avldigital.de: Recherchieren, Publizieren und Vernetzen in der Komparatistik

 

von Jakob Jung

Die Komparatistik überschreitet Grenzen – sprachlich, formal, kulturell, medial, disziplinär. Genauso unbegrenzt ist ihr Bedarf an Forschungsliteratur und Informationen. Diesem widmet sich der Fachinformationsdienst Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (FID AVL) mit dem Online-Portal avldigital.de.

Ein Fachinformationsdienst? Was ist das?

Das DFG-Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ dient der Versorgung mit Literatur, Informationen und Infrastrukturen, die der Forschung zu Gute kommen sollen und eng mit der wissenschaftlichen Community der einzelnen Fächer abgestimmt sind. Dazu gehört auch die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Der FID AVL ist seit Mitte 2016 an der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg in Frankfurt am Main beheimatet. Unterstützt von einem siebenköpfigen wissenschaftlichen Beirat entwickelt er für die komparatistische Community das Portal avldigital.de. Dieses ist seit Juni 2017 in einer beta-Version verfügbar und besteht aus den drei Modulen Recherchieren, Publizieren und Vernetzen.

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„Von A wie Aphorismus bis Z wie Zettel.“ Das Graduiertenkolleg 2190 untersucht Kleinformen in Literatur, Wissenschaft und Populärkultur

von Florenz Gilly, Florian Glück und Maren Jäger

Ob Anekdote oder Abstract, Emblem oder Emoji, Feuilleton oder Feed, Telegramm oder Tweet – kleine Formen bevölkern seit jeher die Literatur und prägen unsere Lebenswelt. Wir schreiben WhatsApp-Nachrichten, lesen Posts und schauen YouTube-Clips, ‚posten‘ in Blogs, Foren und Social Media; Pecha Kucha, science-gif, -tweet oder –slam, Wissenschaftscomic oder –pod-cast drängen sich zwischen traditionelle akademische Großformen wie die Vorlesung oder den Fachaufsatz.

Die Maxime der Zeit- und Zeichenökonomie sowie der fundamentale Medienwandel der Jahrtausendwende haben das Gattungsgefüge nicht unberührt gelassen, man denke an Hybridformen wie E-mail-, Twitter– oder facebook-Roman, kurze digitale Literatur wie Tiny Tales, ein Experiment im Tweet-Format von 140 Zeichen, die Cell Phone Novel, das Handy-Haiku, QR-Code-Lyrik oder die sog. Flash Fiction. Auch (audio-)visuelle Mikroformate stehen hoch im Kurs, etwa gif-Videos, die Plattform vimeo oder die populäre App Snapchat. Wenn es um die (durch Social Media und die zahllosen Offerten der Unterhaltungsindustrie) vielfach gebundene und fragmentierte Aufmerksamkeit eines unter chronischem Zeitmangel leidenden Rezipienten zu konkurrieren gilt, erweist sich das jeweils Kleinere, Mobilere, Schnellere als konkurrenzfähiger. Damit scheint die Maxime der Zeit- und Zeichen-Ökonomie den Lektürevorlieben entgegenzukommen.

Was aber, wenn das, was klein und harmlos daherkommt, eine Rezeptionsdauer beansprucht, die in keinem Verhältnis zur absoluten Länge (bzw. Kürze) eines Textes steht (von der Dauer der Verarbeitung gar nicht erst zu reden)? Was, wenn kleine Formen ein verstörendes Spiel mit Lesegewohnheiten und -erwartungen initiieren, indem sie irritieren, provozieren, Komplexität, Leerstellen und Mehrdeutigkeiten aufweisen, (Kontext-)Wissen, Ergänzungen, Nach-Denken, kurz: einen intensiven Modus der Lektüre, der Mit- und Weiterarbeit einfordern, der den Kurzschluss zwischen Kürze und Einfachheit Lügen straft? Wenn sie proliferieren, sich zu großen Formen zusammenrotten oder sich in solche hineinstehlen – oder wenn sie unter dem Deckmäntelchen ihrer Kleinheit und Marginalität einen Angriff auf Wissens-, Gattungs- und Mediensysteme anzetteln, sich als spitz, stachelig – oder als kleines Geschoss zu erkennen geben: „Die kleine Form gestattet ein direktes Sichengagieren im Kampf“, so Bertolt Brecht auf dem IV. Schriftstellerkongress im Januar 1956.

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