten, unabhängig von Altersgruppe, Beruf oder Studienhintergrund. Da die Kapazität leider begrenzt ist, richten Sie Ihren Teilnahmewunsch bitte bis spätestens 08. November 2019 an join@schoolofdisobedience.net. Weitere Informationen zum Teilnahmeverfahren erhalten Interessierte im Anschluss direkt per Email.

Die umweltzerstörerischen Tendenzen des kapitalistischen Systems sind auf unzählige Weise beschrieben und analysiert worden. Die zentrale Herausforderung unserer Zeit besteht darin, diesen zerstörerischen Prozess umzukehren. Wie lässt sich in die Commons integrieren, was von der herrschenden Wirtschaftsordnung systematisch externalisiert und veräußert wurde? Wie lässt sich das Verhältnis von qualitativen und quantitativen Aspekten des Lebens durch ein breiteres Spektrum an Werten und lebensspendenden Praktiken neu austarieren? Können die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Blockchain-basierten Kryptoökonomie einen Beitrag zu dieser Herausforderung leisten?

Dies ist ein kosmo-finanzieller Vorschlag
Eine spekulative Vorhersage des inneren und unterirdischen Wetters
Um die Zeit freizusetzen, die von dem Griff der Wirtschaft verschont geblieben ist
Um neue Überzeugungen in die Welt zu setzen
Um die Gegenwart durch das Aktivieren einer Reihe spekulativer Gesten wirklich zu bewohnen.

Dieses Seminar will zum kontinuierlichen Paradigmenwechsel unserer Generation beitragen, indem es die Wertvorstellungen des herrschenden Wirtschaftssystems hinterfragt und mit neuen Methoden zur Ökologisierung unserer techno-sozialen, organisatorischen und finanziellen Vorstellungen experimentiert. Es entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Aerocene Foundation, einer von dem Künstler Tomás Saraceno gegründeten interdisziplinären Künstler*innengemeinschaft. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, ein neuartiges atmosphärisches Empfinden (aesthesis) zu generieren, das die Luft durch den Einsatz verschiedener Mittel als lebendiges Medium erfahrbar macht. Somit soll ein erneuertes Bild der Aerocommons aktiviert und Weltungspraktiken (worlding practices) entwickelt werden, die besser auf das thermodynamische (Un-)Gleichgewicht der Erde abgestimmt sind.

Im Vordergrund des Seminars stehen gemeinsame Gespräche über zeitgenössische Grundlagentexte zu ökologischen und kryptoökonomischen Themengebieten (wobei in erster Linie affektive und ökologische Abstimmungsprozesse (affective and ecological attunement), Regierungsontologien, Wissensinfrastrukturen für aufkeimendes kollektives Handeln usw. behandelt werden). Thema von im Kontext des Seminars stattfinden Design-Sessions ist darüber hinaus das Streben der Aerocene-Gemeinschaft nach Selbstorganisation und ihr Anliegen, sich den Fragen eines dezentralisierten Werteaustauschs, den Verstrickungen der Kunst-, Luft- und Wirtschaftsströme sowie den globalen Herausforderungen der Mobilität zu stellen.

Erik Bordeleau ist Wissenschaftler am SenseLab (Concorida University Montréal), arbeitet als flüchtender Planer bei der Economic Space Agency (ECSA) und ist Gastwissenschaftler am Center for Arts, Business & Culture an der Stockholm School of Economics. Mit Saloranta & De Vylder entwickelt er The Sphere, eine p2p Gemeinschaftsplattform zur Selbstorgansisation in den performativen Künsten. Er lebt in Berlin und erfreut sich von Zeit zu Zeit des diskreten Charms des Prekariats.

Foto: Becoming Aerosolar, Free Flight Schönefelde, Germany, 2015. As the first official Free Flight, two Aerocene sculptures made a more than 500 kilometer long journey in spring 2015, from Germany to Poland over a period of 5 hours. Like all Aerocene flights, the journey was achieved without helium, fossil fuels, solar panels or burners. Journeys in free flight represent the long term common imaginary of the Aerocene community in concrete terms, going beyond symbolic and political borders, re-examining freedom of movement between countries, continents, planets and universes. Photography by Studio Tomás Saraceno, 2015, licensed under CC by Aerocene Foundation 4.0

School of Disobedience
Die School of Disobedience ist ein experimentelles Format, das neue Wege der unabhängigen Wissensproduktion im 21. Jahrhundert testet. Sie ist aus dem Geist der Stadt Berlin geboren, die ein Bild für diese Zeit und diese Welt ist, heterogen, international, politisiert. Ziel der School of Disobedience ist es, dieses Potential der Stadt zu bündeln und für die Arbeit an einer gemeinsamen Zukunft fruchtbar zu machen. In der Verbindung von humanistischen und technologischen Perspektiven gilt es, konkrete Projekte anzustoßen, die einen progressiven Gesellschaftsbegriff verwirklichen und unseren Gerechtigkeitssinn schärfen.

Seit Frühling 2018 veranstaltet die School of Disobedience im Grünen Salon einer Reihe von Veranstaltungen, welche Fragen von Form und Inhalt para-akademischen Arbeitens testen. In dieser Spielzeit wird es Seminar-Formate geben, die sich an alle richten, die an der Verbindung von akademischem und aktivistischem Denken und Arbeiten interessiert sind, eine Werkstatt für Technologen wie Theoretiker, ein Makerspace für Menschen mit Erfahrungen in den verschiedensten Bereichen, von Jura zu Coding, von NGO zu Universität. Jeden Monat führt ein anderer wissenschaftlicher Experte ein Seminar über sein Forschungsgebiet durch und lädt Menschen aller Altersgruppen, Berufe und Erfahrungen als Teilnehmer*innen ein. Außerdem gibt es monatliche öffentliche Abendveranstaltungen, die dem Publikum einen Einblick in das jeweilige Thema geben sollen.

Die School of Disobedience wird realisiert in Zusammenarbeit mit der Nemetschek Stiftung.

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