avldigital.de: Recherchieren, Publizieren und Vernetzen in der Komparatistik

 

von Jakob Jung

Die Komparatistik überschreitet Grenzen – sprachlich, formal, kulturell, medial, disziplinär. Genauso unbegrenzt ist ihr Bedarf an Forschungsliteratur und Informationen. Diesem widmet sich der Fachinformationsdienst Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft (FID AVL) mit dem Online-Portal avldigital.de.

Ein Fachinformationsdienst? Was ist das?

Das DFG-Förderprogramm „Fachinformationsdienste für die Wissenschaft“ dient der Versorgung mit Literatur, Informationen und Infrastrukturen, die der Forschung zu Gute kommen sollen und eng mit der wissenschaftlichen Community der einzelnen Fächer abgestimmt sind. Dazu gehört auch die Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft. Der FID AVL ist seit Mitte 2016 an der Universitätsbibliothek J. C. Senckenberg in Frankfurt am Main beheimatet. Unterstützt von einem siebenköpfigen wissenschaftlichen Beirat entwickelt er für die komparatistische Community das Portal avldigital.de. Dieses ist seit Juni 2017 in einer beta-Version verfügbar und besteht aus den drei Modulen Recherchieren, Publizieren und Vernetzen.

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„Von A wie Aphorismus bis Z wie Zettel.“ Das Graduiertenkolleg 2190 untersucht Kleinformen in Literatur, Wissenschaft und Populärkultur

von Florenz Gilly, Florian Glück und Maren Jäger

Ob Anekdote oder Abstract, Emblem oder Emoji, Feuilleton oder Feed, Telegramm oder Tweet – kleine Formen bevölkern seit jeher die Literatur und prägen unsere Lebenswelt. Wir schreiben WhatsApp-Nachrichten, lesen Posts und schauen YouTube-Clips, ‚posten‘ in Blogs, Foren und Social Media; Pecha Kucha, science-gif, -tweet oder –slam, Wissenschaftscomic oder –pod-cast drängen sich zwischen traditionelle akademische Großformen wie die Vorlesung oder den Fachaufsatz.

Die Maxime der Zeit- und Zeichenökonomie sowie der fundamentale Medienwandel der Jahrtausendwende haben das Gattungsgefüge nicht unberührt gelassen, man denke an Hybridformen wie E-mail-, Twitter– oder facebook-Roman, kurze digitale Literatur wie Tiny Tales, ein Experiment im Tweet-Format von 140 Zeichen, die Cell Phone Novel, das Handy-Haiku, QR-Code-Lyrik oder die sog. Flash Fiction. Auch (audio-)visuelle Mikroformate stehen hoch im Kurs, etwa gif-Videos, die Plattform vimeo oder die populäre App Snapchat. Wenn es um die (durch Social Media und die zahllosen Offerten der Unterhaltungsindustrie) vielfach gebundene und fragmentierte Aufmerksamkeit eines unter chronischem Zeitmangel leidenden Rezipienten zu konkurrieren gilt, erweist sich das jeweils Kleinere, Mobilere, Schnellere als konkurrenzfähiger. Damit scheint die Maxime der Zeit- und Zeichen-Ökonomie den Lektürevorlieben entgegenzukommen.

Was aber, wenn das, was klein und harmlos daherkommt, eine Rezeptionsdauer beansprucht, die in keinem Verhältnis zur absoluten Länge (bzw. Kürze) eines Textes steht (von der Dauer der Verarbeitung gar nicht erst zu reden)? Was, wenn kleine Formen ein verstörendes Spiel mit Lesegewohnheiten und -erwartungen initiieren, indem sie irritieren, provozieren, Komplexität, Leerstellen und Mehrdeutigkeiten aufweisen, (Kontext-)Wissen, Ergänzungen, Nach-Denken, kurz: einen intensiven Modus der Lektüre, der Mit- und Weiterarbeit einfordern, der den Kurzschluss zwischen Kürze und Einfachheit Lügen straft? Wenn sie proliferieren, sich zu großen Formen zusammenrotten oder sich in solche hineinstehlen – oder wenn sie unter dem Deckmäntelchen ihrer Kleinheit und Marginalität einen Angriff auf Wissens-, Gattungs- und Mediensysteme anzetteln, sich als spitz, stachelig – oder als kleines Geschoss zu erkennen geben: „Die kleine Form gestattet ein direktes Sichengagieren im Kampf“, so Bertolt Brecht auf dem IV. Schriftstellerkongress im Januar 1956.

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Picturing Victory from Brooklyn to Buchenwald: Leela Corman on history, fiction, and putting faces to facts

Illustratorin: Leela Corman

Leela Corman is an illustrator, cartoonist and teacher at the College of Fine Arts/University of Florida and the SequentialArtists’ Workshop. Besides numerous shorter pieces, she has published the graphic novels Subway Series (Alternative Books) and Unterzakhn (Schocken/Pantheon), which won the Prix Millepages in 2013. Corman recently visited Berlin to research her latest graphic novel, Victory Parade, which is set during the Second World War in both Brooklyn and Buchenwald.

Interview by stef lenk

What prompted you to set your new book during the Holocaust?

I had gone through a long period of my life being obsessed with the Holocaust. My family were survivors who were not in camps – they were on the run, in ghettos and in the woods. And then I thought I was done with it. It had to do with a really specific and intense vision I had had of dying in Auschwitz, which went on for a long time, and my husband had to shake me out of it – it was head-down-to-the-ground relentless. This vision came to me as I was reading Ludwig Bemelmans’s The Best Of Times, his chapter about Dachau, in which he wrote that he could not draw in that place.

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„Wir kommen ja nicht aus der Walachei“: Ein Gespräch mit dem Schriftsteller Jan Koneffke über Rumänien

Rumänien ist „Schwerpunktland“ auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse (15.-18. März). Jan Koneffke wird dort seinen neuen Gedichtband Als sei es dein vorstellen und über Rumänien als Ort der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur sprechen. Am kommenden Montag, den 5. März, wird er außerdem im Literaturforum im Brecht-Haus in Berlin bei der Veranstaltung Rumänien entdecken zu Gast sein. Ana-Maria Schlupp hat ihn in Bukarest getroffen.

Interview von  Ana-Maria Schlupp
Bukarester Kontraste. © Ana-Maria Schlupp

A.-M. S. – Herr Koneffke, Sie haben eine Romantrilogie geschrieben, die von der Familie Kannmacher aus Pommern handelt. Der Protagonist der ersten beiden Romane hört von der Bediensteten der Familie die Redewendung „Wir kommen ja nicht aus der Walachei“. Diese macht ihn neugierig, sodass er sich auf die Reise dorthin begibt. Warum die Walachei? Warum Rumänien?

J. K. – Der kleine Felix Kannmacher fragt nach der Bedeutung dieser Redewendung, das tun Kinder ja, nach Dingen zu fragen, die für sie nicht selbstverständlich sind. Doch die Bedienstete weiß gar nicht, was die Walachei ist, wo sie liegt. Je weiter weg etwas Fremdes ist, je unbekannter eine Kultur, desto besser funktioniert sie als Objekt der Ablehnung, der Ressentiments oder Stereotype. Aber das Kind will eine Antwort, fragt weiter. Der Postkutscher kann ihm schließlich eine geographisch genaue Auskunft geben. Für die Imaginationskraft des Kindes bleibt aber noch genug Unbekanntes übrig, um weiterhin erfahren zu wollen – er-fahren im wahrsten Sinne des Wortes – was diese Walachei nun eigentlich ist.

Auch bei der Bezeichnung „Schwarzes Meer“ fragt sich Felix, der ja an der Ostsee lebt, warum dieses Meer nun schwarz sein soll, ob es aus blubberndem Pech besteht usw. Die Walachei wird zu einem aus seinem Namen hervorgehenden Ort der Neugierde. Kinder richten sich nach Worten, durch die sie einen unmittelbaren Bezug zur Welt herstellen. Das wollte ich erzählen. Doch das Motiv der Walachei verband sich schon früh mit einer kompositorischen Absicht: Ich wusste bereits, dass es einen zweiten Band geben wird und Felix Kannmacher als Emigrant ausgerechnet Rumänien und die Walachei erreichen wird, also dort ankommt, wohin ihn in der Kindheit schon seine Imagination geschickt hatte.

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Neue Impressionen: Maximilian Gilleßen und Anton Stuckardt sprechen über ihr Verlagsprojekt ‚zero sharp’

Maximilian Gilleßen ist Übersetzer und zusammen mit dem Buchgestalter Anton Stuckardt Begründer des Berliner Verlags zero sharp. Ihr Interesse gilt AutorInnen der französischen Avantgarde. So sind bisher Bände von Raymond Roussel, Jean-Pierre Brisset, Gaston de Pawlowski und René Daumal erschienen. Seit Juli 2017 ist Maximilian Gilleßen Einstein-Projektstipendiat an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien, wo er an einer Dissertation über Raymond Roussel arbeitet.

Interview von Chris Fenwick

Wie würden Sie das Korpus von Texten beschreiben, die bei zero sharp erscheinen? Was fanden Sie so spannend an diesen Texten, dass Sie die schwierige Arbeit zahlreicher Übersetzungen  unternehmen wollten?

Maximilian Gilleßen: Die von uns bisher verlegten Autoren gehören ganz verschiedenen Generationen an: Brisset wuchs in der Julimonarchie auf und erlebte noch den Ersten Weltkrieg, aber sein prägendes Erlebnis war die Schlacht von Sedan; Roussel und de Pawlowski gehörten der Belle Époque an; Daumal war zwölf Jahre jünger als André Breton. Auch die Ziele, die sie verfolgten, ihre Absichten, wenn man so will, waren sehr verschieden: Brisset wollte den amphibischen Ursprung der Sprache aufzeigen, Roussel erstrebte einen literarischen Ruhm nach dem Vorbild von Victor Hugo, de Pawlowski verstand sich als Zeitkritiker, der Satire mit spekulativer Science-Fiction verband, und Daumal betrachtete das Schreiben als eine Tätigkeit, deren Wert nicht in ihr selber liegt, sondern in der möglichen Erfahrung, auf die sie verweist. Bei all diesen Autoren – und das wäre eine erste Gemeinsamkeit – stellt sich also die Frage, inwieweit ihre Werke überhaupt der sogenannten Literatur zuzurechnen sind.

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Orhan Pamuk on The Museum of Innocence: Seminar at the Centre Marc Bloch

Orhan Pamuk, recipient of the 2006 Nobel Prize for Literature, gave the 2017 Peter Szondi–Lecture on 17 October at the Freie Universität, discussing
his Museum of Innocence project. He visited the Centre Marc Bloch on 18 October to lead a seminar discussion on the project. The following is an abridged transcript of that discussion and the order of some questions has been changed.

The Museum of Innocence

Pamuk opened the Museum of Innocence  in Istanbul in 2012 as an accompaniment to his 2008 novel of the same name. The novel’s protagonist, Kemal, constructs a museum to honour his love, Füsun. The text is based around objects collected by Pamuk and subsequently displayed in the real museum, which is presented as that made by Kemal and whose exhibits follow the chronology of the novel. In some cases, objects are reconstructions, such as cigarettes, which would naturally decay. In others, they are wholly fictional.

Unlike large-scale museums that narrate national histories, Pamuk’s museum focuses on individual lives and everyday experience. He has expressed his ideas on the role of such small museums in a “modest manifesto.”  Pamuk argues that museums should be like novels: they should tell “everyday stories of individuals,” which are “richer, more humane, and much more joyful” than epic historical narratives. “Monumental museums “do not bring out our humanity,” he claims; “on the contrary, they quash it.”

Transcript by Chris Fenwick

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The Affectivity of Multilingualism at the Freie Universität

By  Dorothea Trotter

“Affect” is an old word with many meanings that vary based on the person using the word and their discipline (if any). The OED defines it as a “feeling or subjective experience accompanying a thought or action or occurring in response to a stimulus.” Affect is often thought of in relation to emotion, feeling or mood and can be manifested in facial expression, posture, gestures and tone of voice, amongst other things. However, as a current working group of the Collaborative Research Centre at the Freie Universität points out, there is much more to affect than individual mental experience.

Affect was always a subject of close scrutiny for those who studied the workings of the human mind, but it was not until the rise of experimental psychology in the late nineteenth century that emotion became a major concern and the study of it in relation to political, economic and cultural transformations became a regulated practice. Nonetheless, literary focus on affect lost some credibility with the advent of the New Criticism in the 1940s. W.K. Wimsatt and Monroe Beardsley challenged critics for becoming emotionally entangled in the texts they were examining and discredited their analyses, which they stated derived from the text’s effect on the reader’s emotion. Today, this idea of the “affective fallacy” has largely been rejected by theorists: the “affective turn” in criticism and science saw a rise during the 1990s in scholars studying the ways in which humans react to certain stimuli and the role of affect in literary composition and reception. Contemporary affect theory derives a lot of its practice from the traditions of psychoanalysis and poststructuralism, with names like Gilles Deleuze, Félix Guattari, Brian Massumi and Silvan Tomkins lending legitimacy to the examination of what, at first glance, may appear subjective and irrelevant to serious intellectual criticism.

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Berlin als literarisches Trugbild: Ein Interview mit Bernardo Carvalho

Interview von Laura Gagliardi und Caio Yurgel
Bernardo Carvalho                         Bildquelle: FSGS

Im Rahmen des Workshops de/localizing literature, der vom 24. bis zum 26. Januar 2017 an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien (Freien Universität Berlin) stattfand, fand das Interview mit dem brasilianischen Schriftsteller Bernardo Carvalho statt. Im Fokus des hier veröffentlichten Gesprächs steht die Rezeption seines letzten Buches Simpatia pelo demônio [Mitgefühl für den Teufel, 2016, Companhia das Letras] und seine Beziehung zu den verschiedenen Gattungen, denen er sich in seinem Werk widmet. Das portugiesische Originalinterview finden Sie am Ende der deutschen Übersetzung.

Bernardo Carvalho, geboren 1960 in Rio de Janeiro, ist ein renommierter Schriftsteller, Journalist und Dramatiker. Er war Korrespondent der brasilianischen Zeitung „Folha de S. Paulo“ in Paris und New York sowie Herausgeber  der literarischen Beilage. Seine Bücher wurden in mehr als zehn Sprachen übersetzt und in vielen Ländern veröffentlicht. Neben Aberração, einer Sammlung von Kurzgeschichten aus dem Jahr 1993, schrieb er elf Romane, zuletzt Simpatia pelo demônio, die in Brasilien in dem Verlag Companhia das Letras erschienen sind. Seine literarische Produktivität lässt sich in zahlreichen Publikationen und Anthologien sowohl in Brasilien als auch im Ausland nachverfolgen. Sein Theaterstück BR-3 (2006), geschrieben für das experimentelle Teatro da Vertigem, wurde am Fluss Tietê in São Paulo und auf Booten in der Bucht von Rio de Janeiro aufgeführt. Ein weiteres Theaterstück (Dire ce qu’on ne pense pas dans des langues qu’on ne parle pas) wurde im Mai 2014 im Théâtre National in Brüssel uraufgeführt, bevor es für das Avignon Festival in Frankreich ausgewählt wurde. Einige seiner Chroniken, literarischen Rezensionen und Kurzgeschichten, die in „Folha de S. Paulo“ erschienen, wurden in dem Band O mundo fora dos eixos versammelt und neu herausgegeben (Publifolha, 2006).

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Modulationen der Zeit: Rückblicke mit und auf Skisb von Artavasd Pelešjan

Umschlag des Buches Moe kino (Mein Kino), 1988 , von Artavasd Pelešjan
von Willi Reinecke

Sollte 2018 das hundertjährige Jubiläum der Oktoberrevolution wieder zu den Akten gelegt werden, werden weitere Jahrestage möglicherweise dennoch an verwandte Fragen anknüpfen: 50 Jahre 1968 heißt dabei nicht nur eine Rekonstruktion westlicher Studentenbewegungen, auch der Prager Frühling hat sein großes Jubiläum. Damit steht die Dezentralisierung der Macht in West und Ost zur Debatte, im Lichte heutiger Spannungen zwischen beiden Seiten eine neu aufgelegte Herausforderung. Hinsichtlich der Oktoberrevolution ist 1967/68 wie eine Scharnierstelle, wurde doch damals in der Sowjetunion mit großem Aufwand der 50. Jahrestag der Revolution inszeniert. 50 Jahre von heute aus darauf zurückblickend, stellt sich die Frage nach dem zeitlichen Kontext dieser damaligen Inszenierung, die nicht zuletzt auch mit filmischen Mitteln geschah. In der Filmgeschichte wird das revolutionäre Momentum ganz verschieden artikuliert.[1]

Artavasd Pelešjans experimenteller Dokumentarfilm Anfang (Skisb im armenischen Original, der russische Titel Načalo erscheint im Film) gibt insofern einen Ausblick auf diesen zeitlichen Kontext, da er 1967 zum 50. Jahrestag entsteht und ausgehend von 1917 die darauffolgenden Jahrzehnte beleuchtet. Der Kurzfilm ist die Abschlussarbeit des damals 29-jährigen armenischen Regisseurs an der legendären Moskauer Kinematografieschule VGIK, die als älteste Filmhochschule der Welt gilt und durch Kulešov und Pudovkin früh verbunden ist mit Fragen nach der Darstellbarkeit der neuen sowjetischen Gesellschaft mittels innovativer Sujetfügung. Pelešjan arbeitet in einem weiten Sinn des Dokumentarischen, mit genreübergeifenden Essayfilmen, in denen Archivmaterial oft mit inszenierten Aufnahmen und Fotos kombiniert wird, im Falle von Skisb sind etwa auch kurze Sequenzen aus Ejzenštejns Oktober (Oktjabr‘) oder aus Erde (Zemlja) von Dovženko zu sehen. Diese Referenzen zeugen von der intensiven Auseinandersetzung Pelešjans mit der Avantgarde der 1920er und 30er. Sein eigener theoretischer Ansatz, den er mit der „Distanzmontage“ in den frühen 1970er Jahren systematisiert, ist Polemik gegen und Würdigung von Regisseuren wie Ejzenštejn und Vertov. Um 1970 bekommt Pelešjan bereits massive Probleme mit der staatlichen Zensur und kann in den folgenden Jahren nur noch sehr eingeschränkt arbeiten, während er insbesondere von französischen Filmkritikern wie Serge Daney begeisterten Zuspruch erhält.

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Joshua Cohen in Berlin: An Interview

Joshua Cohen is an American writer. He is author of five novels, including Witz (2010), Book of Numbers (2015) and, most recently, Moving Kings (2017), as well as numerous short stories and non-fiction pieces. He has worked as a contributing editor for Harper’s Magazine, the New York Times, the Jewish Daily Forward and the London Review of Books, and has taught at Columbia University and the New School in New York, where he lives. In the winter semester of 2017/18 he is Samuel Fischer Guest Professor at the Peter Szondi Institute of the Freie Universität Berlin.

Interview by Chris Fenwick

You’ve lived in Berlin on previous occasions – I think you first came here in 2001, and the final part of Book of Numbers is set in a more recent incarnation of the city. What drew you here in the first place, and how do you feel about the way the city has changed?

I was told, I forget by whom, that the city was cheap. And the truth was, it was – it was cheaper. I had a job working for the venerable Jewish newspaper The Forward – I was the paper’s Europe correspondent. That meant: a whole lot of territory, not a whole lot of Jews. So I was on planes and trains and buses a lot, and that’s where I began writing fiction. In transit. In the window seat.

As for how I feel about how the city has changed, I don’t know. Let me just say that it’s cleaned up a lot. But then so have I. When I was here back then I felt as if Berlin and I were at the same stage of life: irresponsible about everything – about our money, our health, our sleeping – because our true responsibility was to history.

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The Politics of Psychoanalysis; Samo Tomšič on The Capitalist Unconscious

Samo Tomšič currently works at the interdisciplinary laboratory Bild Wissen Gestaltung at the Humboldt University in Berlin. In 2015, he wrote The Capitalist Unconscious; Marx and Lacan.

Interview by Dennis Schep

Dennis: Why Marx and Lacan?

Samo: The underlying question is: Why Marxism and psychoanalysis? Looking back, one would perhaps conclude that most past attempts to combine these fields of thought ended up in failures. Then there were the years of postmodernism, when Marx was no longer perceived as a key economic thinker and instead became an exotic curiosity in cultural thought. Freud, too, was no longer taken as the founder of an efficient clinical practice and the interest in his work was mostly limited to his cultural writings. However, it is no coincidence that since the crisis of 2007/2008 both made a return, since they essentially are thinkers of crises. They explore the causal link between critical developments in society and the production of what could somewhat pathetically be called “damaged life.”

Marx, on the one hand, thematized the subjective damage caused by capitalism in various ways, exposing the devastating consequences of precarization, exploitation, drive for profit etc. Then there is the political-economic notion of homo oeconomicus, which is less a description of human nature than an ideological tool to reshape the human subject in accordance with liberal and neoliberal fantasies about society, market, and value. In a system proclaiming that “greed is good” – in the first place, of course, the greed of the system – the duty of every individual is to constitute him-or-herself as a narcissistic egomaniac. Although this notion of subjectivity lost its ideological efficacy during the last crisis, the damage its enforcement created remains.

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Die Serie endet auf drei: Polleschs Raumschiff Volksbühne

 von Linn Günther

„Man sollte […] mit der falschen Idee aufräumen, Wiederholung sei gleichbedeutend mit Tod. Wohingegen das Leben Vielfalt und überraschende Wendungen bedeute. […] [D]er größte Beweis für die göttliche Kreativität [besteht doch darin], dass sich immer wieder dieselben Dinge wiederholen. […] Die Sonne geht regelmäßig auf, weil sie nicht müde wird, aufzugehen. Was nach meiner Meinung Ausdruck einer überschwänglichen Lebhaftigkeit ist.“[1]

Ironisch zwinkert René Pollesch in seinem Drama “House for Sale” (Premiere am 10.09.2014) seinen Kritikerinnen zu, einem Werk aus der Reihe einer vermeintlich ewigen Wiederholungsschleife, einer postmodernen Diskursmaschine. Pollesch bildete einen der zentralen Frontmänner im ästhetischen Programm der verabschiedeten Volksbühne, neben Christoph Marthaler und Herbert Fritsch. Und seit längerem wurde dem Dramatiker und Regisseur vorgeworfen, nur noch Wiederholungen zu produzieren – diesen ermüdeten Grundton in verschiedenen Lagern des Kulturjournalismus greift das vorangestellte Zitat auf. Weniger ironisch wird es jedoch, wenn der dazugehörige Stücktitel sich als prophetischer erweist, als ihm lieb war: Die Castorf-Bühne ist futsch und damit unser Lieblingssender der Pollesch-Soap.

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„Die Wirklichkeit des Möglichen“; ein Gespräch mit Thomas Heise

Fotograf: Lorenz Becker

Am 29. September 2017 fand im Rahmen der Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule eine Podiumsdiskussion statt zwischen der Autorin Svetlana Alexijewitsch und dem Dokumentarfilmemacher Prof. Thomas Heise, moderiert von Prof. Dr. Wolfram Ette. Im Anschluss an die Diskussion sprachen wir mit Thomas Heise. 

Interview von Dennis Schep

Dennis: In der zweiten Einstellung von Ihrem Film Material sind Bilder vom 14. November 1990 von der Räumung der Mainzer Strasse zu sehen. Sie nehmen eine Schlüsselposition im Film ein: Es sind die ersten Bilder, die klar datierbar sind. Was kam mit dieser Räumung zu Ende?

Thomas: Am Anfang gibt es das Bild von den Kindern – ein Tafelbild, könnte man sagen. Dann wird es schwarz und es kommt nur Text. Und dann sieht man das Gegenteil des Tafelbildes – die Wackelkamera. Es geht da um das Sprechen: „Ihr da oben, ich will mit euch reden“, sagt der Polizist. Oben und Unten, Bühne und Zuschauerraum versuchen miteinander in Kontakt zu treten, sei es mit Wörtern, mit Steinen oder mit der Wasserkanone. Der Vorgang ist das Abschaffen der sich entwickelnden Utopie eines anderen Zusammenlebens und das Wiederherstellen von Besitzverhältnissen, die im Grundbuch eingetragen sind. Ein Jahr lang hatte Anarchie geherrscht und das war toll und dann war das vorbei. Wenn ich Revolution machen würde, würde ich zuerst die Grundbücher vernichten, und zwar alle. Das hat die DDR nicht gemacht, und deswegen konnten Leute kommen und sagen: „Das ist mein Haus!” Diese Wiederherstellung der Eigentumsverhältnisse war die erste Maßnahme des gemeinsamen Senats von Ost- und West-Berlin. Und so begann die deutsche Wiedervereinigung: mit einer Straßenschlacht um Grund, Boden und Immobilien, Besitzende gegen Besitzlose.

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FSGS-Jahrestagung 2017 „Fabrics of Time“

AutorInnen: Prof. Dr. Stefan Keppler-Tasaki und Prof. Dr. Cordula Lemke

Jahrestagung FSGS 2017Organisiert von Stefan Keppler-Tasaki und Cordula Lemke fand die Jahrestagung 2017 der FSGS am 29. und 30. September unter dem Titel Fabrics of Time im Clubhaus der Freien Universität statt. Knapp 30 Vorträge in neun Panels adressierten ein unter anderem ideengeschichtlich und kulturtheoretisch, ästhetisch und narratologisch gleichermaßen spannendes Spektrum an Zeittexturen, Zeitkonzeptionen und Zeitverständnissen aus zwei Jahrtausenden. Neben einem Großteil der Stipendiatinnen und Stipendiaten engagierten sich viele PIs der FSGS, darunter von der Philosophie, der englischen, deutschen und romanischen Philologie und der AVL, sowie mehrere Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler unter anderem aus New York, Oxford und Tokyo. Zu den Leitfragen gehörte, in welchen Formen und mit welchen Funktionen literarische und bildkünstlerische Texturen die Texturen von Zeit aufgreifen bzw. in sie eingreifen, wie sie sie produzieren und reflektieren. Zyklisch-episodische und mythisch-achrone Zeit, absolute Zeit nach Newton und relative Zeit nach Einstein, demgegenüber die eigenlogische Zeit von Naturdingen, Artefakten und Biographien waren häufige Bezugspunkte der Vorträge und Diskussionen.

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The irreducible significance of literature: David Wellbery on Goethe, Cavell and de Man

Interview with David E. Wellbery

David E. Wellbery is LeRoy T. and Margaret Deffenbaugh Carlson Professor at University of Chicago, where he chairs the Department of Germanic Studies and is a member of the Committee on Social Thought. A renowned scholar of the German tradition, he has published numerous books and essays on Lessing, Goethe, Kleist, Schopenhauer and many others.

Interview by Chris Fenwick

Professor Wellbery, you’re visiting Berlin as a guest speaker at the ZfL, so it’s perhaps appropriate to begin with a couple of questions about internationalism in academia. Do you think that German and US academics have different approaches within your own field of German Studies? What do you think are the major differences between German and US universities?

First of all, let me say something about internationalism in general, which I see as really having accelerated over the past five years. The conference I’m involved in here is co-organized by colleagues from Potsdam, Tel Aviv and Chicago, and I have a bit of a hand in the organization too. This is rather typical of today. Just before coming here I had a guest from the University of Curitiba in Southern Brazil who is working on a very interesting project, making digitally available all of the German-language publications in Brazil in the nineteenth century. This is the kind of thing we could also do in the US and I am interested in pursuing such possibilities. Moreover, his project is co-supported by the Fritz Thyssen Stiftung, so you get a kind of triangulation there, which I think is typical. Again and again I’m experiencing at conferences that Asian students are listening in, if not participating. It’s only going to be a generational question before we see more of their participation, which I think is really good.

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1. FSGS-Summer School „Rhetorik(en) der Literaturwissenschaft“ (Berlin, 23.–30. Juli 2017)

Verfasser_innen: Organisationsteam der Summer School Jennifer Bode, Simon Godart, Alexandra Ksenofontova, Anna Sophie Luhn, Eva Murašov

Vom 23. bis 30. Juli richtete die Friedrich Schlegel Graduiertenschule ihre erste internationale Summer School zum Thema „Rhetorik(en) der Literaturwissenschaft“ aus. 32 Teilnehmer_innen, in der Regel Doktorand_innen, waren aus den eingegangenen Bewerbungen ausgewählt worden.

Mit einer Führung durch die Ausstellung „Kunst und Narration“ im Hamburger Bahnhof und einer Eröffnungsfeier im Garten der Schlegel Graduiertenschule bot der 23. Juli Gelegenheit zum Kennenlernen. Prof. Dr. Jutta Müller-Tamm und das Team der Geschäftsstelle hießen die NachwuchswissenschaftlerInnen und eingeladenen ProfessorInnen an der Freien Universität willkommen; Spoken Word Poesie von Ken Yamamoto und Musik von Sonic Drilling bereicherten den Abend.

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Tension, Failure, Errantry – 10 Years of the ICI Berlin

ICI BerlinRecently, the ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry celebrated its 10th anniversary. We spoke to the director, Christoph Holzhey, and the staff researcher, Arnd Wedemeyer.

Interview by Dennis Schep

Dennis: During the first seven years of its existence the ICI worked on Tension / Spannung. Could you tell me something about the background of this first core project?

Christoph: The project was initiated by myself and a group of nine associate members who took part in setting up the institute. The idea was to think about the tensions between different cultures in the broadest sense possible. We wanted to see how productive tensions can be developed, what the potentials and limits are. Looking at the coexistence of cultures, we wanted to question the paradigm of harmony or integration, and investigate whether we can look at cultures from the perspective of their internal tensions.

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Do(n‘t) Judge a Book by Its Cover

Roman Kuhn über paratextuelle Fiktionsmarkierungen

Roman Kuhn hat 2016 seine Doktorarbeit über peritextuelle Fiktionsmarkierungen an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule erfolgreich beendet. Momentan arbeitet er innerhalb der DFG-Forschergruppe FOR 2305 „Diskursivierungen von Neuem. Tradition und Novation in Texten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit“ an einem Projekt über Klassizismus und Aufklärung in der französischen Literatur des 18. Jahrhunderts.

Interview von Dennis Schep
Roman Kuhn Interview
Le Grelot, Ou Les &c, &c, &c. : Ouvrage dédié à moi

Wovon handelt deine Dissertation?

In meiner Arbeit geht es um paratextuelle Fiktionsmarkierungen. Paratext ist alles, was sich um den „eigentlichen“ Text herum befindet: Titelblätter, Verlagsangaben, Klappentexte und ähnliche Dinge, die den Text rahmen, aber auch Aspekte enthalten, die den Leser in eine bestimmte Richtung lenken. Mich hat interessiert, wie sich literarische Texte als Fiktion oder Nicht-Fiktion präsentieren und während meiner Beschäftigung mit Texten, die zwischen Autobiographie und Fiktion stehen, ist mir aufgefallen, wie zentral solche paratextuellen Signale dabei sind. Die Gattung der Autofiktion funktioniert eigentlich nicht, ohne dass im Paratext widersprüchliche Hinweise gegeben werden, zum Beispiel, wenn der Autorname auf dem Cover sich im eigentlichen Text als Name des Protagonisten wiederfindet, gleichzeitig aber „Roman“ vorne draufsteht. In dem Fall hat man zwei Aspekte, die in unterschiedliche Richtungen weisen.

Das war der Ausgangspunkt, das Thema geht allerdings historisch viel weiter zurück. Meine erste Entdeckung war, dass Paratexte im frühen 18. Jahrhundert und im 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielen, wobei sich auf der Oberfläche die Lage komplett umkehrt. Schematisch formuliert kann man behaupten, dass es im 18. Jahrhundert kaum Romane gibt, die nicht im Vorwort als wahre Geschichte ausgewiesen werden. Im 20. Jahrhundert findet man genau das Gegenteil: „Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig.“ Auf der Oberfläche eine exakte Umkehrung, man kann aber zeigen, dass unter dieser Oberfläche ganz ähnliche Strategien und auch ganz ähnliche Anliegen vorhanden sind.

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„The Self in Verse. Exploring Autobiographical Poetry“

Bericht zur Tagung         

von Marie Lindskov Hansen                                                                    

Zeit: 9.- 11. April 2017
Ort: St Hilda’s College, University of Oxford

Über historische und kulturelle Wandlungen hinweg fasziniert die Lyrik als Modus der literarischen Selbstdarstellung. Schon in der Antike schrieben römische Dichter wie Catull und Ovid lateinische Verse, die von ihren Leben und von zentralen Episoden wie z.B. der Exilerfahrung handelten. Im Mittelalter verwendeten französische und deutsche Minnesänger wie Chrétien de Troyes und Walther von der Vogelweide Elemente des self-fashioning in ihren höfischen Liedern. Und auch seit der Renaissance haben sich etliche große Dichter mit ihren Werken in die Tradition der autobiographischen Lyrik eingeschrieben, siehe z.B. Dantes Vita Nuova, Petrarcas Canzionere, Shakespeares Sonnets, Goethes Sesenheimer Lieder, Wordsworths Prelude, um nur einige kanonische Beispiele zu nennen. Die autobiographische Repräsentation und Narration eines Selbst fungiert hier jeweils als Kern der lyrischen Praxis und verleiht dieser besonderes Potenzial: Liebesgedichte, religiöse Lyrik, historiographische und epische Gedichte oder andere Subgenres der Lyrik sind nur einige Ausdrucksformen, bei denen sich das Leben der Dichter und Dichterinnen besonders stark mit der Literatur verflochten zeigt.

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Verführung als Erschließungskategorie moderner Prosa

Interview mit Agnieszka Hudzik

„Philosophie der Verführung in der Prosa der Moderne. Polnische und deutschsprachige Autoren im Vergleich“ – so lautet der Titel der Doktorarbeit, die Agnieszka Hudzik zurzeit für den Druck vorbereitet. Die Verfasserin ist Alumna der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Potsdam. Noch vor der Veröffentlichung sprachen wir mit ihr über ihr Buch.

Interview von Dennis Schep

Wovon handelt deine Studie?

Agnieszka Hudzik: Der Ausgangspunkt meiner Überlegungen war die Beobachtung, dass man die Prosa der Moderne häufig als einen Wendepunkt in der Literaturgeschichte betrachtet. Erich Auerbach etwa betont in seiner Abhandlung Mimesis das ungeheure Tempo der Veränderungen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts vollzogen und mit denen sich die Schriftsteller konfrontiert sahen. Von der Zerrissenheit des Subjekts und dessen gestörter Weltwahrnehmung zu erzählen, erfordert Auerbach zufolge eine Abkehr von den narrativen Schemata der „klassischen“, realistisch

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On Hermeneutics and Secularism

Interview with Yael Almog

Yael Almog is a fellow at the Lichtenberg-Kolleg – The Göttingen Institute for Advanced Study. She finished her PhD at UC Berkeley, was a visiting member of the PhD-Net “Das Wissen der Literatur,” and worked at the Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin. In her dissertation and during her time at the ZfL, she worked on the history of literary theory and secularism.

Interview by Dennis Schep

How did you get into this project?

I started my PhD in Comparative Literature at Berkeley, but also had a strong interest in religion. Comparative literature in the US is not quite the same as in Israel or Germany; in the US the emphasis was very philological, whereas I wanted to do something more along the lines of intellectual history. I switched to the German department after a year-and-a-half and first needed to improve my knowledge of German… I then began a long period of moving between Berkeley and Berlin. In Berkeley, I was influenced by a theoretical climate that emphasized the critique of secularism; from Berlin I took the emphasis on the eighteenth century, Enlightenment studies and Romanticism.

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Puerto Berlín

Ein Symposium über Berlin als Heimathafen lateinamerikanischer Literaten

Stadtsprachen
http://stadtsprachen.de/event/puerto-berlin/
von Jeanette Kördel

Innerhalb des Projekts PARATAXE – die internationalen Literaturszenen Berlins fand am Freitag den 19.05.2017 das Symposium „Puerto Berlín“ im Literarischen Colloquium statt. In drei Panels und einer Abendlesung wurden die Etappen einer ebenso faszinierenden wie kosmopolitischen Literaturgeschichte untersucht: das Wirken lateinamerikanischer AutorInnen in Berlin, einer Stadt die für viele Literaten als temporärer oder permanenter Heimathafen fungiert. Das erste Panel am Vormittag stand unter dem Motto „TRANSIT – Aufbruch und Exil. Die 1960er und 1970er Jahre“ und betrachtete Berlin als Metropole geflüchteter Literaten und Kulturschaffender, die aus den Diktaturen ihrer Heimatländer fliehen mussten. Ein Schwerpunkt bildete hier Chile, aus dem während der Pinochet-Diktatur (1973-1990) zahlreiche Intellektuelle ins Exil gezwungen wurden. Fragen hierzu waren u. a.: Welche exilierten AutorInnen fanden in Berlin – Ost oder West – einen neuen Aufenthaltsort oder schrieben im Transit? Wie das insilio (innere Emigration) barg das exilio Risiken. Welche sind dies, literarisch, kulturell und politisch gesprochen gewesen? Und: Konnten sich die in Berlin exilierten AutorInnen in den Boom der lateinamerikanischen Literaturen einschreiben? Gemeinsam mit der chilenischen Autorin und Historikerin Patricia Cerda diskutierten Chile-Experten und LiteraturvermittlerInnen diese Fragen und beleuchteten die Anfänge der lateinamerikanischen Literaturgeschichte in Berlin genauer.

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Literature Away from Home: Jake Schneider on Translation, Little Magazines and More

Jake Schneider is the editor in chief of SAND, Berlin’s English literary journal. His translation of Ron Winkler’s poetry collection Fragmentierte Gewässer (Fragmented Waters) was released by Shearsman Books last October. He works as a freelance translator from German to English.

Interview by Chris Fenwick

SAND is an English-language journal based in a German city. How do you think it differs from journals in English-speaking countries?

SAND itself is a Berliner by birth, even if virtually everyone who’s worked on it over the past eight years is a Berliner by choice, born elsewhere and likely to move on eventually. This a city of fleeting convergences, eager arrivals and sudden departures, and all that history has left many layers of unique creative residue, which is why we aren’t just a direct transplant from some other place where English is the official language.

In cosmopolitan Berlin, English now represents a kind of horizontal communication, often between people who grew up speaking a third or fourth language. English is the language people arriving here speak. That makes it a symbol of inclusion, while German is a daunting gate that fresh Berliners who are serious about settling down can only pass with years of study and practice.

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Roundtable: Beauty

On April 26, a roundtable discussion on beauty took place at Spektrum in Berlin. The event was organized and moderated by Dennis Schep (Friedrich Schlegel Graduiertenschule). Participants were:

Christina Dimitriadis (Visual artist, NYU Berlin)
Chris Fenwick (Literary scholar, Friedrich Schlegel Graduiertenschule)
Joshua Fineberg (Composer, Boston University)
Melissa Steckbauer (Visual artist)

roundtable beauty
Marcel Duchamp’s Fountain, 1917

 

What follows is an abridged and edited transcript of the input statements and the subsequent discussion.

Dennis: What got me interested in this topic is the observation that, whereas one might suppose that art is about making beautiful things, nowadays this aim does not figure in artist’s statements, and neither is beauty a dominant concern in the discourse about art. After spending 10 years in the university and being accustomed to a critical vocabulary, I myself have come to suspect judgments of beauty: to say something is beautiful almost sounds naive. Recently, Sianne Ngai has argued that our aesthetic categories are no longer the beautiful and the sublime, but the cute, the zany and the interesting. Perhaps we could say that beauty is marginalized in the fields of art and academia. I am interested in the reasons for this marginalization.

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Internationalisierung und Exzellenzinitiative: Jutta Müller-Tamm stellt die FSGS vor

Jutta Müller-Tamm ist Professorin für Neuere Deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin und Direktorin der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien.

Interview von Chris Fenwick

Die Friedrich Schlegel Graduiertenschule hat vor kurzem den Hauptpreis der Einstein Stiftung Berlin für das beste Doktorandenprogramm der Stadt gewonnen. Was bedeutet diese Förderung für die FSGS? Was wird sie künftig damit machen?

Zunächst bedeutet dieser Preis eine große Bestätigung: Anregung, Unterstützung, Ermutigung. Ganz konkret ist diese Förderung natürlich Geld wert. Wir haben verschiedene Dinge geplant, die wir jetzt umsetzen möchten. Die erste Idee folgt einer Anregung unserer StipendiatInnen: Wir werden 2017, -18 und -19 jeweils eine Summer School ausrichten. Das zweite Vorhaben soll die Internationalisierung der FSGS vorantreiben: Mit einem Teil des Preisgeldes möchten wir neue Kooperationen in Gang setzen und werden im Hinblick darauf Kontakt mit Universitäten in Südafrika aufnehmen. Der dritte Bereich betrifft unser genuines Geschäft, das heißt wir finanzieren Stipendien mit den Geldern der Einstein-Stiftung. Das ermöglicht uns zum Beispiel, den Jahrgang, den wir jetzt auswählen und im Oktober zulassen werden, tatsächlich vollkommen auszufinanzieren und mit entsprechenden Mitteln für Reisen auszustatten. Wir haben auch ein neues Förderformat eingeführt, die Einstein Projektstipendien, die wir an Bewerber in der Endphase oder kurz nach Abschluss des Masterstudiums vergeben und denen wir mit einem dreivierteljährigen Stipendium ermöglichen, ein Exposé zu schreiben, mit dem sie Stipendien einwerben können. Damit können sie dann Mitglieder der Schule bleiben, so dass wir hoffen, auf diese Weise auch in die weitere Zukunft der Schlegel-Schule zu investieren.

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Kleine Formen – an der HU Berlin nimmt ein neues literaturwissenschaftliches DFG-Graduiertenkolleg seine Arbeit auf

Am 1. April 2017 nimmt das DFG-Graduiertenkollegs 2190 “Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen” seine Arbeit an der Humboldt-Universität auf. Ein Interview mit dem Sprecher des Graduiertenkollegs, Prof. Dr. Joseph Vogl.

Interview von Dennis Shep

Können Sie kurz schildern, womit das Kolleg sich beschäftigen wird?

Der Ausgangspunkt des Forschungsprojekts “Literatur- und Wissensgeschichte kleiner Formen” besteht zunächst in der Annahme, dass kleine Formen, die genremäßig wenig fixiert sind, einen großen Anteil an der Verfertigung, Zirkulation und Organisation von Wissen haben, oft aber unter der Beobachtungsschwelle bleiben. Damit hängt – und das wäre ein zweiter Punkt – zusammen, dass der Bezug dieser Formen zu unmittelbaren Praxiskontexten oder Gebrauchsroutinen sehr stark ist; dass sie sich weitgehend durch bestimmte praxeologische Perspektiven definieren, unter anderem in Zusammenhang mit bestimmten Medienformaten, und zwar vom medizinischen Aphorismus in der Antike bis zu Fragen von sozialen Netzwerken und Twitter in der gegenwärtigen Kommunikation.

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Die unsichtbare Germanistik. Über eine Debatte in ihrer Krise

Manuel Clemens promovierte 2013 an der Yale University mit einer Dissertation über „Das Labyrinth der ästhetischen Einsamkeit. Eine kleine Theorie der Bildung.“ Derzeit unterrichtet er German Studies an der Rutgers University in New Jersey. Jüngste Veröffentlichung: „Dumme Fragen beantworten. Für einen populistischen Turn in der Literaturwissenschaft“ (KulturPoetik, Heft 16, Vol. 2, 2016). In diesem Artikel schlägt er vor, dass sich die gegenwärtige Literaturwissenschaft nicht nur mit ihren kanonischen Werken und Diskursen beschäftigen sollte, sondern auch mit dummen Fragen und populistischen Themen. Würde man diesen Fragen und Themen so gewissenhaft nachgehen wie der Lektüre Kafkas oder Benjamins, könnte sich eine neue Literaturwissenschaft mit einem neuartigen Wissen im öffentlichen Raum etablieren.

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Zeit für einen „conscious turn“?

Plädoyer für eine politisch aufmerksame Literaturwissenschaft

von Eva Murasov

Vergangenen Herbst lud die Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien (FSGS) im Rahmen ihrer Jahrestagung zu einer Podiumsdiskussion ein über „Techniken und Technologien der Lektüre – Alte Kulturtechniken, literaturwissenschaftliche Methoden und die Digital Literary Studies“. Fünf LiteraturwissenschaftlerInnen (Irmela Krüger-Fürhoff, Christine Ivanovic, Thomas Weitin, Hans Ulrich Gumbrecht und Bernhard Metz) dachten öffentlich darüber nach, wie sich das Fach in einer digitalisierten Gesellschaft positionieren kann. Bedarf es unter den sich ändernden medialen Bedingungen und Möglichkeiten eines neuen Umgangs mit Texten? Wenn ja, welchen? Die Diskussion blieb keinesfalls bei einer Auseinandersetzung mit Methodik stehen, sondern warf die Frage nach dem Selbstverständnis der Literaturwissenschaft und ihrer gesellschaftlichen Relevanz auf. Die politische Tragweite von Debatten über Forschungsrichtungen und Studienfächern zeigte sich nicht nur jüngst im Germanistik-Bashing des Spiegels – oder vielmehr in Frauke Berndts kluger Antwort  darauf –, sie rückte auch auf dem FSGS-Podium im November 2016 in den Vordergrund.

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Die Wunde zeigen

Im interdisziplinären Forschungsprojekt „PathoGraphics“ untersuchen Wissenschaftlerinnen die Darstellung von physischen und psychischen Grenzerfahrungen in Literatur und Comics

Nora Lessing
„Die Anstandsdame – Chaperone“ nennt die kanadische Künstlerin Stef Lenk ihr Bild, bei dem der Schatten kritisch auf das tanzende Skelett schaut. Die Künstlerin zeichnet sowohl Comics wie auch medizinische Illustrationen.                           Bildquelle: Stef Lenk / steflenk.com

Die Diagnose Hirntumor war Ausgangspunkt für Wolfgang Herrndorfs Blog „Arbeit und Struktur“, Daniela Schreiter vermittelt in ihrem Comicbuch „Schattenspringer“ die Welt aus der Perspektive einer Autistin, und der Theatermacher Christoph Schlingensief machte Leid, Angst und Hoffnung mit der Veröffentlichung seines Krebstagebuchs „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!“ zu zentralen Themen seines Spätwerks.

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Size Matters: Knowledge, Storage, and the History of Compression

Hansun Hsiung recently finished his PhD about textbooks and the globalization of scientific knowledge in the nineteenth century at Harvard. He is currently working on a project about compression at the Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. An interview with Hansun Hsiung on the History of Compression

Interview by Dennis Schep

What is the history of compression?

In the past decade or so, several historians, most notably Ann Blair, have attempted to historicize our contemporary “information overload” by excavating precursors from the early modern era. These studies have shown that since the rise of commercial print at latest, we’ve been creatively struggling with the problem of “too much to know.” My project takes this line of inquiry, and refocuses it on problems of material infrastructure. Knowledge is embedded in objects, and we build infrastructures such as libraries and archives to house these objects. But objects take up space. Thus, if information overload does have a long history, then this history is not only a problem of “too much to know.” It must also be a problem of “too much to store.”

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Bob Dylan – Die Stimme und die Stimmen

WorkshopDylan Wokshop, Die Stimme und die Stimmen

Zeit: Donnerstag, 23. Februar 2017, 10.00 – 18.00 Uhr
Ort: Topoi-Villa Dahlem
Konzeption: Wolfram Ette, Georg Witte

Rund vier Monate nach der seit langem immer wieder geforderten Vergabe des Nobelpreises an Bob Dylan haben die Friedrich-Schlegel-Schule für literaturwissenschaftliche Studien und das Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft mit dem Workshop Bob Dylan Die Stimme und die Stimmen reagiert. Organisiert wurde der Workshop von Wolfram Ette, gegenwärtig Gastprofessor an der FSGS, und von Georg Witte, der der Schule seit vielen Jahren verbunden ist.

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Roundtable: Critique

On January 21, a roundtable discussion on the history and current meaning of critique

Credit: Jean-Paul Sartre, Gilles Deleuze, and Michel Foucault; picture by Elie Kagan

took place at Spektrum in Berlin. The event was organized and moderated by Dennis Schep (Friedrich Schlegel Graduiertenschule). Participants were:

Luce deLire (Philosophy and German and Romance Languages and Literatures, Johns Hopkins University)

Hansun Hsiung (Max-Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte)

Jule Govrin (Friedrich Schlegel Graduiertenschule)

Jan-Philipp Kruse (Rechts- und Verfassungstheorie, TU Dresden)

The afternoon began with preliminary provocations from each participant. What follows is an abridged and edited transcript of the subsequent audience discussion only. A full audio recording, including the presenters’ preliminary provocations, can be found here.

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Ernst, Tragisch, Problematisch – Guido Mazzoni on Late Capitalism and the Theory of the Novel

Guido MazzoniGuido Mazzoni is a poet, essayist and a founding editor of Le parole e le cose, Italy’s leading cultural webzine. He is a professor at the University of Siena. In 2011 he published Teoria del romanzo, which has now been translated into English for Harvard University Press.

Interview by Chris Fenwick

Guido Mazzoni, you gave a talk at the Freie Universität summarizing ideas from your new book, Theory of the Novel. Could you tell us in more detail about the argument of your book and how it differs from past theories of the novel?

In my view the novel is defined by two elements. One element is linked to a language game: the novel is something that narrates; the novel tells a story. The second element is the fact that the novel has become the genre in which you can narrate anything in any way whatsoever.

To turn to the first element – what does it mean to narrate a story? In the twentieth century, narratology established one ahistorical answer. My answer has a historical starting point.

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Stick to the facts

„Postfaktisch“ – das Wort des Jahres 2016

Pro/Contra: Stick to the facts. „Postfaktisch“ – das Wort des Jahres 2016

von Simon Godart

Das Oxford Dictionary hat (am 16. November 2016) den Neologismus „post-truth“ zum internationalen Wort des Jahres 2016 bestimmt. Der Begriff, der sich nicht ganz maßstabsgetreu als „postfaktisch“ ins Deutsche übersetzt, ist ein Adjektiv zur Beschreibung von Diskursformationen oder politischen Haltungen, in denen Fakten oder anerkannte Überzeugungen nicht zur Basis der Argumentation genommen werden. Oder nicht mehr, müsste man sagen; der Begriff hat vor allem zeitdiagnostischen Wert und geht mit der Behauptung einher, dass das Jahr des Post-Faktischen insbesondere wegen des viel diskutierten Präsidentschafts-Wahlkampfes in den USA eine neue Debattenkultur eingeläutet habe. Mit gleichbleibender Begründung und Hervorhebung der steigenden Popularität des Adjektivs zog nun die Gesellschaft für Deutsche Sprache einen knappen Monat später (am 9. Dezember) nach und wählte diese „Lehnübertragung“ auch zum deutschen Wort des Jahres. 

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Chiffren des Sozialen. Realistisches Erzählen und politische Ökonomie im 19. Jahrhundert

Till Breyer hat kürzlich seine Doktorarbeit bei Joseph Vogl an der Humboldt-Universität abgegeben. Momentan arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum.

Interview von Dennis Schep

Worum geht es in deiner Arbeit?

In meiner Dissertation habe ich versucht, den Zusammenhang von realistischen Erzählweisen und ökonomischen Wissensgegenständen im 19. Jahrhundert zu beleuchten. In den letzten Jahren sind gerade zum Verhältnis von Realismus und Ökonomie einige Studien erschienen, denen gegenüber ich den Fokus noch einmal etwas verschieben und ausweiten wollte.

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Statements zu den Digital Humanities

„Trotz der verschiedensten Entwicklungen des 20. Jahrhunderts basieren die Methoden der ‚Analogue Humanities’ immer noch auf Praktiken, die über 200 Jahre alt sind. Im digitalen Zeitalter sind sie nicht mehr zeitgemäß.“

Lev Manovich:

Digital Humanities scholars use computers to analyze mostly historical artefacts created by professionals. The examples are novels written by professional writers in the 19th century. Time wise, they stop at the historical boundaries defined by copyright laws in their countries. For example, according to the U.S. copyright law, the works published in the last 95 years are automatically copyrighted. (So, for example, as of 2015, everything created after 1920 is copyrighted, unless it is recent digital content that uses Creative Commons licenses.) I understand the respect for the copyright laws – but it also means that digital humanists shut themselves out from studying the present.

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Stimmung 2016 – an interview with Hans Ulrich Gumbrecht

30-stimmung-lesen-gumbrechtHans Ulrich Gumbrecht is a literature professor at Stanford University, a public intellectual and a naturalized citizen of the United States. This interview took place in Berlin, three days after Donald Trump won the U.S. presidential election.

Interview by Chris Fenwick and Dennis Schep

You have written a book about the Stimmung after 1945, describing the ‘50s as a claustrophobic era. How would you see the Stimmung of today?

I feel it is a Stimmung of the end of something. It’s not quite clear what has come to an end, maybe nothing has come to an end, but if there is one motif that goes through all this confusion and the centrifugal interpretations of what is happening, there is always a claim for something ending. We have to seriously ask whether the institutional forms and rituals that emerged under certain historical conditions in the 18th century are no longer viable, whether accidents that have always been possible, like on January 30th 1933 in this city in this country, are now more frequently possible – so that we should imagine something else. Something has come to an end, but we aren’t sure what it might be. This gives us a double uncertainty, for as long as we don’t know what has come to an end, we don’t know what might come, and we cannot develop a recipe or strategy.

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The 2016 Nobel Prize for Literature is awarded to Bob Dylan

Ben Northern CC BY-NC-ND 2.0
Ben Northern CC BY-NC-ND 2.0

Pro/Contra: Nobel Prize for Literature to Bob Dylan

Chris Fenwick and Brian Poole

Contra

Chris Fenwick

I’m going to set out two arguments against awarding the Nobel Prize to Bob Dylan. The first concerns the potential political function of the prize within the literary landscape. It ultimately suggests that Dylan is a conservative choice. The second is about the scope of the category “literature,” specifically whether it should include songwriters. Here I admit that Dylan is a provocative choice, but maybe not productively so. I’m not going to assess Dylan’s artistic merit, say he shouldn’t get the prize because William Faulkner is better or, for that matter, say that he should since half the pre-war laureates aren’t read any more and/or are rubbish. Dylan is clearly a hugely talented lyricist who has exerted a great influence on culture. However, because his body of work is significantly dissimilar in kind from that of previous Nobel laureates, carrying out a comparison of quality is impossible. The issue isn’t whether it’s fair that he get the prize, rather whether it’s coherent.

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