Januar 2020

Mi15Jan18:30Susanne LüdemannDie Perlentaucherin. Geschichte schreiben nach dem Traditionsbruch

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Der Perlentaucher ist der Titel des dritten Teils von Hannah Arendts 1968 veröffentlichtem Essay über Walter Benjamin. Der Zusammenhang verdeutlicht, dass der Perlentaucher hier Benjamin selbst ist. Die Perlen stehen für aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgebrochene Zitate (»Denkbruchstücke«) und den neuen Umgang mit der Vergangenheit, den Benjamin gefunden habe, sein Verfahren, Zitate so anzuordnen, dass sie sich wechselseitig illuminieren. Unabhängig davon, ob ihre Benjamin-Interpretation zutrifft oder nicht, scheint Arendt in ihrem Essay jedoch zumindest teilweise auch ihre eigene Weise zu beschreiben, nach dem Traditionsbruch des 20. Jahrhunderts »neue Wege im Umgang mit der Vergangenheit zu suchen«. Ihre Bemühungen darum gehen bis auf Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft zurück, wo sie zum ersten Mal Unbehagen an geschichtswissenschaftlichen Methoden und gängigen Formen der Geschichtsschreibung formuliert. Der Vortrag rekonstruiert diese Bemühungen und fragt nach der Aktualität von Arendts Geschichtsdenken heute.

Susanne Lüdemann ist seit 2012 Professorin für Neuere deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der LMU München. Zuvor war sie u.a. Professorin für Germanic Studies an der University of Chicago. An der Universität Konstanz war sie von 2006–2008 Professorin für Neuere deutsche Literatur und Kulturtheorie. Von 2000–2006 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im ZfL-Projekt Poetologie der Körperschaften.
Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen: Formen philologischen Wissens, Recht und Literatur, Theorien der Moderne und die Grenzgebiete zwischen politischer Theorie, Literatur und Psychoanalyse.

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