Zeit geht umher in Kleidern aus Glück und Unglück
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Johannes Bobrowski (geboren 1917 in Tilsit, gestorben 1965 in Ost- Berlin) ist neben Peter Huchel der vielleicht bis heute bekannteste Dichter der DDR, obwohl er
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Johannes Bobrowski (geboren 1917 in Tilsit, gestorben 1965 in Ost- Berlin) ist neben Peter Huchel der vielleicht bis heute bekannteste Dichter der DDR, obwohl er dem eigenen Verständnis nach immer ein Schriftsteller des gesamten Deutschlands war.
Seine Bücher erschienen stets nahezu zeitgleich dies- und jenseits der Mauer, in West- und Ostausgaben. Er debütierte spät, 1961, mit dem Gedichtband Sarmatische Zeit; da war er Mitte vierzig und hatte nur noch knapp vier Jahre zu leben. Es folgte der Band Schattenland Ströme, einige Erzählungen und zwei Romane, darunter sein vielleicht populärstes Werk Levins Mühle. Die Sammlung Wetterzeichen, Bobrowskis lyrisches Vermächtnis, erschien ein Jahr nach seinem Tod.
Johannes Bobrowski war ein hochgebildeter Dichter, von Kindheit an vertraut mit Bibel und Gesangbuch. Früh ging er durch die Oden-Schule von Hölderlin und Klopstock. Das Thema der russischen Landschaft (so sagt er es selbst) und die deutsche Schuld im europäischen Osten wurden nach dem Krieg zur Initialzelle seines Schreibens. Die ostpreußisch-litauische Heimat, die Ebenen zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, der Ilmensee, die Memel, die durch Tilsit fließt – all das ist allgegenwärtig in seinen Versen. Er findet einen eigenen lyrischen Ton dafür, der manchmal archaisch anmutet, zurückgeht in Kindheit und mythische Vorzeit und in der deutschen Nachkriegsliteratur einzigartig geblieben ist.
Bobrowski beschreibt das mit Schauern ausfahrende Jahr, die Flößer mit ihren Stangen und die Frauen der Nehrungsfischer, dort, „wo das Haff um den Strand lag“, und kehrt zurück in die Zeit, „als die Tage alle vollhingen noch von erhellten Kinderspielen“ und überall die „kleinen Schatten aus Liedern und Tänzen“ waren. Mit Bobrowski folgen die Leser:innen der Hufspur des Elchs oder der „Torkelspur“ des Dachses, blinzeln in Fischdunst, Krähenlicht und Torfrauch und werden überrascht vom sprechenden Detail, das unvermittelt im Vers auftaucht – wie etwa dem Nest eines Stichlings „über dem Hechtmaul der Tiefe“ oder dem geäderten Stein, den ein Schwalbenflügel streift.
Eine gemeinsame Veranstaltung mit der Internationalen Johannes-Bobrowski-Gesellschaft
In Lesung & Gespräch Kerstin Preiwuß, Tom Schulz, Ingo Schulze
Moderation Maren Jäger
- Eintritt:8/5 €
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