Februar 2021

Mo15Feb19:30Stimmen der Kritik #3Karl Wolfgang Flender, Judith Schalansky und Anja Utler

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Nach dem Fall der Berliner Mauer war lange die Auffassung dominant, dass wir in einer „breiten“ oder „endlosen“ Gegenwart leben und quasi ein „Ende der Geschichte“ erreicht sei. In dieser Zeitkonstellation, in der der Gestus des Triumphs bald einem allgemeinen Gefühl von Alternativlosigkeit wich, schien die Idee der Zukunft zunehmend an Bedeutung zu verlieren. Kritiker wie Mark Fisher diagnostizierten ein Schwinden des utopischen Impulses und eine allmähliche Aufkündigung der Zukunft („the slow cancellation of the future“). Die aktuellen Debatten um Ökologie, den Klimawandel und das Anthropozän laufen dieser Gegenwartsfixierung jedoch zuwider. So haben Protestbewegungen wie Fridays for Future mit dem Thema der Generationalität auch die Frage der Zukunft wieder ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Zugleich werden klassische Zeitvorstellungen durch die Aufmerksamkeit auf geologische und klimatische Transformationsprozesse oder das gegenwärtige Massenaussterben nachhaltig irritiert.

Die dritte Veranstaltung der Reihe „Stimmen der Kritik“ widmet sich den hier skizzierten Zeitverhältnissen und ihrer Relevanz für die Literatur. Eingeladen sind Karl Wolfgang Flender, Judith Schalansky und Anja Utler, die aus ihren Werken lesen und mit Simon Schleusener über Literatur, Zeitlichkeit und Ökologie diskutieren werden.

Karl Wolfgang Flender
Karl Wolfgang Flender ist Autor der Romane „Greenwash, Inc.“ (2015) und „Helden der Nacht“ (2018), erschienen im DuMont Buchverlag. Derzeit promoviert er an der Freien Universität Berlin zu digitaler Literatur.

Judith Schalansky
Judith Schalansky, 1980 in Greifswald geboren, studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign. Zu ihren Büchern zählen neben dem „Atlas der abgelegenen Inseln“ (2009) die Romane „Blau steht dir nicht. Matrosenroman“ (2008) und „Der Hals der Giraffe. Bildungsroman“ (2011) sowie zuletzt das „Verzeichnis einiger Verluste“ (2018). Sie ist darüber hinaus Herausgeberin der Reihe Naturkunden und lebt als Gestalterin und freie Schriftstellerin in Berlin. Ihr Werk ist in mehr als 20 Sprachen übersetzt und wurde vielfach ausgezeichnet.

Anja Utler
Anja Utler, *1973 in Schwandorf, lebt nach Jahren in Wien, Regensburg und Prag derzeit in Leipzig. Sie arbeitet als Dichterin und Übersetzerin und hat zu Fragen der Lyriktheorie publiziert. Zuletzt erschien der poetische Monolog „kommen sehen. Lobgesang“ in der Edition Korrespondenzen, Wien (2020). Anja Utler wurde für ihre Arbeit vielfach ausgezeichnet, zuletzt war sie Thomas-Kling-Poetikdozentin an der Universität Bonn, 2020 bekam sie als erste Preisträgerin den Lyrikpreis der Südpfalz zugesprochen.

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