Januar 2021

So24Jan12:00So14:00StreitraumCorona und die Kultur

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Carolin Emcke im Gespräch mit Stephan Behrmann (Geschäftsführer Bundesverband Freie Darstellende Künste / Sprecher Allianz der Freien Künste), Thomas Kufus (Filmproduzent und Geschäftsführer der zero one film) und Anna Prohaska (Sopranistin).
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Was bedeutet die Pandemie für die einzigartige Landschaft der Kunst und Kultur in Deutschland? Sind Musik und Theater, Film und Tanz wirklich so wenig system-relevant, so unverzichtbar wie die ersten politischen Reaktionen es suggerierten? Welche ökonomischen, welche logistischen, welche sozialen Auswirkungen haben die Beschränkungen für freie Ensemble oder Künstler_innen? Wie wird sich langfristig die Kultur-Szene verändern unter dem ökonomischen Druck und möglicherweise auch der eingeschränkten Mobilität, die auch die nächsten Jahre dominieren werden? Was sollte sich auch ändern, was muss unbedingt bleiben?

Streitraum 2020/21: Die andere Schock-Therapie – welche Gesellschaft wollen wir »nach« COVID-19 sein?

Die Krise der Pandemie wirkt wie ein Kontrastmittel, das in die Gesellschaft injiziert wurde und sichtbar macht, woran wir leiden, was uns schwächt oder schädigt, aber auch, was unverzichtbar ist, was besser umverteilt, stärker unterstützt oder ausgebaut gehört. Schon vor dem Ausbruch von Corona gab es nicht nur eine soziale Frage, sondern soziale Fragen im Plural: Wie lässt sich die soziale Ungleichheit bekämpfen? Wie die Ausgrenzung ökonomisch und kulturell Marginalisierter gemeinsam verhandeln? Wie wird der Wert der menschlichen Arbeit bemessen im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung? Wie lässt sich die Aushöhlung der öffentlichen Infrastruktur stoppen, die Ökonomisierung aller Lebensbereiche? Wie kann eine ökologische Transformation der Landwirtschaft, der Verkehrspolitik, der Wirtschaft aussehen, die die Kosten gerecht verteilt? Politische Lethargie oder Widerwille haben bislang verhindert, dass diese Fragen beantwortet wurden. Aber einige Parameter des politischen Diskurses haben sich gerade verändert, das neoliberale Dogma der Deregulierung gilt nicht mehr ungebrochen. Wie wichtig soziale Wohlfahrtssysteme sind, wie unverzichtbar Investitionen im Gesundheitswesen und ordentliche Gehälter, aber auch wie antastbar die Schuldenbremse ist, all das lässt sich nicht mehr leugnen.

Wie lässt sich verhindern, dass all diese Lehren sofort wieder vergessen werden, sobald die Krise »vorbei« ist, welche politischen, sozialen Utopien braucht es jetzt, wie soll eine andere Normalität gedacht werden?

Der Streitraum ist eine monatliche Diskussionsveranstaltung an der Schaubühne und wird seit 2004 von der Publizistin und Autorin Carolin Emcke moderiert und kuratiert. Eingeladen werden Wissenschaftler_innen, Autor_innen, Politiker_innen, Künstler_innen und andere Personen des öffentlichen Lebens. Der Streitraum behandelt in jeder Spielzeit ein anderes Thema. Alle neun Ausgaben werden auch live im Internet übertragen.

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