Der brasilianische Literatur- und Kulturtheoretiker Roberto Schwarz ist einer der bedeutendsten Intellektuellen der Gegenwart. Seine Arbeiten umkreisen das Verhältnis von Gesellschaft und Literatur, Ökonomie und Kultur, Kapitalismus und Weltgeschichte. Im englischsprachigen Raum breit rezipiert, ist er in Deutschland nahezu unbekannt.

Ein Plädoyer für die Entdeckung seines Werks anlässlich seines jüngsten Interviews

von Laura Gagliardi

Perry Anderson nannte den 1938 in Wien geborenen Roberto Schwarz einmal „the finest dialectical critic anywhere in the world since Adorno“. Der so von Anderson Gerühmte wurde kürzlich von der brasilianischen Zeitung Folha de São Paulo interviewt. Anlass war der fünfzigste Jahrestag der Erstveröffentlichung seines berühmten Essays „Culture and Politics in Brazil, 1964–1969“. Das Interview ist zugleich die erste öffentliche Äußerung von Schwarz nach der Wahl Jair Bolsonaros zum Präsidenten im vergangenen Jahr. In aller Deutlichkeit verwies Schwarz bei dieser Gelegenheit auf die Parallelen zwischen dem aktuellen Aufstieg der extremen Rechten und der Geschichte der brasilianischen Militärdiktatur, die das Land zwischen 1964 und 1985 erdulden musste. Im Interview wurde auch Schwarz’ neues Buch Seja como for [Was auch immer] (Editora 34 Verlag) angekündigt, das im Dezember 2019 erscheint und eine Auswahl von Schriften, Berichten und Dokumenten aus den letzten fünfzig Jahren versammelt.

© Editora 34

1964–2019: Politische Erfahrung im Leben von Roberto Schwarz

Nachdem Schwarz 1958 sein Studium der Ciências Sociais (Politikwissenschaft, Anthropologie und Soziologie) an der Universidade de São Paulo absolviert hatte, ging er für einen zweijährigen Forschungsaufenthalt unter der Betreuung von René Wellek an die Yale University, New Haven. Die Rückkehr nach São Paulo ermöglichte es ihm, eine Professur für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universidade de São Paulo anzunehmen. Doch nach dem gesetzgebenden Erlass Nr. 5 (AI-5) von 1968, der die Verfolgung Oppositioneller während der Militärdiktatur in Brasilien offiziell legitimierte und ein Ausmaß von Staatsterror ermöglichte, das in der brasilianischen Geschichte seinesgleichen sucht, musste Schwarz ins Exil gehen. Er ging nach Frankreich, wo er zwischen 1969 bis 1976 an der Sorbonne in Paris studierte und mit einem Doktorat abschloss. Sein Essay „Culture and Politics in Brazil, 1964–1969“ erschien zunächst in der Zeitschrift Les Temps Modernes (Juli 1970), später dann auch im Band O pai de família (Der Hausvater) von 1977, im selben Jahr wie die Druckfassung seiner Dissertation Ao vencedor as batatas (Für den Sieger die Kartoffeln). 1978 kehrte Schwarz aus dem Exil zurück nach Brasilien und nahm eine Professur für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universidade de Campinas (Unicamp) an. 1999 und 2000 war Schwarz Gastprofessor für Lateinamerikanische Studien an der Harvard University.

Die Parallelen zwischen dem Putsch von 1964 und der demokratischen Wahl Bolsonaros versucht Schwarz in dem eingangs erwähnten Interview mit einem Neologismus zu fassen: Mit dem Begriff „Neoatraso“ (Neorückstand) beschreibt Schwarz die Haltung der brasilianischen Elite, welche ihren Glauben an Fortschritt mit archaischsten Sehnsüchten verflicht. Unter Bolsonaro übernehme die brasilianische Wirtschaft die modernsten Technologien und Arbeitsorganisationen in reinster neoliberaler Form. Zugleich insistiere man auf der Beibehaltung regressiver sozialer Institutionen, die auf moralisierenden und militarisierenden Denkweisen gegründet seien. Während es in der Vergangenheit die Regel gewesen sei, dass jede Seite des politischen Spektrums eigene Vorstellungen zur Gestaltung der Zukunft eines modernen Brasilien formuliert habe, scheint es Schwarz, das man heute rechts wie links die Hoffnung auf einen tatsächlichen Fortschritt des Landes schlicht aufgegeben habe. Man könne derzeit eine „konservative Modernisierung“ Brasiliens beobachten, in der man die wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die Arbeitsbedingungen nach den Modellen post-industrieller Länder verändere, ohne zugleich die sozialen Institutionen entsprechend anzupassen. So gedeihe im Schatten des Neoliberalen eben jener neoatraso.

Die Analyse von Schwarz zeugt von seiner globalen kritischen Perspektive auf den Kapitalismus und dessen Auswirkung auf Kultur und Gesellschaft. Das ist nicht belanglos in einem Land wie Brasilien, das laut dem Bericht zur weltweiten Ungleichheit den höchsten Grad an sozialer Ungleichheit überhaupt aufweist. An einer Stelle des Interviews verweist Schwarz auf das Vakuum, das der politische und wirtschaftliche Staatsbankrott erzeuge, durch den wiederum der neoatraso möglich werde. Schwarz sagt wörtlich – in meiner Übersetzung:

In beiden Fällen [der Putsch 1964 und die Wahl Bolsonaros 2018] wurde ein für die Produktionsfaktoren günstiges Programm ins Leben gerufen, um den regressiven Bodensatz der brasilianischen Gesellschaft, die mit dem liberalen Kurs unzufrieden ist, wieder nutzbar zu machen. Indem die erfahrenen Akteure des Kapitals den antimodernen Sehnsüchten eine Hauptrolle auf politischer Bühne gegeben haben, die jenen das Gefühl gab, endlich entschädigt zu werden, haben sie mit einer zynischen und riskanten Berechnung agiert, die nicht neu ist. Das klassische Beispiel ist die obskurantistische Wende in Deutschland der 1930er Jahre: Als das deutsche Großbürgertum den Nationalsozialismus akzeptiert und zu seiner Sache gemacht hatte, war ein Prozess in Gang gesetzt, der nicht mehr zu kontrollieren war und in dem schließlich nicht mehr zu erkennen war, wer wen verschlang.

aus dem Interview in Folha de São Paulo vom 15. Nov. 2019

In seiner Analyse, die sich durch eine umfassende Wahrnehmung der Weltgeschichte von eingeschliffenen Deutungen von Zentrum und Peripherie frei zu machen vermag, erlaubt Schwarz auch einen komplexeren Blick auf die Frage des „Nationalen“. So gelingt es ihm auch, die Wechselwirkung zwischen Literatur und Gesellschaft in kultur- und sozialkritischer Pointierung offenzulegen. Der Ausgangspunkt seines Essays „Culture and Politics in Brazil, 1964–1969“ war dementsprechend die Feststellung, dass, obwohl in Brasilien eine rechte Militärdiktatur herrsche, doch eine relative kulturelle Hegemonie der Linken das Land kennzeichne. Im Interview ergänzt Schwarz, dass die vermeintliche kulturelle Freiheit Brasiliens in der brutalen Klassenstruktur des Landes stets an ihre Grenzen gestoßen sei. Schwarz erklärt dies damit, dass das Ziel der privilegierten Klassenfraktionen mit wenigen Ausnahmen auch im kulturellen Feld stets war, sich in die vorherrschenden Trends der reichsten Länder einzugliedern. Aus seiner Sicht aber dürfe den Kulturproduzenten die Klassenfrage Brasiliens nicht gleichgültig sein, da sich diese in der Kultur austrage. Genauer: Es sei unmöglich, Kultur zu schaffen, ohne dass sich ihre Entstehungsbedingungen unbewusst in ihrer Form kristallisierten.

Misplaced Ideas und weitere Werke

Misplaced Ideas“, das erste Kapitel der bereits erwähnten Dissertation Ao vencedor as batatas, gewann schnell weltweite Anerkennung. In diesem Kapitel beschäftigte sich Schwarz mit Fragen der Darstellung, Entstehung und Entwicklung brasilianischer Literatur und fragte, ob wirtschaftlicher Fortschritt künstlerische Originalität bestimmen könne. In seinen literaturkritischen Arbeiten, insbesondere in seinem Hauptwerk über Machado de Assis mit dem Titel Um mestre na periferia do Capitalismo (1990) (in der englischsprachigen Übersetzung: A Master on the Periphery of Capitalism, Duke University Press 2001) befasst sich Schwarz mit ähnlichen Fragen: Wie konnte ein solches Meisterwerk der Weltliteratur wie die Nachträglichen Memoiren von Brás Cubas (1881) des afrobrasilianischen Autors Machado de Assis (1839–1908) in den drastischen sozialen und kulturellen Bedingungen der brasilianischen Sklavenhaltergesellschaft des 19. Jahrhunderts entstehen? Seine originelle Antwort und Deutung von Machado de Assis gründet Schwarz auf einen Zugriff, der die dialektische Wechselwirkung zwischen sozialen und literarischen Formen in den Vordergrund stellt. Auf der Basis eines interdisziplinären, in der Denktradition des Marxismus und der Kritischen Theorie verankerten Umgangs mit dem literarischen Text erschließt Schwarz den Aufnahmeprozess von bürgerlich-liberalen Prinzipen im außereuropäischen historisch-kulturellen Kontext von Brasilien.

Der auffallende Widerspruch in der brasilianischen Geschichte des 19. Jahrhunderts zwischen Sklavenhaltergesellschaft und liberaler Wirtschaft wird von Schwarz in seinen Studien über Machado de Assis nicht als ein rückständiges, sondern als ein durchaus modernes Phänomen angesehen. Die im Vergleich zu den europäischen Ländern rückständige soziale und wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens wird nicht als etwas dargestellt, was nachgeholt werden müsste. Im Gegenteil: Ungleichheit gehöre vielmehr zur Eigendynamik des Kapitals. Und mehr noch: Sie stelle kein Hindernis dar für die Entstehung von hochwertigen kulturellen und literarischen Werken, die sich mitunter von diesen Widersprüchen nähren können. Das Bewusstsein dieses Zusammenspiels von scheinbar entgegengesetzten extremen Formen der kapitalistischen Gesellschaft liegt dem historisch-ästhetischen Zugriff Schwarz’ zugrunde, denn die kapitalistische Gesellschaft funktioniere unterschiedlich je nachdem, wie sich ihre lokalen Abstufungen in den globalen Prozess einfügen ließen.

Individuelle und kollektive Geschichtserfahrung

Die intellektuelle Geografie von Roberto Schwarz umfasste Leben wie Werk. Seine Eltern beschrieb er einmal als „linke Intellektuelle, Atheisten und Juden“ (Siehe „Na periferia do capitalismo“ [An der Peripherie des Kapitalismus], in Martinha versus Lucrécia, S. 280). Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1939 floh die Familie. Der Zielort war São Paulo, eine Stadt in Brasilien, die aufgrund ihrer Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts Immigranten aus allen Regionen der Welt anzog. In vieler Hinsicht war für die Geflüchteten jüdischer Herkunft das Leben unter der Diktatur des Estado Novo von Getúlio Vargas (1937–1945) eine existenzielle Herausforderung. Roberto Schwarz’ Vater, der in Wien eine Karriere als Schriftsteller und Professor verfolgt hatte, starb, als der Sohn erst fünfzehn Jahre alt war. Die Erziehung von Roberto Schwarz war auch von den zahlreichen jüdischen Intellektuellen beeinflusst, die sich in São Paulo niedergelassen hatten. Unter ihnen war die zentrale Figur sicher der Literaturwissenschaftler Anatol Rosenfeld (Berlin, 1912 – São Paulo, 1973), der das Geistesleben Brasiliens prägend mitgestaltet hat.

Während seines Studiums an der Fakultät für Geisteswissenschaften an der Universidade de São Paulo, die angesichts ihrer Gründungsgeschichte durch Geistesgrößen wie Claude Lévi-Strauss und Roger Bastide von einer Aura des Progressiven umgegeben war, entwickelte Schwarz sein Interesse für Literatur. Die Seminare von Antonio Candido (1918–2017), der 1959 mit seiner Studie A formação da literatura brasileira [Über die Entstehung der brasilianischen Literatur] die brasilianische Literaturwissenschaft revolutioniert hatte, übten eine große Anziehungskraft auf Schwarz aus. Candido stellte die Literaturgeschichte Brasiliens in seinem bahnbrechenden Buch nicht etwa chronologisch dar, sondern hatte ihre „entscheidenden Momente“ untersucht: Zum ersten Mal wurde die brasilianische Literatur nicht wertend als „mindere“ Literatur beurteilt, sondern als Ausdruck einer bestimmten sozialen und kulturellen Konstellation. Schwarz begeisterte sich für die materialistische Herangehensweise, mit der Candido die Entstehung des literarischen Systems in Brasilien herausgearbeitet hatte. Candidos Vorgehen setzte ein ausgeprägtes Verständnis für die innere Verbindung zwischen ästhetischer Schöpfung und historischer Wahrnehmung voraus.

Schwarz führte Candidos literaturwissenschaftliche Verfahren weiter. Candido habe sich, so Schwarz’ Deutung, die Vielfalt der de-zentralisierten kulturellen Erfahrungen Brasiliens aneignen und sie epistemologisch produktiv machen können. Candido habe gezeigt, dass die „Allgemeinheit“ der untersuchten Kategorien, die aus den hegemonialen europäischen Ländern importiert wurden, in anderen Kontexten nicht direkt anwendbar waren und daher nicht so „allgemein“ seien, wie oft behauptet (siehe „Sobre Adorno“, in Martinha versus Lucrécia, 2012). Auf diese Weise leitete Antonio Candido den Dekolonisierungsprozess der Geistes- und Literaturwissenschaft in Brasilien ein.

Die Jugendjahre von Roberto Schwarz waren von Aufbruchsstimmung geprägt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Comisión Económica para América Latina y Caribe (CEPAL) (Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik) von den Vereinten Nationen gegründet. Ziel der Kommission war es, die Länder Lateinamerikas in der globalen Arbeitsteilung neu zu positionieren. Den Residuen der kolonialen Vergangenheit sollte durch strategische politische und wirtschaftliche Maßnahmen entgegengewirkt werden, um so einen vergleichbaren Entwicklungsgrad (gemessen an dem Stand der reichsten Länder) zu erreichen. In diesem Zusammenhang wurde das Vokabular der lateinamerikanischen Wirtschafts- und Geisteswissenschaften durch den Begriff „Unterentwicklung“ dominiert, der eine Binarität von ‚Kolonie und ‚Metropole‘ durch eine erneuerte Binarität von ‚Zentrum‘ und ‚Peripherie‘ ersetzte.

Der Anfang der 1960er Jahre in Brasilien war von den Hoffnungen gekennzeichnet, die Viele in die Regierung von João Goulart gesetzt hatten (später wurden deren progressive Maßnahmen vom Militärputsch 1964 schlagartig zerstört.) 1958 sammelte sich eine Gruppe von Studierenden und jungen Professoren an der Universidade de São Paulo, unter ihnen Schwarz, um Das Kapital von Karl Marx zu lesen. Ziel dieses fachübergreifenden Lesekreises war eine Kritik am dogmatischen Marxismus und am Deutungsmonopol der Kommunistischen Partei Brasiliens. Die Offenlegung des stalinistischen Terrors ab 1956 führte zu einer Neuformierung der progressiven Linken. Im Vergleich zur früheren Marx-Rezeption in Brasilien erschloss sich der Lesekreises Das Kapital in der Originalsprache. Das war möglich, weil neben Schwarz auch der Ökonom Paul Singer und der Soziologe Michael Löwy die Originalfassung lesen konnten.

In seinem Essay „Um seminário de Marx“ [Ein Lesekreis über Marx] (enthalten in: Sequências brasileiras [Brasilianischen Sequenzen], São Paulo: Companhia das Letras, 1999) erklärte Schwarz im Rückblick auf den Lesekreis, inwiefern dort das close reading von Das Kapital mit den Ansprüchen wissenschaftlichen Arbeitens an der Universidade de São Paulo verbunden war. Es ging den Beteiligten darum, das Movens der Geschichte aus kritisch-dialektischer Perspektive zu betrachten. Die vermeintlich „unterentwickelte“, „rückständige“ Stellung Brasiliens erachtete der Lesekreis gerade nicht als „naturwüchsigen“, „essentiellen“ Zustand. War die Versklavung von Menschen in der kolonialen Vergangenheit Hand in Hand mit den modernsten Formen der kapitalistischen Gesellschaft in Europa vonstatten gegangen, so wurde im 20. Jahrhundert die Beibehaltung von brutalen Ausbeutungsstrategien und der Bündelung des Reichtums für einige Wenige zur Dynamik des brasilianischen Systems.

Aus einer solchen Perspektive lassen sich binäre Vorstellung kolonialer und zeitgenössischer Geschichte nicht aufrechterhalten. Die Peripherie ist kein defizitäres Umfeld mehr, das sich durch seinen vermeintlichen Mangel im Vergleich zum Zentrum unterscheiden ließe. Der Unterschied besteht eher in ihren verschiedenen Funktionen im globalen kapitalistischen System. Dieser Betrachtung weist Brasilien und anderen ehemaligen Kolonien eine neue, entscheidende Rolle in der Weltgeschichte zu, nämlich die einer Triebkraft des Kapitals. Bemerkenswert ist, dass der negative Aspekt von Mangel und Unterschied nicht unvermittelt positiv aufgewertet wird. Weder Schwarz noch den Teilnehmern des Lesekreises ging es um eine bloße Umkehrung der Vorzeichen. Vielmehr wurde die strukturelle Verbindung zwischen den ärmsten sozialen Kategorien und den entwickeltesten Konfigurationen des Reichtums aufgezeigt, die der herrschenden Klasse über die Grenzen des Nationalen hinaus erlaubte, verschiedene Ausbeutungsformen zum Schutz ihres Eigentums zu mobilisieren. Das kulturelle Feld ist in dieser Hinsicht viel mehr von den unterschiedlichen Vorzeichen der Machtverhältnisse und des Klassenkampfs geprägt, als die essentialistische Vorstellung einer vermeintlichen ‚peripheren Bedingung‘ es beschreibt.

Während die Schriften von Roberto Schwarz bis heute noch nicht ins Deutsche übersetzt worden sind, ist sein Werk im englischsprachigen Raum breit rezipiert worden. „Misplaced Ideas“ ist einer seiner wichtigsten Beiträge für eine globale Literaturwissenschaft und wurde 1992 zusammen mit weiteren Schriften im Sammelband Misplaced Ideas: Essays on Brazilian Culture (London: Verso) veröffentlicht. Weitere Arbeiten wurden in Two Girls: and Other Essays (London: Verso, 2012) zusammengestellt. In der traditionsreichen New Left Review sind weitere Arbeiten von Schwarz zugänglich gemacht worden. Auf Portugiesisch veröffentlichte Schwarz folgende Werke: A sereia e o desconfiado [Die Sirene und der Misstrauische] (1965), O pai de família e outros estudos [Der Hausvater und andere Studien] (1975), Que horas são? [Wie spät ist es?] (1987), Duas meninas [Zwei Mädchen] (1997), Sequências brasileiras [Brasilianische Sequenzen] (1999), Martinha versus Lucrécia (2012). Seine literarischen Arbeiten umfassen zwei Gedichtbände: Pássaro na gaveta [Vögel in der Schublade] (1959) Corações veteranos [Altgediente Herzen] (1974) und das Theaterstück A lata de lixo da história [Mülleimer der Geschichte] (1977). Schwarz übertrug zudem zum als erster die Theaterstücke von Bertolt Brecht und Texte von Theodor W. Adorno ins Portugiesische und vermittelte in Brasilien zudem die Studien von Dolf Oehler und Robert Kurz.

Es ist an der Zeit, dass auch in Deutschland die globale Bedeutung des Werks von Roberto Schwarz Anerkennung findet – zumal dieses Oeuvre auch als ein Beitrag zu wesentlichen Herausforderungen unserer Gegenwart zu verstehen ist.

Laura Rivas Gagliardi wurde in Brasilien geboren, studierte französische und portugiesische Literaturwissenschaft an der Universidade de São Paulo, absolvierte den Master Angewandte Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin (FUB) und promovierte an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literarischen Studien (FUB) über Literaturgeschichte und Ideologie im 19. Jahrhundert.

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