Oktober 2019

Fr11Okt(Okt 11)10:30Sa12(Okt 12)18:00Skandal in der Literatur und den KünstenJahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule

Details

Was darf Literatur, was nicht? Die diesjährige Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien widmet sich dem Thema Skandal und fragt nach ‘skandalösen’ Poetiken – also danach, wann Grenzüberschreitungen in der Literatur und Kunst einen Skandal auslösen und wie Skandale auf das gesellschaftliche Umfeld und auf kulturelle Rahmenerzählungen zurückwirken.

Im interdisziplinären Austausch und mit internationalen Gästen fokussiert die zweisprachige Tagung den Skandal unter Berücksichtigung von literaturwissenschaftlichen, affekttheoretischen, politischen und kunsthistorischen Perspektiven: Während das Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit immer schon skandalös zu sein scheint, können politische und historische Anspielungen instrumentalisiert werden, um Skandale zu provozieren oder reale Skandale zu vertuschen. Affekttheoretische Ansätze zeigen Kunstwerk und künstlerisches Schaffen als affektpolitische Momente, in denen Intentionen bei der Entstehung eines Skandals sichtbar werden.

Plagiatsdebatten und Fragen des UrheberInnenrechts präsentieren eine Dimension von AutorInnenschaft, die häufig mit dem Skandal verknüpft ist und immer auch die Lizenzen von Literatur thematisiert. Explizite Sex-Darstellungen, Thematisierungen nicht-konventioneller sexueller Praktiken, das Einbringen von Körperflüssigkeiten oder Fäkalien führen ebenso zu Skandalen wie die Verwischung von Moralvorstellungen, ermöglichen aber auch neue Identitätsentwürfe, die Gattungs- und Geschlechterklassifikationen in Frage stellen. Schließlich wird jedoch auch der Skandal zu einer Frage des Privilegs, wenn sich zeigt, dass nicht alle Stimmen autorisiert sind, Skandale zu provozieren.

PROGRAMM
FREITAG, 11. Oktober

10:30 –11:00 Grußworte: Jutta Müller-Tamm, Susanne Frank, Anna Beckmann und Camilo Del Valle

PANEL 1: Affekt und Ästhetik
Moderation: Susanne Frank

11:00–12:00 KEYNOTE Gesine Drews-Sylla (Tübingen): Was macht die Provokation zum Skandal? Eskalationsstrategien in der russischen Literatur und Kunst zwischen Ästhetisierung und Politisierung
Response: Susanne Frank

12:00 –12:45 Jürgen Brokoff (Berlin):
‘Ich wäre gerne noch viel skanda-löser’. Skandalproduktion und kulturelle Öffentlichkeit in den 1990er Jahren

12:45 –14:00 MITTAGSPAUSE

14:00–14:45 Dorothea Trotter (FSGS): ‘Providing screen time is not a screening process’: Memoir and Scandal in the 21st Century

14:45–15:30 Alexander Kappe(FSGS): ‘Skandal’ als literarisches Supplement. Zum Verhältnis von Autor*inneninszenierungund Literaturontologie am Beispiel skandalisierender Auto-fiktion

15:30–16:00 Uhr KAFFEEPAUSE

PANEL 2: Körper und Queerness
Moderation: Nina Tolksdorf

16:00–16:45 Christopher Laferl (Salzburg): Skandalös? Zur Darstellung männlicher Homosexualität im brasilianischen Naturalismus

16:45–17:30 Camilo Del Valle (FSGS): ‘la travestida, la mamarracha, la maricona’. Fernando Vallejos Poetik der Beleidigung

17:30–18:15 Véronique Sina (Köln): ‘Of What Use is a Bunch?’ Zum skandalösen Potenzial der Comicform

18:15–19:30 SEKT UND BREZELN

19:30–21:00 WTF! – Das queere und feministische Potenzial des Skandals

Podiumsdiskussion mit Reyhan ahin (aka Lady Bitch Ray, Wissenschaftlerin und Künstlerin), Patsy l’Amour laLove (Geschlechterforscherin und Polittunte) und Jule Govrin (Philosophin und FSGS-Alumna) Moderatorin: Luce deLire

21:00 ABENDEMPFANG

SAMSTAG, 12. Oktober

PANEL 3: Lizenzen und Autor*innenschaft
Moderation: Camilo Del Valle

10:00–11:00 KEYNOTE Martina Wagner-Egelhaaf (Münster): Autorschaft als Skandal. Der Fall Rushdie
Response: Anne Eusterschulte

11:00 –11:45 Johannes Franzen (Bonn): Skandalgedichte. Zur Gattungstheorie literarischer Provokationen

11:45 –12:15 KAFFEEPAUSE

12:15–13:30 ‘Autorinnen und Skandal’: Gespräch mit Anne Fleig, Jennifer Gasch und Martina Wagner-Egelhaaf

13:30–14:30 MITTAGSPAUSE

PANEL 4: Politik des Skandals
Moderation: Jürgen Brokoff

14:30–15:15 Sidonie Kellerer (Köln): Vom Einzug des Skandals in die Philosophie

15:15–16:00 Vivien Bruns (FSGS): Zwischen Fiktion und Wahrheit – Entskandalisierungsstrategien in der Hesperis des Basinio da Parma (1425–1457)

16:00–16:30 KAFFEEPAUSE

16:30–17:15 Hanan Natour(FSGS): Entskandalisierung des Verbrechens: Lesarten des Skandals in Hassouna Mosbahis ikaya tunisya (‘A Tunisian Tale’)

17:15–18:00 Robert Sollich (Berlin): Tannhäuser und der Stellvertreterkrieg von Bayreuth. Ein Opernskandal zwischen Ästhetik und Politik

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Zeit

11 (Freitag) 10:30 - 12 (Samstag) 18:00

Ort

ICI Berlin

Christinenstr. 18-19

ICI BerlinChristinenstr. 18-19