Wissenspaarungen

Do07Dez(Dez 7)9:30Fr08(Dez 8)18:00WissenspaarungenVerhandlungen von Wissen in vormodernen KulturenVeranstaltungsartTagung

Wissenspaarungen Verhandlungen von Wissen in vormodernen Kulturen

Details

Tagung des romanistischen und philosophiegeschichtlichen SFB-Teilprojekts B08 „Sibyllen & Propheten. Figural gebundene Wissenskonstellationen in der Vormoderne“ (Leitung: Anne Eusterschulte und Ulrike Schneider)

 
Mit dem Thema ‚Wissenspaarungen‘ zielt die Tagung auf Verhandlungsformen von Wissen in vormodernen Kulturen, die sich anhand von spezifischen Figurenkonstellationen beobachten lassen. So werden etwa seit der Spätantike antik-pagane Sibyllen in unterschiedlichen Medien immer wieder in ‚Paarung‘ mit biblischen Prophetengestalten dargestellt (in Bildwerken, Texten, enzyklopädischen Schriften etc.) und damit Wissenstraditionen miteinander in Kontakt gesetzt.

Uns geht es, weit über dieses Beispiel hinaus, um unterschiedliche Gelehrtenkonstellationen bzw. Dialogsituationen und deren Inszenierungsweisen. In vormodernen Kulturen sind solche ‚Wissenspaarungen‘ in vielen Ausprägungen und Kontexten zu beobachten. An ihnen lassen sich strukturelle Bedingungen von Wissenstransfer ebenso in den Blick nehmen wie die Rolle von Materialien, Medien oder kulturhistorischen Praktiken. Die Tagung untersucht die Verhandlung von Wissen anhand solcher epistemischer Mikrokonstellationen. Der Schwerpunkt liegt auf ‚Wissenspaarungen‘ in literarischen wie theologischen, künstlerischen wie liturgischen Kontexten vormoderner Kulturen.

Wir fragen nach reziproken Bedeutungsverschiebungen, die sich über die Konfrontation, die Komplementarität oder den Dialog in solchen Wissenspaarungen artikulieren. Wie wird in diesen Begegnungen Wissen transferiert, neu konstelliert und damit verändert? Welche medienspezifischen oder intermedialen Akzentsetzungen, ästhetischen Verfahren und Deutungsangebote spielen eine Rolle? Welche Bedeutung kommt dem ‚Ort‘ des Zusammentreffens von ‚Wissensgestalten‘ zu, wenn wir etwa an Darstellungen in Kirchen, auf Portalen, in illuminierten Handschriften, im geistlichen Spiel oder in musikalischen Darbietungen denken? Welche epistemischen Aufladungen, Zuschreibungen oder transkulturellen Aneignungen werden an Figurenprogrammen erkennbar? Die interdisziplinäre Tagung widmet sich den vielfältigen Erscheinungsweisen und Inszenierungen von ‚Wissenspaarungen‘, um anhand der jeweiligen Figurenprogramme Aufschluss über wechselseitige semantische Besetzungen, die Verflechtung von Temporalstrukturen wie epistemische Dynamiken zu gewinnen, die das Aufeinandertreffen von Wissensbeständen auslöst.

Programm

Donnerstag, 7. Dezember

09:30 Uhr
Begrüßung und Kaffee

10:00–10:30 Uhr
Anne Eusterschulte/Ulrike Schneider (Berlin):
Zum Konzept der ‚Wissenspaarung‘Moderation: Claudia Reufer

10:30–11:30 Uhr
Victoria von Flemming (Braunschweig/Berlin):
Kippbewegungen – Demokrit und Heraklit

11:30–12:30 Uhr
Inga Mai Groote (Zürich):
Pythagoras und Jubal, David und Orpheus, Pindar und Luther: musikalisch-epistemische Wissenspaarungen

12:30–14:00 Uhr Lunch Moderation: Hannes Puchta

14:00–15:00 Uhr
Susanne Gödde (Berlin):
Gaia und Apollon: weibliches und männliches Wissen in der Geschichte des delphischen Orakels

15:00–16:00 Uhr
Anne Eusterschulte/Ulrike Schneider (Berlin):
Die Wissenspaarung Sibyllen und Propheten. Hermeneutische Mikrokonstellationen

16:00–16:30 Uhr KaffeeModeration: Hanna Zoe Trauer

16:30–17:30 Uhr
Elke Koch (Berlin):
Ungewöhnliche Begegnungen unter dem Kreuz – die Propheten in den ‚Bozner Marienklagen‘ und das Wissen von der Passion

17:30–18:30 Uhr
Daniel Zimmermann (Berlin):
Wissenspaarung – Wissensspaltung. Christine de Pizan und Dame Sebile


Freitag, 8. Dezember

Moderation: Carsten Michael Flaig

10:00–11:00 Uhr
Fosca Mariani Zini (Tours):
Cicero und Boethius: logische Wahlverwandtschaften

11:00–12:00 Uhr
Sara Taglialatela (Kopenhagen):
Giordano Bruno: the Many Facets of a Philosophical Mercury in Dialogue with his Contemporaries

12:00–13:00 Uhr LunchModeration: Hanna Zoe Trauer

13:00–14:00 Uhr
Şirin Dadaş (Berlin):
Zwei Figuren – (k)ein Paar. Geschlechterstreit und Konzeptionen von Liebe in Louise Labés ‚Débat de Folie et d’Amour‘ (1555)

14:00–15:00 Uhr
Hole Rößler (Wolfenbüttel):
Paarbildungen: Autorisierungsstrategien des Wissens im frühneuzeitlichen Gelehrtenporträt

15:00–15:30 Uhr Kaffee

15:30–16:30 Uhr
Hana Gründler (Florenz/Berlin):
Ein ungewöhnlicher ‚Pas de deux‘: Jan Švankmajers ‚Dialog‘ mit Leonardo da Vinci

16:30–18:00 Uhr
Abschlussdiskussion

Zeit & Ort

07.12.2023 – 08.12.2023

Freie Universität Berlin
Villa des SFB Episteme in Bewegung
Schwendenerstraße 8
14195 Berlin-Dahlem

Weitere Informationen

Um Anmeldung wird gebeten: sirin.dadas@fu-berlin.de

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Zeit

7 (Donnerstag) 9:30 - 8 (Freitag) 18:00(GMT+01:00)

Freie Universität BerlinHabelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin